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Der Garantiezins bei Lebensversicherungen gilt für Verbraucher als verlässliche Größe. Verbraucherschützer raten aber auch, auf die Überschussbeteiligung zu achten.

Der Garantiezins bei Lebensversicherungen gilt für Verbraucher als verlässliche Größe. Verbraucherschützer raten aber auch, auf die Überschussbeteiligung zu achten. © Jens Büttner

Versicherungen

Lebensversicherung: Gnadenfrist für klassischen Garantiezins

Das Bundesfinanzministerium macht einen Rückzieher: Der Garantiezins für Lebensversicherungen bleibt nun doch - jedenfalls vorerst. Verbraucher behalten damit eine hilfreiche Vergleichsgröße.

Frankfurt. Der Garantiezins gilt als wichtiges

 

Verkaufsargument für den Altersvorsorge-Klassiker Lebensversicherung.

 

Das Bundesfinanzministerium will den verbindlichen Zins zunächst auch

 

weiter festlegen. Was bedeutet das für Verbraucher und die Branche?

Was ist der Garantiezins?

Mit dem Garantiezins können Besitzer von klassischen

 

Kapitallebensversicherungen nach Abzug der Vertragskosten sicher

 

rechnen. Ein Großteil der mehr als 90 Millionen Verträge des

 

Altersvorsorge-Klassikers basiert auf diesem Modell. Die Höhe wird

 

vom Bundesfinanzministerium auf Empfehlung von

 

Versicherungsmathematikern und der Finanzaufsicht Bafin festgelegt.

 

Die Änderungen gelten jeweils nur für Neuverträge. Assekuranzen

 

dürfen den Kunden weniger bieten, aber nicht mehr. So soll verhindert

 

werden, dass sich die Unternehmen mit hohen Versprechen übernehmen.

Wie entwickelt sich die Verzinsung von Lebensversicherungen?

Die garantierte Rendite - auch Höchstrechnungszins genannt - ist

 

angesichts der Niedrigzinsen am Kapitalmarkt von einst 4 Prozent auf

 

mittlerweile 1,25 Prozent gesunken. Eine mögliche Änderung für

 

Neuverträge könnte zum 1. Januar 2017 kommen. Daneben gibt es weitere

 

Komponenten - beispielsweise die Überschussbeteiligung, über die die

 

Unternehmen jedes Jahr neu entscheiden.

Branchenvertreter erwarten, dass die Rendite klassischer

 

Lebensversicherungen weiter sinkt. "Wenn die Zinsen im Euroraum so

 

niedrig bleiben, dürfte die Überschussbeteiligung im Jahr 2018 im

 

Branchenschnitt 0,2 bis 0,4 Prozent geringer ausfallen als derzeit",

 

sagte der Chef der Alten Leipziger, Walter Botermann, jüngst. Auch

 

der Garantiezins für Neuverträge dürfte abnehmen. "Entscheidender als

 

die Rendite ist für die Kunden aber die lebenslange Rente."

Warum gab es Überlegungen, den Garantiezins abzuschaffen?

Ab Anfang 2016 gelten verschärfte Eigenkapitalvorschriften ("Solvency

 

II"), mit denen die Versicherungsbranche krisenfester gemacht werden

 

soll. Danach müssen Versicherer für langfristige Versprechen an

 

Kunden wie den Garantiezins mehr Eigenmittel zurücklegen. Die

 

Bundesregierung wollte ursprünglich für den Abschluss neuer

 

Lebensversicherungen keine einheitliche Obergrenze mehr vorgeben.

 

Jetzt bleibt es vorerst dabei. Ob beziehungsweise in welcher Form ein

 

Höchstrechnungszins als Aufsichtsinstrument weiter erforderlich sei,

 

werde im Zuge einer Bewertung des Lebensversicherungsreformgesetzes

 

2018 geprüft, erklärte das Ministerium.

Was spricht für die Festlegung durch das Ministerium?

Verbraucherschützer und Branchenexperten hatten gewarnt, dass

 

Versicherer bei steigenden Kapitalmarktzinsen Kunden wieder mit hohen

 

Garantien locken und damit erneut in die Zinsfalle tappen könnten.

 

Derzeit sind die Versprechen in Altverträgen von bis zu 4 Prozent

 

angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen ein Problem. Den Unternehmen

 

fällt es schwer, das Geld an den Kapitalmärkten zu erwirtschaften.

Was spricht aus Verbrauchersicht für den Garantiezins?

"Die klassische Lebensversicherung hat im Garantiezins eine klare

 

Vergleichskomponente", sagt Lars Heermann von der Ratingagentur

 

Assekurata. Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband

 

(vzbv) meint, beim Garantiezins handele es sich allerdings auch um

 

ein "bisschen Augenwischerei". Die Versicherer würden damit werben,

 

entscheidender sei aber die Überschussbeteiligung. "Da trennt sich

 

die Spreu vom Weizen."

Gibt es Produkte ohne Garantiezins?

Ja, immer mehr Versicherungen bieten Produkte ohne

 

Garantieversprechen oder in abgespeckter Form an. Einige kündigten

 

zuletzt sogar eine völlige Abkehr von Lebensversicherungspolicen mit

 

Garantiezins an. Nach Einschätzung von Assekurata sind vielen

 

Verbrauchern die festen Zusagen allerdings wichtig. "Die Mehrheit der

 

Kunden will eine Garantie", sagt auch der Chef der Alten Leipziger,

 

Botermann.

dpa


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