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Wer im Vorruhestand ist, kann sich seine Zeit einteilen, wie er möchte.

Wer im Vorruhestand ist, kann sich seine Zeit einteilen, wie er möchte.© imago stock&people

Beruf

Zeit zum Durchatmen

Mit Altersteilzeit früher in Rente gehen: Der Ruhestand mit 67 ist vielen zu spät. Für Arbeitnehmer gibt es jedoch diverse Modelle, die eine Alternative bieten.

Hannover. Zur Jahrtausendwende reifte in Reinhard Unger eine Idee. In der Zeitung hatte er von der Möglichkeit gelesen, das Berufsleben langsam ausklingen zu lassen und in Altersteilzeit zu gehen. Der Lehrer für Mathematik und Physik an einem Gymnasium in Meisenheim in Rheinland-Pfalz erkundigte sich genauer. „Für den öffentlichen Dienst wurde das sogenannte Blockmodell angeboten. Vier Jahre voll arbeiten und dann bis zu vier Jahre in die Freistellungsphase zu dem entsprechenden Anteil der Bezüge“, sagt er. In den Sommerferien hat er dann in Ruhe überlegt – und sich schließlich für dieses Modell entschieden.

Mit dem Schulleiter besprach er das Prozedere, ob er zum Halbjahr oder zum Schuljahresende gehen sollte. Nach den Sommerferien 2002 begann dann die Altersteilzeit für ihn. Zunächst änderte sich an seinen Arbeitszeiten allerdings nichts. Er war in Vollzeit tätig. „Die andere Variante, mit reduzierter Stundenzahl zu arbeiten, funktioniert bei Lehrern nicht“, erzählt Unger. Schließlich gebe es Konferenzen, Elternsprechtage, volle Stundenpläne. „Mit vier Stunden am Tag oder drei Tagen die Woche kommt man da nicht hin.“ Nach vier Jahren wechselte er in die Freistellungsphase, die zweite Hälfte seiner acht Jahre dauernden Altersteilzeit.

Der Arbeitgeber stockt das reduzierte Entgelt auf

Stunden reduzieren kann fast jeder Arbeitnehmer. Der besondere Charme: Ältere Beschäftigte arbeiten weniger Stunden, der Arbeitgeber stockt das reduzierte Entgelt aber auf. Im öffentlichen Dienst ist das Modell nicht selten, auch in anderen Unternehmen gibt es diverse Varianten. „Aber: Das ist eine freiwillige Sache des Arbeitgebers“, sagt die Berliner Arbeitsrechtsanwältin Valentine Reckow. Das Altersteilzeitgesetz regelt die Voraussetzungen dafür, in den letzten Berufsjahren eine reduzierte Stundenzahl zu arbeiten. „Aber wenn es weder einen Tarifvertrag noch eine Betriebsvereinbarung gibt, in der sie geregelt ist, kann niemand die Altersteilzeit einklagen.“ Bis 2009 hat die Bundesagentur für Arbeit den frühzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben finanziell gefördert. „Das gibt es allerdings nicht mehr“, sagt sie.

Voraussetzungen zur Altersteilzeit

„Für die Möglichkeit der Altersteilzeit müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein“, erklärt Andreas Feuser, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung in Berlin. „Arbeitnehmer müssen das 55. Lebensjahr vollendet haben und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1.080 Kalendertage versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.“ Dann können sie sich mit dem Vorgesetzten über die reduzierte Stundenzahl unterhalten.

Wichtig ist, sich früh Gedanken über den Ruhestand zu machen. „Mit Mitte 50 sollte man sich überlegen, ob man bis zum regulären Rentenbeginn arbeiten will, und eine Bestandsaufnahme seiner Finanzen machen“, rät Feuser. Beschäftigte sollten sich mit der Rentenversicherung in Verbindung setzen, sagt Anwältin Reckow. „Die Berechnung der Rente ist eine sehr individuelle Angelegenheit, bei der die Träger für den besten Durchblick sorgen.“ Mit allen Fakten im Blick sollten Arbeitnehmer in Ruhe überlegen, ob eine Altersteilzeit das richtige Modell ist und finanzielle Einbußen zu verkraften sind. „Bei mancher Rechnung macht das kaum etwas aus, für andere ist eine Altersteilzeit nicht finanzierbar“, sagt Feuser.

Diverse Altersmodelle

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: „Das Blockmodell ist eine Variante, bei der der Arbeitnehmer eine gewisse Zeit die volle Stundenanzahl zum halben Lohn arbeitet.“ Der Lohn wird vom Arbeitgeber um mindestens 20 Prozent aufgestockt (Paragraf 3 Altersteilzeitgesetz). Manche Tarifverträge und Vereinbarungen sehen sogar eine höhere Aufstockung vor. In der Freistellungsphase, die sich direkt daran anschließt, arbeitet man gar nicht mehr, bekommt aber weiterhin den halben Lohn. Andere Modelle sind die Halbtagsbeschäftigung oder Arbeit und Freistellung im Wechsel.

Für viele rechnet sich das, weil sie bis zum Beginn des Rentenalters formell angestellt sind und der Arbeitgeber während der gesamten Zeit Beiträge in die Rentenversicherung für sie zahlt. Das gilt auch, wenn die Arbeitnehmer schon in der Freistellungsphase sind und nicht mehr arbeiten. Damit bekommen sie ihre Rente schließlich ohne Abzüge. Die Abschläge würde ein Rentner haben, wenn er sich in die Rente verabschiedet, bevor er das reguläre Rentenalter erreicht hat.

Reinhard Unger hat seinen Entschluss nie bereut, nach 33 Jahren im Schuldienst aufgehört zu haben. „Ich habe viele Interessen und Hobbys, die Schule habe ich nicht vermisst.“ Zwar hatte er von dem sogenannten Rentenschock gehört - doch er beugte vor. „Ich bin zu Beginn des Schuljahres in den Urlaub gefahren und habe mir überlegt, in welcher Konferenz ich jetzt gerade sitzen müsste.“ Da dies der Teil des Lehrerjobs war, der ihm am wenigsten gefiel, habe er sich über die freie Zeit gefreut. „In ein Loch gefallen bin ich jedenfalls nicht.“

Verena Wolff


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