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Nachrichten Erster Stadtrat von Barsinghausen im Interview: Hier spricht Thomas Wolf
Region Barsinghausen Nachrichten Erster Stadtrat von Barsinghausen im Interview: Hier spricht Thomas Wolf
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17:00 11.03.2018
Seit etwas mehr als einem Jahr ist Thomas Wolf Barsinghausens Erster Stadtrat. Quelle: Malecha
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Barsinghausen

 Seit gut einem Jahr ist Thomas Wolf Barsinghausens Erster Stadtrat. Die Redaktion hat das zum Anlass für ein Gespräch mit dem 50-jährigen Verwaltungsbeamten genommen.

Herr Wolf, hatten Sie vorher schon Berührungspunkte mit Barsinghausen? 

Es ist tatsächlich so, dass ich meine allererste Bewerbung nach meinem zweiten Staatsexamen nach Barsinghausen geschickt habe. Das muss so 1998 gewesen sein, und hier wurde ein Ordnungsamtsleiter gesucht. Deswegen war mir Barsinghausen am Deister schon ein Begriff. Als ich mich jetzt beworben habe, bin ich natürlich wieder hergefahren und habe mir die Stadt noch einmal angeschaut. 

Und was war ihr erster Eindruck? 

Damals als unbefangener Besucher dachte ich: ‚Och schön, toll gemacht, direkt am Wald’. Jetzt sehe ich an jeder Ecke unsere Diskussionen aus dem Rat. Wenn auch eine historische Altstadt in Barsinghausen fehlt, lebt eine Stadt ja aber nicht nur über ihre Gebäude, sondern über ihre Menschen. Ich fühle mich ja nicht wohl, weil der Thie neu und schön gestaltet ist. Ich fühle mich hier wohl, weil ich mit Menschen zusammenkomme, die freundlich sind und mir offen entgegentreten. 

Wieso haben Sie sich für diese Stelle und damit für einen Neuanfang in Barsinghausen entschieden? 

Vorher habe ich in Lemgo gewohnt und beim Kreis Lippe gearbeitet. Aber ich wollte mich weiterentwickeln, und das ging dort nicht mehr. Also habe ich in einem Umkreis von 100 Kilometern nach Stellen gesucht, damit ich nicht so weit von meinen beiden Jungs weg bin. Und so viele Stellen gibt es in diesem Bereich nicht, vor allem keine, die nicht politisch besetzt werden. Das war hier in Barsinghausen zum Glück nicht so. 

Sind Sie denn mit Menschen zusammengekommen? 

Als Erster Stadtrat habe ich natürlich Schwierigkeiten, weil ich immer diesen Rucksack mit der Funktion aufhabe, egal wo ich hinkomme. Keiner redet mit mir als Thomas Wolf, sondern als Stadtrat. Das mag mittlerweile in dem ein oder anderen Fall schon anders sein, aber das macht das Eingewöhnen ins soziale Umfeld zumindest nicht leichter. Aber vielleicht wird ja aus der ein oder anderen Bekanntschaft mal eine Freundschaft. 

Und ihre Familie? Wird die Ihnen nach Barsinghausen folgen? 

Meine Jungs sind mittlerweile 18 und bald 20. Der Jüngere macht noch sein Abi in Lemgo, und der Große muss sich jetzt entscheiden, wie und wo es für ihn weitergeht. Meine Partnerin lebt noch in Detmold, will aber auch bald hierhin ziehen. 

Also wird Barsinghausen eine dauerhafte Station in ihrem Leben. 

Ja, dafür habe ich mich jetzt beruflich und persönlich entschieden. Ich bin umgezogen, habe meinen Job gewechselt und habe mich auf Barsinghausen als neue Heimat eingelassen. Jetzt haben wir uns auch ein Haus gekauft, direkt am Deister. Da freue ich mich richtig drauf. 

War das, im Nachhinein betrachtet, die richtige Entscheidung? Wie ist ihr erster Eindruck von Barsinghausen? 

Der Deister ist hier überall präsent und prägt das Selbstbild. Das finde ich schön. Aber ich habe festgestellt, dass ich die Stadt nur dann im wahrsten Sinne des Wortes erleben kann, wenn ich am Wochenende mal Zeit habe, um rumzulaufen. Da ist es natürlich schade, dass am Samstagnachmittag auf der Marktstraße die Läden zu sind. Aber wenn ich Zeit habe, mal essen gehe und mir einen schönen Abend mache oder wenn ich durch die Feldmark laufe oder zum Nordmannsturm, das sind die Momente, wo ich denke „Jetzt habe ich ein Gefühl für die Stadt bekommen“. Aber diese Erlebnisse habe ich leider zu selten. Deshalb dauert der Prozess so lange. Jetzt, nach über einem Jahr, habe ich das erste Mal das Gefühl: „Das ist hier mein neuer Lebensmittelpunkt“. Das fängt jetzt endlich an. 

Das war jetzt ja eher der Eindruck von der Stadt. Und was ist mit den Menschen hier? 

