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Foto: Mit dem letzten Schuljahr kommen nicht nur die Abi-Prüfungen, sondern auch die großen Fragen: Was soll bloß aus mir werden?  Was soll ich studieren?

Mit dem letzten Schuljahr kommen nicht nur die Abi-Prüfungen, sondern auch die großen Fragen: Was soll bloß aus mir werden?  Was soll ich studieren?© iStockphoto.com/andresrimaging (Symbolbild)

Universität und Hochschule

Was soll ich studieren?

Wer heute das Abitur in der Tasche hat und studieren möchte, kann aus 9500 Studiengängen wählen. Kein Wunder, dass die Entscheidung häufig schwerfällt. Auch, weil das Angebot oft verwirrend ist. Kritische Selbsterkenntnis, gründliche Recherche und viel Gelassenheit sollten die Basis der Wahl bilden.

Hannvoer. Biologie, Mathematik, Geschichte, Betriebswirtschaft, Jura, Romanistik, Psychologie, Medizin – unter diesen Begriffen kann man sich etwas vorstellen. Aber wem sagt Ambient Assisted Living etwas? Was verbirgt sich hinter Human Geography, Kognitionswissenschaft, Computervisualistik und dem Fach „Eingebettete Systeme“? Was sind Facility Management und Fennistik? Oder Angewandte Freizeitwissenschaft? Das klingt gut, aber was macht man damit?

Mehr denn je gilt deshalb heute: gut informieren, dann entscheiden. „Man sollte sich von all diesen oft exotisch oder kompliziert klingenden Namen nicht blenden lassen“, sagt Christiane Stolz von der Zentralen Studienberatung der Leibniz Universität Hannover und erklärt, dass die Vielzahl der Studiengänge auch etwas mit der Umstellung auf Bachelor und Master zu tun habe. „Manches, was früher ein Schwerpunkt innerhalb des Studiums war, ist heute ein eigener Masterstudiengang mit eigenem Namen.“

Doch welcher Weg ist der bessere? Sich früh zu spezialisieren? Oder lieber mit einem klassischen Fach beginnen, das zunächst in die Breite geht und Basiswissen vermittelt? Eine schwierige Frage. In einer hochkomplexen Wissensgesellschaft wie in Deutschland ist Spezialistenwissen immer mehr gefragt. Das niedersächsische Institut für Wirtschaftsförderung beispielsweise hat herausgefunden, dass die Beschäftigtenzahlen im Bereich der sogenannten wissensintensiven Dienstleistungen stark gestiegen sind.

Doch ist das Spezialisieren nicht erst sinnvoll, wenn diese sehr in die Tiefe gehende Sachkenntnis auf einem breiten Wissen ruht? „Viele Studienanfänger, die auf der Suche nach einem geeigneten Studienfach sind, fragen sich, ob sie sich mit dieser oder jener Wahl nicht zum Fachidioten machen“, sagt Stolz. „Man kann da pauschal keine Empfehlung geben. Es gibt Menschen, für die ist es richtig, sich früh zu spezialisieren, die wissen einfach sehr genau, was sie wollen“, weiß die Studienberaterin von der Leibniz Universität. „Für die meisten aber ist es sinnvoller, erst einmal mit einem klassischen Fach zu beginnen. Man entwickelt sich ja weiter. Und so manche Vorlieben, Talente oder Interessen entstehen erst mit der Zeit.“

Dieser Meinung schließen sich zahlreiche Experten an. Hoch spezialisierte Studienfächer seien nur für junge Menschen etwas, die genaue Vorstellungen von ihren Stärken und ihrem späteren Jobprofil haben, heißt es. Denn wer weiß mit 18, 19 oder 20 Jahren schon genau, wohin der berufliche Weg führen soll?

Für die meisten Abiturienten bedeutet die enorme Auswahl an beruflichen Werdegängen zunächst einmal Überforderung. Haben sie sich gegen eine Ausbildung oder ein Freiwilliges Jahr und für ein Studium entschieden, ist die erste Hürde zwar genommen, doch auch an diesem Punkt stellen sich viele Fragen. Die wichtigste ist die nach den eigenen Interessen und Fähigkeiten. Was mache ich gern? Was sind meine Stärken und was ist mir immer schwergefallen?

Ehrliche Antworten auf diese Fragen sollten am Anfang stehen, denn ein Studium benötigt Disziplin. Diese aufzubringen fällt leichter, wenn man sich mit dem Fach identifizieren kann und Spaß hat. „Wenn jemand von sich weiß, dass er nicht gern allein ist, dann sollte er vielleicht nicht gerade ein Fach wählen, in dem ein Semester Auslandsaufenthalt Pflicht ist“, gibt Stolz ein Beispiel.

Doch so sehr Stolz dafür wirbt, sich die Studienwahl reiflich zu überlegen, so sehr plädiert sie auch für Gelassenheit. „Natürlich ist die realistische Analyse wichtig. Immerhin geht es um 40 Berufsjahre“, sagt die Studienberaterin. „Doch auf der anderen Seite muss man sich auch klarmachen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Niemand weiß, was in fünf Jahren sein wird. Der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung. Und auch man selbst verändert sich.“ Deshalb sei es keine Schande, wenn man noch mal das Studienfach wechselt oder sich erst einmal Bedenkzeit nimmt, ein Schnupperstudium, ein Praktikum oder ein Freiwilliges Jahr absolviert. „Das ist keine verlorene Zeit oder Trödelei“, sagt Stolz. „Diese Orientierungszeit ist für viele wichtig.“

Online-Test hilft bei der Orientierung

Was bin ich? Eher der nüchterne Zahlenmensch? Der Technikbegeisterte? Oder liebe ich gestalterische Arbeit, kreatives Schaffen? Bin ich mutig und zuversichtlich? Oder eher auf Sicherheit bedacht? Ist mir Routine zuwider oder gibt sie mir Halt?

Individuelle Interessen, Bedürfnisse und Talente herauszufinden ist das Wichtigste bei der Berufs- und Studienwahl. Die eigenen Wünsche sollten schwerer ins Gewicht fallen als die Arbeitsmarktanalyse, die Frage, welcher Job am meisten Geld bringt, oder die Wünsche der wohlmeinenden Eltern. Ein Online-Test, der von der Hochschulrektorenkonferenz in Kooperation mit „Zeit online“ entwickelt wurde, hilft weiter. Der kostenlose Test ist wissenschaftlich fundiert, umfasst 72 Fragen und dauert 15 Minuten. Basierend auf diesen Selbsteinschätzungen wird ein individuelles Profil erstellt, das mit den Inhalten und Anforderungen der Studiengänge an deutschen Hochschulen abgeglichen wird. Teilnehmer können sich ein Zertifikat erstellen, das als Nachweis gilt, dass vor der Bewerbung, Anmeldung oder Einschreibung für einen Studienplatz ein Orientierungsverfahren absolviert wurde.

Hier geht es zum Test: www.hochschulkompass.de/studium-Interessentest

Von Julia Pennigsdorf


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