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Berufliche Auslandsaufenthalte sind häufig persönliche Bereicherung und Karrieresprungbrett zugleich.

Berufliche Auslandsaufenthalte sind häufig persönliche Bereicherung und Karrieresprungbrett zugleich.© Armin Weigel

Beruf

Lehrlinge ohne Grenzen

Ab auf die Walz: Nicht nur Zimmermänner zieht es in die Ferne – immer mehr Auszubildende realisieren einen Auslandsaufenthalt. Unterstützung erhalten die jungen Berufstätige durch Förderprogramme.

Berlin. Im Ausland können Köche exotische Rezepte lernen, Friseure neue Schnitttechniken, Kaufleute fremde Unternehmenskulturen und Kfz-Mechatroniker den Umgang mit anderen Modellen. Das macht immer mehr Auszubildende und junge Berufstätige neugierig. Sie entscheiden sich, den Schritt ins Unbekannte zu wagen, und machen ein Praktikum oder einen Teil ihrer Lehre im Ausland.

Angebote der eigenen Firma

Oft organisieren Firmen die Aufenthalte für ihre Mitarbeiter. „Daher sollte man zunächst beim eigenen Ausbildungsbetrieb oder bei der Berufsschule nachfragen, ob es bereits Angebote gibt“, rät Markus Fels vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Außerdem könnten junge Menschen im Internet auf der Website www.na-bibb.de, dem Portal der Nationalen Agentur Bildung für Europa, nach einem sogenannten Poolprojekt suchen. Diese Angebote sind laut Fels maßgeschneidert, gehen also auf die individuellen Wünsche der Jugendlichen ein.

Förderprogramme für Berufstätige

Unterstützung kommt auch von Beratern an den Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern. Für junge Berufstätige gibt es mittlerweile zahlreiche Programme, etwa in Frankreich, den Niederlanden und Norwegen. Die Zahl der Jugendlichen, die daran teilnehmen, hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, sagt Jacqueline März. Sie leitet beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Mobilitätsberatung: Vier Prozent der Auszubildenden gehen ins Ausland.

Die jungen Fachkräfte legen bei allen Programmen vorher mit ihren Unternehmen und dem Partner im Ausland genau fest, welche Kenntnisse und Kompetenzen sie erwerben sollen, erklärt März.

„Die Unternehmen sehen das als eine Investition in die Zukunft“, erzählt März. Zwar müssten sie eine Weile auf ihren Azubi verzichten, doch sie erhöhten ihre internationale Kompetenz und fänden für ihre Ausbildungsplätze auch bessere Bewerber. Allerdings gebe es noch viel Informationsbedarf. „Bisher wussten viele Unternehmen einfach nichts davon, vor allem kleinere und mittelständische Firmen.“

Parlamentarisches Patenschafts-Programm

Eines der ältesten Programme für junge Berufstätige ist das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) mit den Vereinigten Staaten, das es schon seit 30 Jahren gibt. Dabei gehen die Teilnehmer ein Semester lang auf ein College in den USA und suchen sich dann selbstständig ein halbjähriges Praktikum in ihrem erlernten Beruf.

„Die haben sich in St. Louis total gefreut, mal einen bayerischen Bierbrauer bei sich zu haben“, erzählt die Brauerin und Mälzerin Susanne Weber (23) begeistert über ihren PPP-Aufenthalt. Und Nils Klersy (24) merkte, dass er als junger Veranstaltungskaufmann selbst schnell viel Verantwortung übertragen bekam. „Dort gab es keine langen Schulungen. Da hieß es: training on the job.“

Der Bundestag fungiere bei dem Programm als Schirmherr, erklärt Theo Fuß, Projektleiter Abteilung Amerika bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Da sei das persönliche Engagement der Abgeordneten gefragt, welche die Berufseinsteiger betreuen. „Hinter jedem jungen Menschen stehen zwei Abgeordnete als Paten, hier in Deutschland und in den USA.“

Unterstützung durch die EU

Eine weitere Möglichkeit, andere Länder kennenzulernen, ist das europäische Programm Leonardo da Vinci, das Pendant zum Erasmus-Programm für Studenten. Es unterstützt Praktika, Ausbildungsabschnitte und Weiterbildungen in allen EU-Ländern – im vergangenen Jahr schon für 20.000 junge Leute. Dabei gibt es Zuschüsse für Reisekosten, Sprachkurse und Organisation der Projekte.

Größte Mitbringsel: Persönliche Entwicklung

„Berufliche Auslandsaufenthalte sind für viele Menschen persönliche Bereicherung und Karrieresprungbrett zugleich“, meint Fels. Denn außer Fachwissen und Sprachkenntnissen könne man Flexibilität, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und kulturelle Kompetenzen erwerben. Gesetzlich dürfen bis zu neun Monate einer Ausbildung im Ausland absolviert werden, durchschnittlich machen Lehrlinge das allerdings fünf bis sechs Wochen. Hinzu kommt: „Ein Vorlauf von drei bis sechs Monaten ist sinnvoll.“

Susanne Weber und Nils Klersy haben von ihrem Jahr in den USA nicht nur jede Menge Englischkenntnisse mit nach Hause gebracht, sondern auch viel Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Ich habe gemerkt: Wenn man sich reinkniet, dann kann man sich auch etwas aufbauen“, sagt Klersy.

„Ich bin noch weltoffener und viel, viel selbstständiger geworden“, erzählt Weber. Im letzten Monat des Aufenthalts reiste sie durch die Vereinigten Staaten. Aus jeder Stadt brachte sie ihrer Mutter einen Magneten mit, die nun alle am heimischen Kühlschrank kleben. „Ich war ja die Erste aus unserer Familie, die in den Staaten war“, sagt Weber.

Doreen Fiedler


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