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Immer mehr Arbeitgeber setzen bei Bewerbern auf die persönliche Einschätzung früherer Vorgesetzter.

Immer mehr Arbeitgeber setzen bei Bewerbern auf die persönliche Einschätzung früherer Vorgesetzter.© iStockphoto.com/ Shorebreak

Bewerbung

Den guten Ruf nutzen

Persönliche Referenzen werden für einen erfolgreichen Stellenwechsel immer wichtiger. Deshalb sollten Jobsuchende in der Bewerbung ruhig die Kontakdaten ihrer ehemaligen Chefs angeben.

Hannover. Ein positives Arbeitszeugnis ist meist das Herzstück einer Bewerbung. Viele Personaler wollen sich aber nicht mehr allein auf die schriftliche Einschätzung ihrer Vorgänger verlassen. Stattdessen greifen sie zum Telefon und informieren sich beim Ex-Chef über den Bewerber. Wer sich von der Konkurrenz abheben will, sollte deshalb ruhig die Kontaktdaten ehemaliger Vorgesetzter in seinen Unterlagen angeben, raten Experten. Denn schon lange zweifeln Personalchefs die Aussagekraft von Arbeitszeugnissen an.„Ein Arbeitszeugnis muss zum Wohlwollen des ausscheidenden Arbeitnehmers formuliert sein“, sagt Jobcoach Jürgen Hesse aus Berlin.

Negative Bewertungen seien darin kaum zu finden - selbst dann nicht, wenn sie berechtigt sind. Während das Zeugnis Arbeitgebern früher ermöglicht habe, Bewerber miteinander zu vergleichen, funktioniere das heute kaum noch, betont auch Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband in Duisburg. „Im Prinzip sind alle gut oder sehr gut“, sagt er. Außerdem ließen Personalverantwortliche aus Zeitnot, Angst vor Fehlern oder Bequemlichkeit Mitarbeiter ihre Zeugnisse selbst schreiben, fügt Hesse hinzu.

„Das wissen viele Chefs und verlassen sich deshalb nicht mehr nur allein darauf“, erklärt der Experte. Bewerbern, die sich positiv von ihrer Konkurrenz abheben möchten, empfiehlt er deshalb, ehemalige Arbeitgeber als Referenz mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse in den Unterlagen anzugeben.

Der richtige Ort dafür ist der Lebenslauf. Passend zu den beruflichen Stationen können dort die Kontaktdaten des jeweiligen Vorgesetzten angegeben werden. Wahlweise schreiben Bewerber die Referenzen auf ein separates Blatt, das sie in der Bewerbungsmappe vor die Arbeitszeugnisse einordnen.

Als Referenz eignen sich direkte Vorgesetzte, Personalchefs und Geschäftsführer, sagt Hesse. Wichtig sei, dass sie in der Hierarchie dem Jobsuchenden übergeordnet sind. Je höher die Hierarchieebene, desto mehr Eindruck mache die Referenz. Allerdings sollten Jobsuchende die ehemaligen Förderer vorher um Erlaubnis bitten, bevor sie diese aufführen - und es könne auch nicht schaden, mit ihnen zu besprechen, was sie dem neuen Arbeitgeber sagen werden, rät Hesse. Drei Fragen würden meist gestellt: „Kann der Vorgesetzte den Mitarbeiter empfehlen? Wo liegen dessen Stärken? Was kann er nicht so gut?“ Gerade, wenn es um die Schwächen des Bewerbers gehe, sei Fingerspitzengefühl gefragt. Obwohl Referenzgeber eine Bewerbung aufwerten können, sollte die Anzahl der Namen überschaubar bleiben.

Meist seien zwei bis drei Referenzen ausreichend, sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Möglich sei aber auch, auf Referenzen im Lebenslauf zu verzichten und stattdessen im Vorstellungsgespräch eine Liste zu überreichen, auf der mehrere Referenzgeber aufgeführt sind. Diese könnten Bewerber nach der Schilderung des Werdegangs übergeben. Freiberuflern und Selbstständigen rät Ebsen, Auftraggeber anzusprechen, die eventuell eine schriftliche Einschätzung der Zusammenarbeit abgeben können. Doch ein Personaler werde nicht bei jedem Bewerber zusätzliche Informationen einholen, erklärt Schmitz. „Es kommt immer darauf an, für welche Position sich derjenige beworben hat. Bei Sachbearbeitern oder Produktionshelfern wird kein Stellenanbieter mehrere Referenzen abtelefonieren.“ Sei dagegen eine Führungsposition zu besetzen, gehörten Referenzen inzwischen schon zum guten Ton. Personalleiter müssten dann zwar mehrere Telefonate führen, bekämen so aber eine ehrliche Einschätzung über Stärken und Schwächen von ehemaligen Kollegen.

Während sich Arbeitnehmer hierzulande immer noch allzu oft allein auf ihr Arbeitszeugnis verließen, seien Bewerber in Ländern wie den USA schon einen Schritt weiter, erzählt Schmitz. „Dort gibt es gar kein Arbeitszeugnis mehr. Stattdessen läuft alles nur noch über persönliche Referenzen.“ Bei Jobsuchenden, die im Ausland gearbeitet haben, nähmen deshalb persönliche Einschätzungen ehemaliger Vorgesetzter heute schon die Stellung von Arbeitszeugnissen ein, sagt Hesse. In jedem Fall seien sie eine gute Ergänzung in jeder Bewerbungsmappe.


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