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Region Barsinghausen Nachrichten Geplantes Wasserwerk wird zum Streitobjekt
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17:27 08.10.2018
Das Grundwasserwerk Eckerde ist sanierungsbedürftig. Der beschlossene Neubau verzögert sich allerdings, weil neue Fragen aufgetaucht sind. Quelle: Andreas Kannegießer
Eckerde

Um den geplanten Neubau des Grundwasserwerks Eckerde ist ein heftiger Streit entbrannt. Die Barsinghäuser Sozialdemokraten werfen Bürgermeister Marc Lahmann (CDU) vor, die Neubaupläne zu verzögern mit dem Ziel, den Wolfenbütteler Wasserversorger Purena für eine Betriebspartnerschaft mit ins Boot holen zu wollen. Lahmann dagegen wehrt sich gegen die Kritik und verweist auf etliche ungeklärte Fragen. Es gehe ihm ausschließlich darum, die Versorgungssicherheit bei der Wasserversorgung in Barsinghausen zu erhöhen und die Preise für die Verbraucher günstig zu halten, betont Lahmann. „Einen Verkauf von Anteilen der Stadtwerke Barsinghausen lehne ich ab.“

Im vergangenen Jahr schien alles klar: Der Rat hatte mit großer Mehrheit den Grundsatzbeschluss gefasst, dass das marode Wasserwerk in Eckerde möglichst schnell von einem Neubau auf dem Nachbargrundstück ersetzt werden solle. Die Kosten wurden auf zehn Millionen Euro beziffert. Das technische Verfahren zur Wasseraufbereitung sollte nach genaueren Prüfungen noch festgelegt werden.

Seither, so scheint es, ist das Projekt nicht wirklich vorangekommen. „Wir bekommen vom Bürgermeister immer wieder neue Ideen zur Prüfung“, sagt Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Härdrich (SPD). Allerdings gibt es zwischenzeitlich auch neue Erkenntnisse: So ist das vorgesehene Grundstück für den Neubau offenbar hochwassergefährdet. Lahmann betont, dass bei einer entsprechenden Einstufung des Areals der Neubau mit hohem zusätzlichen Aufwand gegen Überflutung gesichert werden müsste. „Das ist wahrscheinlich so, allerdings prüfen wir noch“, sagt Härdrich.

Aus Sicht des Bürgermeisters muss auch nochmals geprüft werden, ob der Neubau tatsächlich, wie 2017 berechnet, die effizienteste Variante zur Lösung der Probleme wäre. Experten der Purena haben demnach eine eigene Schätzung abgeliefert, wonach eine Grundsanierung des vorhandenen Wasserwerks für etwa fünf Millionen Euro realisierbar wäre. Härdrich bestätigt, dass der Aufsichtsrat daraufhin eine neue Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in Auftrag gegeben habe.

Zudem gibt es offenbar einen Purena-Vorschlag für eine Betriebspartnerschaft für das Eckerder Wasserwerk. Dazu gehört nach Lahmanns Worten auch das Angebot des Versorgungsunternehmens, für die Stadtwerke kostenfrei eine Verbindungsleitung zwischen den beiden benachbarten Versorgungsnetzen zu bauen und Wasser aus Eckerde abzunehmen. Das Purena-Ansinnen ist es offenbar, zugleich an einer Betriebs-GmbH für das Wasserwerk beteiligt zu werden. Während Lahmann betont, dass unter keinen Umständen Anteile an den Stadtwerken insgesamt abgegeben werden sollen, beurteilt Härdrich die Situation anders: Das Wasserwerk sei der zentrale Betriebsbereich der Stadtwerke, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende. Er befürchte einen „Domino-Effekt“ und schwindende Unabhängigkeit, falls ein anderer Versorger beim Betrieb des Wasserwerks einsteigen dürfte. „Am Ende könnte das dazu führen, dass wir als kleinerer Partner nichts mehr zu bestimmen hätten.“ Deshalb stehe er dem Modell einer Betreibergesellschaft für das Wasserwerk „ausgesprochen skeptisch gegenüber“.

Ebenfalls kritisch beurteilt Härdrich eine mögliche Sanierung des alten Wasserwerks ohne Neubau. Er glaube nicht, dass dies für fünf Millionen zu realisieren sei. Außerdem wäre die Gebäudesubstanz des Wasserwerks im Falle der Sanierung nach wie vor alt. „Wir müssen aber auf lange Sicht für die nächsten 50 Jahre planen“, meint der Aufsichtsratsvorsitzende und argumentiert, dass deshalb ein Neubau die nachhaltigere Lösung wäre.

Ungeklärt ist auch noch das Verfahren der Wasseraufbereitung in einem neuen oder grundsanierten Wasserwerk. Während die Stadtwerke-Experten das sogenannte Carix-Verfahren zur Wasserenthärtung favorisieren, gibt Lahmann zu bedenken, dass dabei salzige Rückstände anfielen, deren Entsorgung möglicherweise teuer werden könne. „Herr Lahmann ist der Einzige, der diese Bedenken hegt“, entgegnet Härdrich. Bei einer Exkursion des Aufsichtsrates zu einem Werk mit dieser Technik habe der Bürgermeister gefehlt.

Wie geht es nun weiter? Nach Härdrichs Worten muss der Rat der Stadt noch einmal über das Bauprojekt entscheiden, sobald die Entscheidung über das Aufbereitungsverfahren gefallen sei. Er hält es grundsätzlich für sinnvoll, dass sorgfältig geprüft wird. „Aber das Ganze könnte zügiger gehen.“ Er habe nicht den Eindruck, dass derzeit „alle an derselben Seite des Stricks ziehen“, sagt Härdrich in Anspielung auf den Bürgermeister.

Lahmann hingegen weist die SPD-Kritik an seinem Vorgehen strikt zurück. Eine Entscheidung über den Neubau des Wasserwerks herbeizuführen, ohne sich vorher über die nötigen Kosten im Klaren zu sein – „so wie es offenbar die SPD fordert“ –sei den Wasserkunden gegenüber unverantwortlich, sagt Lahmann. „Das wäre eine Steilvorlage für den Bund der Steuerzahler.“

 

Von Andreas Kannegießer

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