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Wer zu einer fremden Bank geht, um am Automaten Geld abzuheben, muss künftig mit einer höheren Gebühr rechnen.

Wer zu einer fremden Bank geht, um am Automaten Geld abzuheben, muss künftig mit einer höheren Gebühr rechnen. © Uwe Zucchi

Verbraucher

Am Geldautomaten kann es für Fremdkunden teurer werden

Der Ärger mancher Bankkunden dürfte groß sein: Bei der Commerzbank und anderen Privatbanken wird es für Fremdkunden teurer, am Automaten Geld abzuheben. Bisher zahlen Verbraucher bei Privatinstituten 1,95 Euro.

Frankfurt/Main. Die Deutsche Bank, ihre Tochter Postbank und die Commerzbank haben nun die Vereinbarung zur Höchstgrenze der Gebühren gekündigt für Kunden, die ein Konto bei einem anderen Institut, zum Beispiel bei einer Sparkasse oder Volksbank haben.

 

Wie begründen die Institute diesen Schritt?

 

Sie verweisen auf die gestiegenen Kosten und den Aufwand für den Betrieb der Automaten. "Wir können angesichts steigender Kosten auf Dauer keinen Preis unter dem Niveau von Sparkassen und Volksbanken verlangen", sagt ein Commerzbanksprecher. Die Preisspanne für Fremdabhebungen liegt bei den Sparkassen im Schnitt bei etwa 4 bis 4,50 Euro.

 

Was verlangen die Banken künftig?

 

Die Commerzbank hat die Vereinbarung zum 30. September gekündigt und will 3,90 Euro von Fremdkunden kassieren. Deutsche Bank und Postbank haben noch nicht über die Höhe der Gebühr entschieden. Man wolle sich mit der Kündigung alle Optionen bei der Preisgestaltung offenhalten, heißt es. Die Essener Nationalbank hatte sich bereits vorher zu dem Schritt entschlossen und verlangt laut "Börsen-Zeitung" inzwischen 4 bis 4,50 Euro von institutsfremden Kunden.

 

Wie viele Kunden sind betroffen?

 

Das dichteste Netz an Automaten und Filialen haben Sparkassen und Volksbanken- und Raiffeisenbanken. "Die Entscheidung der privaten Banken ist für Sparkassenkunden völlig irrelevant, da sie an über 25 000 Geldautomaten und damit dem dichtesten Geldautomatennetz Deutschlands kostenlos Bargeld abheben können", argumentiert der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Die genossenschaftlichen Institute verfügen über 19 600 Geldautomaten. Zum Vergleich: Die Cash Group - Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Postbank sowie deren Töchter - kommt auf etwa 9000 Geldautomaten im Inland. Bei der Commerzbank gehen etwa 98 Prozent der Abhebungen auf Cash-Group-Kunden zurück. Diese bekommen weiterhin kostenlos Geld an den Automaten der Mitglieder.

 

Werden weitere Privatbanken folgen?

 

Die Vereinbarung gilt nach Angaben des Bankenverbandes BdB weiter für Institute, die sie nicht gekündigt haben. Also unter anderem für die Targobank und die HypoVereinsbank. "Derzeit gibt es bei uns keine Änderungspläne", sagt ein HVB-Sprecher. Man beobachte die Entwicklung am Markt aber "sehr aufmerksam". Die ING Diba als größte deutsche Direktbank hat bereits angekündigt, an ihren eigenen rund 1300 Automaten bei der bisherigen Fremdabhebegebühr von 1,95 Euro zu bleiben. Dieser Betrag sei kostendeckend, erklärte ein Diba-Sprecher.

 

Was sagen die Verbraucherschützer?

 

Sie raten Kunden zum Vergleich des Preises, der anders als früher schon vor der Abhebung sichtbar ist. Zudem bieten einige Institute gebührenfreie Girokonten mit kostenfreiem Bargeldzugang über Kreditkarte an, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wer häufig an einem für ihn kostenpflichtigen Automaten abheben muss, sollte über einen Bankwechsel nachdenken.

 

Was sagt das Kartellamt dazu?

 

Das Ende einer Preisabsprache ist in den Augen der staatlichen Wettbewerbshüter erstmal nichts Schlechtes. Allerdings könnten künftig die Privatbanken flächendeckend höhere Gebühren verlangen. Dies will das Kartellamt beobachten, sieht derzeit aber keinen Grund für konkrete Maßnahmen.

 

Was ist der Hintergrund der Vereinbarung?

 

Nach massivem Ärger über Gebühren von bis zu zehn Euro hatte sich die Bankenbranche verpflichtet, ab 15. Januar 2011 die Entgelte direkt auf dem Automatenbildschirm anzuzeigen. Die privaten Banken verständigten sich zudem darauf, maximal 1,95 Euro für Fremdabhebungen zu verlangen. Eine gemeinsame Vereinbarung mit den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken scheiterte. Sie wollten keine Höchstgebühr festlegen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken argumentieren mit hohen Kosten für ihr engmaschiges Automatennetz.

 

Können Direktbank-Kunden weiterhin mit ihren Kreditkarten an fremden Automaten kostenfrei Bargeld abheben?

 

Mit wenigen Ausnahmen ja, denn darum geht es bei der aktuellen Entwicklung nicht. Sobald ein Kreditkartenzeichen am Automaten zu sehen ist, kann dort auch abgehoben werden. Laut ING-Diba ist das bei über 90 Prozent aller Geldautomaten in Deutschland der Fall. Sperren oder Gebühren für Direktbankkunden gebe es nur noch vereinzelt.

dpa


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