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Nur knapp einer Freiheitsstrafe ist am Montag ein 61-Jähriger aus Burgdorf entgangen.  

Nur knapp einer Freiheitsstrafe ist am Montag ein 61-Jähriger aus Burgdorf entgangen.  
© Archiv/Dege

Burgdorf

61-Jähriger entgeht einer Freiheitsstrafe

Eine Geldstrafe von 500 Euro muss jetzt ein 61-Jähriger zahlen: Die Polizei hatte den Burgdorfer zum wiederholten Mal beim Fahren ohne Führerschein erwischt – ihm drohte sogar eine Freiheitsstrafe.

Burgdorf.  Schon seit dem Jahr 1978 steht ein 61 Jahre alter Mann aus Burgdorf immer wieder vor Gericht – die Eintragungen im Bundeszentralregister reichen von Unfallflucht und kleinen Diebstählen über gemeinschaftliche räuberische Erpressung, Nötigung, Raub und Bedrohung bis hin zum Fahren ohne Führerschein. Insbesondere dieses Delikt zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des Mannes, den die Polizei in Celle im Juni erneut stoppte.

Mit seinem Mofa war der gelernte Tischler, der seit 15 Jahren keine Arbeit hat und von Hartz IV lebt, von der Trüllerstraße in Richtung Bahnhof unterwegs. Dabei fiel der Mann einer Polizeistreife auf, die mit ihrem Dienstwagen dem Mofa folgte. Weil das Tacho im Auto fast 40 Stundenkilometer anzeigte, stoppten die Beamten den Fahrer – und stellten fest, dass der Burgdorfer es gar nicht hätte fahren dürfen, weil er keinen Führerschein besitzt und nur Fahrzeuge bis 25 Stundenkilometer lenken darf. „Ich wusste nicht, dass die Drosselung nicht funktioniert“, beteuerte er nun am Montag vor Amtsrichterin Stefanie Rohe. 

Sie mochte ihm diese Aussagen allerdings nicht ganz abnehmen: „Wir würden hier nicht sitzen, wenn Sie nicht die Vorstrafen hätten“, sagte sie und fügte nach den Zeugenaussagen der beiden Streifenpolizisten aus Celle hinzu, dass der 61-Jährige „merklich schneller“ als die für ihn erlaubten 25 Stundenkilometer gefahren sei. Diese Einschätzung teilte auch die Staatsanwältin, die angesichts des Alters und der Erfahrungen des Angeklagten von einem Vorsatz ausging. Amtsrichterin Rohe wertete die verhängnisvolle Fahrt letztlich als Fahrlässigkeit – und dies bewahrte den Burgdorfer vor einer Freiheitsstrafe. 

Sein Verteidiger indes kritisierte das Vorgehen der Celler Polizei mit deutlichen Worten: Die Polizisten hatten in der Verhandlung angegeben, dass sie dem Mofa mit gleichbleibenden Abstand über eine Strecke von mindestens 300 Metern gefolgt seien. „Ich fahre seit zehn Jahren jeden Tag dort entlang, das passt alles nicht“, sagte er und bezeichnete die Aussagen der Beamten als „Spekulationen“. Denn im Gegensatz zu Burgdorf gibt es in Celle keinen Prüfstand, sodass sich nicht ermitteln ließ, ob die Drosselung tatsächlich nicht funktionierte. Allerdings hatte der Angeklagte das schnelle Fahren seinerzeit eingeräumt, weil die Staatsanwaltschaft das Mofa sonst für einen vierstelligen Betrag untersucht hätte. „Das grenzt an Nötigung“, sagte der Verteidiger.

Wie die Staatsanwältin akzeptierte auch er die Geldstrafe, die Rohe mit den Worten verhängte: „Sie dürfen sich hier gar nichts mehr erlauben.“

Von Antje Bismark


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.