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Mit Sensoren und Kabeln wird die komplizierte Mechanik der menschlichen Hand nachgeahmt.

Mit Sensoren und Kabeln wird die komplizierte Mechanik der menschlichen Hand nachgeahmt. © Uli Deck

Studiengang Embedded Systems

James Bond lässt grüßen

Im Studiengang Embedded Systems werden Alltagsgegenstände mit Mikrorechnern ausgerüstet.

Über den Boden des großen Labors wuselt ein Saugroboter, während ein anderer einen Ball wie eine Robbe auf der „Nase“ balanciert. Auf einem Tisch liegt eine bionische Hand, ein künstliches Gebilde aus Metall, Sensoren und Kabeln, das die komplizierte Mechanik der menschlichen Hand nachahmt. Was wie der Anfang eines James-Bond-Films klingt, ist Alltag für die Teilnehmer des Studiengangs zum „Master of Engineering – Embedded Systems“. Denn diese „eingebetteten Systeme“ verbinden Saug¬roboter, künstliche Hände und Kaffeemaschinen.

„Embedded Systems sind Mikrorechner und entsprechende Software, die in größere technische Systeme eingebettet sind“, erklärt Prof. Volker Sommer von der Technischen Fachhochschule (TFH) Berlin. „Dort nehmen sie – oft unbemerkt vom Anwender – komplexe Steuerungs- oder Regelungsaufgaben wahr.“ Wenn beispielsweise die Waschmaschine oder der Kaffeeautomat auf eine notwendige Entkalkung hinweist, sind Embedded Systems am Werk. Hi-Fi-Geräte, Mobiltelefone mit Bluetooth sowie ABS, EPS oder Airbag im Auto – fast überall sind die intelligenten Systeme heute versteckt. Der Boom dieser Geräte macht auch vor Hochschulen nicht halt. Und so tüfteln Diplom-Ingenieure und künftig auch Bachelor der Informatik an den perfekten, versteckten Rechnern.

Der Masterstudiengang Embedded Systems liegt auf der Schnittstelle zwischen Informatik und Elektrotechnik, an der TFH ist das Studium daher auch im Fachbereich Informatik verankert. Maximal 20 Studenten nimmt die TFH pro Semester auf. Eigentlich ist der Master als Aufbaustudium zum Bachelor in Technischer Informatik gedacht. Da es den ebenso wie den Master erst seit dem Sommersemester 2006 gibt, bestehen die aktuellen Kurse aus jeweils nur rund zehn Studenten, allesamt Diplom-Ingenieure (FH). Kommen die Bachelorabsolventen dazu, wird auch die Auslese strenger.

Einer der ersten Absolventen ist Andreas Döpkens. „Ich hab’ den Master gemacht, weil ich promovieren möchte. Mein FH-Diplom reicht da nicht“, sagt der 30-Jährige. Ihm hat besonders das Konzept des jungen Studiengangs gefallen. Während das letzte Semester für die Masterarbeit und das dazugehörige Kolloquium reserviert ist, steht in den ersten beiden Halbjahren Theorie und Praxis auf dem Stundenplan. Im ersten Semester geht es vor allem darum, die Hard- und Softwarearchitektur zu verstehen sowie Prototypen modellbasiert zu entwerfen. Zudem beschäftigen sich die Studenten mit Netzwerkprogrammierung und vertiefen ihr Vorwissen in Echtzeitsystemen.

Im zweiten Semester liegt der Schwerpunkt eher auf der Anwendung der entsprechenden Systeme, beispielsweise in der Vertiefung der Regelungstechnik sowie im Fach Rapid Control Prototyping, in dem es um die Nachbildung schneller Reglerprototypen geht. Der Unterricht im „Maschinellen Sehen“ beschäftigt sich mit der Bildverarbeitung in einem System. Diese Kenntnisse kommen auch im Fach von Prof. Sommer „Autonome mobile Systeme“ zum Einsatz, denn die mobilen Roboter sollen sich selbstständig bewegen und sich auch in einer fremden Umgebung zurechtfinden. Eine spätere Einsatzmöglichkeit ist Sommers Prototyp eines Saugroboters: „Im Gegensatz zu den bekannten automatischen Staubsaugern scannt unser vorher die Konturen des Raumes, um seine Route zu planen – ein doppelter Weg ist so ausgeschlossen.“

Um späteren Berufseinsätzen entgegenzukommen, sind im Semesterplan auch übergeordnete Fächer vorgesehen. Beispiele hierfür sind die Lehrveranstaltungen zu Systemsicherheit und Anforderungsmanagement. „Dazu kann jeder Student aus verschiedenen Pflichtmodulen wählen und sich beispielsweise in Betriebswirtschaft oder Fremdsprachen weiterbilden“, berichtet Sommer.

24 Semesterwochenstunden beträgt der Aufwand für das Studium. Die werden auf drei Tage verteilt, damit die Studenten nebenbei ihren Lebensunterhalt verdienen können. „Ich schaffe das nicht“, sagt jedoch Absolvent Andreas Döpkens. „Der Zeitaufwand, den man selbst noch zusätzlich aufbringen muss, ist sehr hoch.“ Dafür sind die Berufsaussichten für die Masteringenieure besonders wegen der vielfältigen Einsatzgebiete und des boomenden Markts sehr gut. Einige Absolventen bleiben an der FH, die meisten jedoch zieht es in die Industrie. „Momentan bekommen alle Absolventen einen Job“, versichert Sommer.
www.studiere-zukunft.de
Von Christian Schnohr


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