Als Stadtrat bin ich ja an vielen Stellen unterwegs, bei der Feuerwehr, bei den Vereinen. Da ist mir vor allem der Zusammenhalt der Gesellschaft hier in der Stadt aufgefallen. Den empfinde ich als sehr gesund. Jeder scheint vernetzt zu sein, und das ist nicht selbstverständlich. Aber als Rheinländer erlebe ich auch die andere Mentalität der Niedersachsen. 

Inwiefern? 

Wenn man im Rheinland in eine Kneipe geht, dann braucht es bloß eine nette Ansprache und schon ist man im Gespräch. Aber es ist auch so, dass man sich dort am nächsten Tag nicht mehr kennt, wenn man sich in der Fußgängerzone über den Weg läuft. Das ist nicht nachhaltig. Hier ist das schon anders. Allerdings glaube ich auch, dass wenn man hier jemanden gefunden hat, dann ist die Freundschaft nachhaltiger. Die Menschen scheinen mir verlässlich. Ich lebe seit 1991 in Bielefeld, bin 98 nach Lemgo gezogen und lebe jetzt hier. Ich bringe die Mentalitäten schon zusammen. Aber ich bleibe Rheinländer, man hört das ja auch an meinem Dialekt. Wenn ich mit mein rheinländisches S zische, dann lachen da hier auch viele drüber. Das ist aber Teil meiner Person. 

Was zeichnet Sie als Person noch aus? Was sind ihre Hobbys? 

Die meiste Zeit, die ich zu Hause bin, verbringe ich mit meiner Hündin Roona. Ansonsten lese ich gerne, und wenn dann noch Zeit bleibt, dann würde ich gerne wieder anfangen zu malen. Das habe ich die letzten zwei Jahre nicht mehr geschafft. 

Also können wir uns auf Barsinghausen-Bilder von Ihnen freuen? 

Nein, ich male nicht gegenständlich. Meine Bilder nenne ich selber „dekorativen Expressionismus“ (lacht). Meine Bilder sind abstrakt, ich benutze gerne knallige Farben und ausdrucksstarke Formen. Wenn man tagsüber den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und diskutiert, dann ist die Farbe auf der Leinwand ein schöner Ausgleich, finde ich.

Thomas Wolf über seine wichtigsten Projekte

Nach einem Jahr im Amt zieht der Erste Stadtrat eine erste Bilanz: „Was wirklich gut gelaufen ist, ist die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und dem Rat“, sagt Wolf. „Das kann auch ganz anders laufen.“ Das sei besonders wichtig, denn, wenn man sich nur bekämpfte, kämen keine Ergebnisse zustande. Doch auch wenn die Zusammenarbeit gut läuft, müssten jetzt auch Ergebnisse folgen. „Wir müssen zusehen, dass wir in Stemmen den Kindergarten reaktivieren und Entscheidungen zur Wilhelm-Stedler- und Bert-Brecht-Schule treffen,“ sagt Wolf. Die Probleme könne man nicht von heute auf morgen lösen. „Aber die Entscheidungen, die müssen endlich her.“ 

Doch auch Entscheidungen nützen nichts, wenn man nicht genügend Mitarbeiter hat. „Die Stadt hat einen tollen Stellenplan, aber der bringt mir nichts, wenn ich die Stellen nicht besetzen kann.“ Denn derzeit sei der Markt leergefegt, es sei schon schwierig, ganz normale Stellen zu besetzen, und das sei sehr frustrierend. Im öffentlichen Dienst könne man eben nicht mit der Bezahlung locken, wie es in der freien Wirtschaft möglich sei. „Unsere einzige Chance ist es, uns als attraktiven Arbeitgeber darzustellen und ein angenehmes Arbeitsklima zu bieten.“ 

Trotz allem Positiven sei der Beruf aber eine Herausforderung, immerhin müsse er einen Überblick über alle Bereiche der Verwaltung haben. Zudem habe er nicht damit gerechnet, so viel zu repräsentieren. „Ich wollte nicht unbedingt Bürgermeister werden, in der ersten Reihe stehen.“ Er sehe sich eher als der Verwaltungsmanager. „Dass ich in dieser Funktion eine gewisse Außenwirkung habe, war mir klar“, sagt der Erste Stadtrat. „Hier gibt es die Erwartungshaltung, dass ich auch zu vielen Terminen gehe, bei denen es nur darum geht, da zu sein und die Wertschätzung der Stadt auszudrücken. Aber auch das mache ich letztlich gerne.“

Das ist Thomas Wolf

Seit dem 1. Februar 2017 ist Thomas Wolf (50) Erster Stadtrat von Barsinghausen. Vorher hatte der promovierte Jurist und Verwaltungswissenschaftler verschiedene Stellen in der Kreisverwaltung Lippe  inne, unter anderem war er Leiter der Interkommunalen Rechtsagentur sowie Leiter Recht des Kreises Lippe. Zudem hat Wolf auch in den Bereichen Verwaltungsmodernisierung, Wirtschaftsförderung sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit langjährige Erfahrungen gesammelt und war von 2005 bis 2009 Chefredakteur des Lippe-Magazins. 

Von Lisa Malecha

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