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Nachrichten „Die Menschen wohnen gerne hier“
Region Barsinghausen Nachrichten „Die Menschen wohnen gerne hier“
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00:17 10.02.2018
DGV-Vorsitzender Andreas Goltermann (links) und Ortsbrandmeister Henning Schünhoff vor dem Schild, das die Besucher des Ortsbegrüßt. Quelle: Mirko Haendel
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Winninghausen

 Keine Einkaufsmöglichkeiten, kein Ortsmittelpunkt und keine Sportvereine: Das kleine Winninghausen lässt auf den ersten Blick vieles vermissen, was einen Ort für seine Bewohner attraktiv macht. Es überrascht daher, wie Andreas Goltermann über seinen Wohnort urteilt. Der Vorsitzende des Dorfgemeinschaftsvereins (DGV) sagt: „Winninghausen hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt, wir haben viel geschafft, und sind auf einem guten Level. Ich glaube, die Menschen wohnen gerne hier.“ 

Goltermann führt durch das Dorf. Am südlichen Rand Winninghausens kreuzt die S-Bahnlinie zwischen Hannover und Haste die Heerstraße. Vor wenigen Jahren wurde die Haltestelle modernisiert. Sie ist ein wichtiges Element der örtlichen Verkehrsinfrastruktur. „Die gute Anbindung an Autobahn und Bundesstraße sowie an den öffentlichen Nahverkehr ist Winninghausens großes Plus“, betont der DGV-Vorsitzende. Das sei ein wichtiges Argument für Neubürger, in den Ort zu ziehen, glaubt er. Zwei Neubaugebiete sind in den vergangenen etwa 20 Jahren östlich der Heerstraße entstanden. „Die haben eine gesunde Größe“, urteilt Goltermann, „auch wenn ein, zwei weitere Bauplätze schön wären.“ Das in den 1970er-Jahren entstandene Baugebiet um die Straße Silberfeld – von den Einheimischen „die Siedlung“ genannt – sei zwar in die Jahre gekommen. „Mittlerweile werden dort die Straßen aber saniert“, sagt Goltermann. Sein Begleiter, Ortsbrandmeister Henning Schünhoff, weist auf die parallel der Bahnschienen verlaufende Feldstraße hin. Eine Sanierung der Deckschicht sei hier schon lange fällig gewesen. „Die Stadt hat sich gerade noch rechtzeitig entschieden, jetzt etwas zu tun. Ansonsten würde demnächst ein kompletter Neubau nötig werden.“ 

Der Kindergarten Purzelbaum bietet Platz für etwa 50 Kinder Quelle: Mirko Haendel

Aus Sicht der Bürger wünschenswert sei der Anschluss Winninghausens an den Stadtbus. „Ich könnte mir die Buslinie 530 als Stadtbus vorstellen, der mehrere Haltestellen im Ort anfährt“, sagt Goltermann. Ebenso sei es schön, wenn Winninghausen einen Supermarkt bekäme. „Dafür sehe ich zur Zeit aber keine Möglichkeit. Ist auch kein Dilemma, denn der Supermarkt an der Wilhelm-Heß-Straße in Barsinghausen ist schnell mit dem Auto zu erreichen und wird außerdem von einem Linienbus angefahren“, sagt Goltermann. Ohnehin profitiere Winninghausen stark von der Infrastruktur in der Nachbarschaft, sagt Goltermann. Hohenbostel verfügt über eine Sparkasse, Gasthäuser, einen Bäcker, eine Grundschule mit Turnhalle und Sportvereine – alles fußläufig zu erreichen. Der Kindergarten Purzelbaum mit Platz für etwa 50 Kinder befindet sich hingegen auf Winninghäuser Grund. 

