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Dimitri Visnadi nimmt am EU-Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs“ teil. Für ein halbes Jahr arbeitet er in Paris.   Yoopies Archiv

Dimitri Visnadi nimmt am EU-Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs“ teil.© Yoopies Archiv

Ausbildung

Gründer ohne Grenzen

Die EU fördert Jungunternehmer, die im Ausland Praxiserfahrungen sammeln wollen, mit dem Projekt „Erasmus for Young Entrepreneurs“. Seit dem Start des Programms im Jahr 2009 gab es bereits 8.000 Bewerber.

Hannover. Dimitri Visnadi hat eine Idee: Er will Mütter mit Babysittern und Tagesmüttern zusammenbringen. Online, ohne viele Umwege. Einen Businessplan hat der 24-jährige Deutschitaliener schon während seines Studiums in Rom verfasst. Seit einer Weile hat er seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften in der Tasche. Nach dem Abschluss wollte er sich aber nicht gleich selbstständig machen, sondern erst ein paar Monate die Abläufe in einer Firma kennenlernen. Bei seiner Recherche stieß der junge Mann auf ein Unternehmen in Frankreich, das seine Idee bereits in die Tat umgesetzt hat.

„Erasmus for Young Entrepreneurs“

Visnadi hat sich dort um ein Praktikum und parallel für das EU-Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs“ beworben. Die Europäische Union fördert damit junge Leute, die sich selbstständig machen wollen oder bereits ein kleines Unternehmen haben. „Die Motivation, ins Ausland zu gehen, ist bei jedem Bewerber eine andere“, sagt Kate Hach, die das Programm für Süddeutschland koordiniert. Die einen wollen einen Markt sondieren, in den sie mit ihrer Firma expandieren möchten. Die anderen haben gerade die Uni abgeschlossen und wollen die Praxis als Unternehmer kennenlernen.

Bewerbungen von 18- bis 80 Jahren möglich

„Von 18 bis 80 kann sich jeder bewerben – wenn er Unternehmer ist oder zumindest einen Businessplan verfasst hat“, erklärt Hach. Entscheidend ist die Begründung, warum man in einem anderen EU-Land arbeiten will. Bei Dimitri Visnadi lag die Sache auf der Hand: yoopies.de ist ein Start-up-Unternehmen in Paris, das in mehreren Ländern eine Internetplattform betreibt, die Eltern und Betreuer zusammenbringt. Er hat für yoopies.de eine Seite für den deutschen Markt entwickelt, die den Gegebenheiten hierzulande angepasst ist. „Weil die Firma hier ein junges Unternehmen ist, habe ich gleich eine Menge Verantwortung bekommen“, erzählt Visnadi.

In seinem Fall passten Idee und Partnerbetrieb perfekt zusammen. Eine Recherche im Netz hat den Treffer ergeben. Wer nicht so viel Glück hat, kann aus einem Pool an bereits registrierten teilnehmenden Gastfirmen in ganz Europa wählen. Voraussetzung für die Aufnahme in die Datenbank: „Gastgebende Unternehmer müssen über mindestens drei Jahre Erfahrung als Geschäftsführer eines Unternehmens verfügen“, erklärt Hach. Außerdem sollten sie bereit sein, Einsicht ins Management zu gewähren.

„Wir überprüfen Bewerbungen und begleiten Teilnehmer während der Vor- bereitung und der Austauschphase“, erzählt Hach. Existenzgründer bewerben sich über die Website des Programms www.erasmus-entrepreneurs.eu. Sie füllen ein Profil aus, laden ihren Lebenslauf hoch und legen einen Businessplan vor. Für bereits gegründete Unternehmen ist zusätzlich eine Finanzplanung für die nächsten zwei Jahre erforderlich. Außerdem darf das Unternehmen noch nicht länger als drei Jahre am Markt sein.

Mehr als 8.000 Bewerber seit 2009

Mehr als 8.000 Bewerbungen habe es EU-weit seit dem Start des Programms 2009 gegeben, sagt Arnaldo Abruzzini. Er ist Generalsekretär von Eurochambers in Brüssel, Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern in Europa. Daraus seien bislang etwa 1.600 Austausche mit 3.200 Teilnehmern in 37 Ländern entstanden. Lohnend sei das Programm für beide Seiten: 94 Prozent der Existenzgründer und 85 Prozent der bestehenden Firmen berichten, dass das Programm ihnen helfe, ihr Geschäft zu starten oder zu erweitern. Besonders viele Anfragen bekomme das Programm aus dem Medien-, Marketing- und PR-Bereich, dem Tourismus, von Architekten und der Computerindustrie. Etwa acht Wochen dauere es von der Bewerbung bis zur Reise eines jungen Unternehmers, erklärt Hach.

„Unkomplizierte Bewerbung“

„Die Bewerbung war ganz unkompliziert“, berichtet Visnadi. „Ich dachte, das würde sich lange hinziehen. Aber es dauerte nur wenige Wochen, bis ich in Paris war.“ Visnadi sieht sein halbjähriges Praktikum als Investition in seine Zukunft. Die EU zahlt jedem Teilnehmer einen festen monatlichen Betrag. Für Frankreich sind das 900 Euro. Reisekosten sind in diesem Stipendium bereits enthalten. Sprachkurse müssten aus eigener Tasche bezahlt werden. Die Landessprache des Partnerunternehmens zu beherrschen ist keine Voraussetzung für Bewerber. „Die Teilnehmer müssen halt einen Modus finden, sich miteinander zu verständigen.“ Bei Visnadi ist das Englisch. Französisch lernt er vor Ort: „Wir strengen uns alle an, damit wir uns verständigen können.“

Verena Wolff


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