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Die meisten Studierende sind bei der Berufsauswahl nicht sehr kritisch.

Die meisten Studierende sind bei der Berufsauswahl nicht sehr kritisch.© istockphoto.com/kaarsten

Bildung

Tagsüber büffeln, abends arbeiten

Viele Studenten sind auf Nebenjobs während ihres Studiums angewiesen. Doch wie finden Studierende den passenden Nebenjob und was ist zu beachten? Tipps und Tricks zur Nebenjobauswahl.

Dresden. Autoüberführungen würde Christian Gottschild nicht noch einmal machen. Für 80 Euro brachte er einen Transporter von der Ostsee zum Bodensee. Dann fuhr er einen anderen wieder zurück. „Ich war 18 Stunden auf der Autobahn. Die Transporter hatten noch nicht einmal ein Radio“, erinnert er sich. Er kam auf vier Euro Stundenlohn – sauer verdientes Geld. „Von allen Jobs mit einem Stundenlohn von unter sechs Euro würde ich mittlerweile die Finger lassen. Das ist Ausbeutung“, sagt er.

Gottschild arbeitet jetzt bei der studentischen Arbeitsvermittlung Stav in Dresden. Er ist 25 Jahre alt und macht gerade seinen Master in Betriebswirtschaftslehre. Pro Jahr bringt die Stav rund 3.300 Studenten in Lohn und Brot. Unseriöse Jobanfragen wie die nach Aktmodellen oder Begleitservices werden gleich aussortiert. Kurioses gibt es trotzdem vieles.

Nebenjob: Schlangesteher

Dazu gehört etwa der Nebenjob als Schlangesteher. Bis zu 100 Euro kann es bringen, eine Nacht vor dem Dresdener Standesamt auszuharren, erzählt Gottschild. Seit Jahren wollen dort im Sommer weitaus mehr Paare heiraten, als das Amt Kapazitäten hat. Die Termine vergibt es zweimal jährlich – immer ab morgens um acht. Um sicher am Wunschtermin heiraten zu können, beauftragen immer öfter Brautpaare einen Studenten, der sich schon gegen Mitternacht vor dem Amt postiert. „So sind die Brautleute am nächsten Tag sicher die Ersten in der Schlange“, erzählt Gottschild.

Die studentische Arbeitsvermittlung Heinzelmännchen in Berlin hat schon einmal für ein Paar, das spontan in Berlin heiraten wollte, gegen Bezahlung einen Trauzeugen gesucht. „Das Gros der Angebote sind jedoch ganz normale Aushilfsjobs“, sagt Hansjörg Edling von der Arbeitsvermittlung: Umzugshelfer, Nachhilfen für eine Fremdsprache, Aushilfen in Büro oder Gastronomie sowie Putzhilfen. In Dresden sind Studenten auch in der Müllfabrik gefragt, um dort am Band nicht recycelbaren Müll auszusortieren.

„Anfangs sollten es nicht mehr als zehn Stunden pro Woche sein“

Wer sich nach den ersten Wochen an der Uni für einen Studentenjob entscheidet, nimmt sich jedoch gerade am Anfang am besten nicht zu viel vor. Anfangs sollten es nicht mehr als zehn Stunden pro Woche sein, rät Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk (DSW). Zeitintensivere Jobs ließen sich mit dem eng getakteten Bachelorstudium nur schwer vereinbaren. Wer nicht unbedingt arbeiten müsse und es nur mache, um von den Eltern finanziell unabhängig zu sein, verzichtet am besten ganz auf einen Nebenjob.

Bei der Auswahl sind die meisten am Anfang nicht besonders kritisch: Inventur oder Briefträger – die meisten machen fast alles. Und das sei auch gut so, findet Gottschild. „Die Jobs helfen dabei zu sehen, wie es in der Welt außerhalb der Hochschulen aussieht.“ Spätestens ab dem zweiten oder dritten Semester sollten Studenten sich aber einen Job suchen, der zu ihrem Studiengebiet passt.

Wer etwa Betriebswirtschaftslehre studiert und später im Personalmanagement arbeiten möchte, sollte sich um einen Aushilfsjob in einer Personalabteilung bemühen. Im Idealfall entstehe aus der studentischen Beschäftigung später einmal eine Festanstellung.

Spezielle Einkommensgrenzen

Bevor Studenten einen Nebenjob antreten, sollten sie sich bei Bafög-Amt, Kindergeldstelle und Krankenkasse erkundigen, wie viel Geld sie ohne Leistungskürzung verdienen dürfen. Beim Bafög liegt die Grenze in der Regel bei 407 Euro brutto, sagt Bernhard Börsel vom DSW. Wer mehr verdient, bekommt anteilig weniger Bafög. Kindergeld bekommen Eltern heute nicht mehr, wenn der Student mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. „Dann steht nicht mehr das Studium im Vordergrund“, erklärt Börsel.

Häufig sind Studenten bis zum 25. Lebensjahr über ihre Eltern in der gesetzlichen Krankenversicherung mitversichert. Dann dürfen sie maximal 385 Euro verdienen oder einen Minijob machen. Über diesen Grenzen müssen sie höhere Beiträge an die Krankenkasse zahlen. Ab dem 25. Lebensjahr zahlen Studierende in der gesetzlichen Krankenkasse rund 70 Euro im Monat. Nach dem 30. Lebensjahr oder dem 14. Fachsemester verdoppelt sich dieser Beitrag in etwa. Nun gilt ebenfalls die 20-Stunden-Grenze, erklärt Börsel. Wer mehr verdient, müsse mehr in die Krankenversicherung einzahlen.

Vorsicht bei der Auswahl

Vorsicht gilt bei extrem lukrativ klingenden Jobs. „Ich wäre vorsichtig bei allen Angeboten mit Stundenlöhnen jenseits von 20 Euro“, sagt Gottschild. Unseriöse Angebote seien häufig am fehlenden Firmennamen auf dem Jobaushang zu erkennen. Nicht selten steckten dahinter Vertreterjobs, in denen Studenten etwa Versicherungen oder Kosmetika verkaufen sollen. Häufig müssten Studenten dort zunächst eine Schulung bezahlen, bevor sie überhaupt einen Cent verdient haben.

Kristin Kruthaup


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