In direkter Nachbarschaft zur S-Bahnhaltestelle hat sich vor einigen Jahren eine Ärztin angesiedelt. „Einen Hausarzt hat nicht jeder Ort“, sagt Goltermann und präsentiert anschließend ein Projekt, auf das viele Winninghäuser stolz sind: Das große, in Eigenarbeit hergestellte Ortseingangsschild, das die Besucher begrüßt. „Wir erfreuen uns an dem freundlichen Auftreten des Orts“, erklärt der DGV-Vorsitzende und betont: „Als nächste Aktion der Dorfgemeinschaft wollen wir im Frühjahr ein zweites mobiles Schild am nördlichen Ortseingang aufstellen.“ 

Andreas Goltermann (links) und Henning Schünhoff vor dem Hydranten, über den das Löschwasser der unter ihnen liegenden Zisterne bezogen werden kann. Die Zisterne ist über 80 Jahre alt und vermutlich baufällig. Quelle: Mirko Haendel

Gibt es den gar nichts zu beklagen aus Sicht der Winninghäuser? „Doch“, sagt Schünhoff, der an der Heerstraße wohnt. Die gute Verkehrsanbindung des Orts werde regelmäßig zum Problem. „Immer, wenn die Autobahn oder die Bundesstraße dicht sind, fließt der gesamte Verkehr über die Heerstraße.“ Doch auch zu normalen Zeiten sei die Situation auf dem nördlichen Abschnitt der Straße „eine Katastrophe“. Zwischen Bundesstraße und Einmündung Düsterstraße sei die Geschwindigkeit vieler Autos viel zu hoch. „Das ist nicht hinnehmbar und viel zu gefährlich, weil wir in diesem Bereich eine Bushaltestelle haben, an der viele Schulkinder ein- und aussteigen“, urteilt Schünhoff. Er wünscht sich, dass hier ein mobiles Geschwindigkeitsmessgerät installiert wird. 

Handlungsbedarf bestehe ebenfalls bezüglich der über 80 Jahre alten Löschwasserzisterne unterhalb des Parkplatzes vor dem Feuerwehrhaus. Während das komplett in Eigenarbeit errichtete und regelmäßig sanierte Gerätehaus in gutem Zustand ist, bestehen beim Gemäuer der Zisterne, die eine unabhängige Löschwasserversorgung garantieren soll, Zweifel. Der Bereich über dem Wasserspeicher ist seit längerem abgesperrt, damit keine schwereren Fahrzeuge darüber parken. „Die Stadt muss die Zisterne überprüfen“, fordert Schünhoff. Und das möglichst zeitnah, denn die Ortswehr feiert im August ihren 85. Geburtstag. Bis dahin wollen die Kameraden die Außenanlagen rausputzen.

Das ist Winninghausen

Die erste urkundliche Erwähnung des Orts Winninghausen stammt aus dem Jahr 1246, wobei die Bezeichnung „Winningehusen“ bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Schriftquellen zu finden ist. Der Ort ist vermutlich älter als das benachbarte Hohenbostel und war lange Zeit auch deutlich stärker landwirtschaftlich geprägt. Während die Einwohnerzahl Hohenbostels auch aufgrund des prosperierenden Bergbaus ab Mitte des 19. Jahrhundert deutlich anstieg, wuchs die Bevölkerung hier bis Jahrhundertwende von ehemals 157 (1821) auf gerade einmal 277 (1905) Personen an. Im Jahr 2006 gab es 1046 Winninghäuser, 2017 waren es nur noch 983 - genau eine Frau mehr als Männer. Der Dorfgemeinschaftsverein und die Ortsfeuerwehr sind die einzigen Vereine des Orts. Sie gestalten das dörfische Leben und betreiben auf winninghausen.net einen gemeinsamen Online-Auftritt. Wie bei engen nachbarschaftlichen Beziehungen nicht unüblich, gibt es bei Hohenbostelern und Winninghäusern unterschiedliche Ansichten über die genauen Ortsgrenzen. So besagt eine Theorie, die Ortsgrenze zwischen beiden Orten gehe genau durch das Landgasthaus Schisanowski.

Von Mirko Haendel

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