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Aus Angst vor einem Karriereknick verschweigen viele im Job, dass sie homosexuell sind.

Aus Angst vor einem Karriereknick verschweigen viele im Job, dass sie homosexuell sind.© Franziska Koark

Homosexualität

Coming-out im Job

Angst vor Diskriminierung oder die Sorge, Kollegen eine Angriffsfläche zu bieten – die Gründe, warum Homosexuelle ihre wahre Identität im Job verschweigen, sind vielfältig. Dabei sind die Ängste oft unnötig.

Hannover. Aus seiner sexuellen Identität macht Guido Hunstig kein Geheimnis – auch nicht im Büro. „Wenn mich ein Kollege in der Kantine fragt, was ich am Wochenende gemacht habe, sage ich ihm einfach: Ich war mit meinem Mann unterwegs“, erzählt der 43-Jährige, der bei der Telekom als Teamleiter arbeitet. Ab und an gebe es neugierige Nachfragen, aber negative Reaktionen habe er im Job persönlich noch nicht erlebt. 1998 hat sich Hunstig das erste Mal bei der Arbeit geoutet. Hat er es nun mit neuen Kollegen zu tun, erwähnt er in Gesprächen einfach einmal nebenbei, dass er schwul ist.

So entspannt wie Hunstig ist längst nicht jeder. Viele trauten sich nicht, mit ihrer Homosexualität am Arbeitsplatz offen umzugehen, sagt Bernd Schachtsiek, Vorsitzender des Völklinger Kreises, eines Zusammenschlusses schwuler Führungskräfte in Deutschland. Laut einer Umfrage des Psychologischen Instituts Köln verschweigt jeder zehnte Homosexuelle (10,1 Prozent) am Arbeitsplatz, schwul oder lesbisch zu sein. Die Mehrheit (41,8 Prozent) redet nur mit wenigen Kollegen darüber. Für die Studie wurden 2006 rund 2.700 Homosexuelle befragt.

Angst vor Diskriminierung oder die Sorge, den Kollegen eine Angriffsfläche zu bieten - die Gründe, warum Homosexuelle ihre sexuelle Identität im Job verschweigen, sind vielfältig. Dabei sind die Ängste Schachtsiek zufolge oft unnötig. Die Reaktionen nach einem Coming–out seien meist weniger schlimm als erwartet. Das bestätigt auch die Studie: Von denen, die sich outeten, sagten 92 Prozent, dass die Kollegen überwiegend positiv reagierten. Über den Chef sagten das immerhin 85 Prozent.

Homosexualität als Tabuthema

Trotzdem ist Homosexualität nach wie vor ein Tabuthema in vielen Unternehmen - und Diskriminierungen sind nicht auszuschließen. Bewerber fahren deshalb gut, wenn sie sich die Firmen heraussuchen, für die Toleranz gegenüber Homosexuellen fest zur Firmenkultur gehört. Welche Firmen das sind, können Bewerber etwa auf der Karrieremesse Sticks & Stones erfahren. Von Adidas bis Coca-Cola präsentieren sich dort jedes Jahr Unternehmen, die offen mit dem Thema Homosexualität umgehen. Vor allem in großen international ausgerichteten Unternehmen – etwa Banken - finden homosexuelle Mitarbeiter in der Regel ein tolerantes Betriebsklima vor. „Wir legen Wert darauf, dass sich unsere Teams unterschiedlich zusammensetzen“, erzählt Kerstin Pramberger, die bei der Deutschen Bank das sogenannte Diversity Management leitet: Alle Beschäftigten sollen unabhängig von Geschlecht, Alter oder der sexuellen Orientierung in einem respektvollen Umfeld arbeiten können.

Ganz anders sehe es manchmal in kleineren Unternehmen aus, sagt Schachtsiek. Je nach Firmenkultur hätten es Homosexuelle dort mitunter schwer. Auch Mitarbeiter in männlich dominierten Branchen oder in technischen Betrieben träfen häufig auf Vorurteile.

Sind Berufstätige unsicher, ob der Arbeitgeber ihnen wegen ihrer sexuellen Identität Probleme macht, sprechen sie das Thema am besten schon im Bewerbungsgespräch an, rät Schachtsiek. Das müsse kein offensives „Und übrigens, ich bin schwul“ sein. Oft reiche es, kurz zu erzählen, dass man einen Partner habe. Wenn Personaler dann schon empfindlich reagierten, sei es oft besser, den Job nicht anzunehmen.

Kein Patentrezept vorhanden

Entscheidet man sich für ein Coming–out, lassen Firmenneulinge am besten im Gespräch mit Kollegen nebenbei die Wochenendausflüge mit dem Partner einfließen. Wer schon jahrelang im Unternehmen tätig ist, kann es sich meist nicht so leicht machen. Zuerst mit dem Vorgesetzten oder Kollegen sprechen oder einfach den Partner zu einer Firmenveranstaltung mitbringen? Ein Patentrezept gebe es nicht, sagt Schachtsiek.

Wichtig sei bei einem Coming–out, Verständnis für unschöne Reaktionen zu haben. Ein blöder Kommentar etwa ist zwar ärgerlich – häufig lässt er sich aber mit Verunsicherung der Kollegen erklären. Arten die Bemerkungen jedoch in Mobbing oder Diskriminierung aus, sollten Mitarbeiter sich an den Vorgesetzten oder Betriebsrat wenden.

Bleibt die Frage, ob Homosexuelle sich gegenüber Kunden und Geschäftspartnern outen sollen. Für Schachtsiek ist das in der Regel unnötig. „Es geht ja schließlich um die Sache und nicht um das Privatleben.“ Wer vom Geschäftspartner zu einem Firmenevent mit Begleitung eingeladen wird, sollte abwägen. „Wenn man unsicher ist, wie darauf reagiert wird, entschuldigt man den Partner aus Zeitgründen. Da würde ich das Geschäft nicht gefährden wollen.“

Maria Fiedler


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