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Foto: Unkündbare Verkündigung: Der kirchlich beamtete Pfarrer kann nur bei schweren Verstößen entlassen werden.

Unkündbare Verkündigung: Der kirchlich beamtete Pfarrer kann nur bei schweren Verstößen entlassen werden.© iStockphoto.com/ diego_cervo

Kirche

Beruf oder Berufung?

Wer einen Job bei der Kirche annimmt, muss viele Bedingungen akzeptieren.Die Berufspalette reicht von klassischen Jobs wie Seelsorger oder Pfarrer bis hin zum Jäger oder Journalisten.

Potsdam. Björn Borrmann hat sich für den wohl bekanntesten Kirchenberuf entschieden: Er will Pfarrer werden. Derzeit macht der 33-Jährige seine zweieinhalbjährige praktische Ausbildung als Vikar in der evangelischen Biesenthal-Gemeinde in Brandenburg. Er muss an allen Sonntagen und kirchlichen Feiertagen arbeiten. Dafür darf er alle Aufgaben eines regulären Pfarrers erledigen: etwa das Durchführen von Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Beerdigungen. „Das ist ähnlich wie das Referendariat bei Juristen oder Lehrern nach ihrem Studium.“

Etwa 1,3 Millionen Menschen verdienen ihr Geld bei der Kirche. Evangelische und katholische Kirche mit den Wohlfahrtsverbänden Diakonie und Caritas sind nach dem Staat größter Arbeitgeber in Deutschland. Experten schätzen den Gesamtumsatz der Kirchen auf rund 125 Milliarden Euro. Die Berufspalette ist ausgesprochen bunt: Außer klassischen Jobs wie Glaubensverkündigung, Seelsorge und sozialen Berufen in Kindergärten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gibt es auch Jäger, Architekten, Journalisten und Juristen - die Kirchen besitzen viele Forsten und denkmalgeschützte Gebäude sowie Verlage, Zeitungen, Radiosender, Nachrichtenagenturen, Banken und Versicherungen.

Kirchliche Beamte haben ein unkündbares Arbeitsverhältnis

Dass er Pfarrer werden wollte, war für Borrmann schon mit 17 Jahren klar: „Von da an war das Abi ganz entspannt, denn der Studiengang Theologie hatte keinen Numerus clausus.“ Und warum ausgerechnet Pfarrer? „Gerade die Mischung aus Arbeit am Schreibtisch und Arbeit mit Menschen, im Team und allein, fand und finde ich reizvoll.“ Und sein Job ist sicher: Pfarrer und Pastoren haben als kirchliche Beamte ein unkündbares Arbeitsverhältnis. Eine Entlassung könne nur bei schweren Verstößen wie Kindesmissbrauch erfolgen, erläutert Pfarrer Volker Jastrzembski von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO). Schwere Verstöße seien aber auch Kirchenaustritt, Wechsel in eine andere Kirche oder eine Meinung, „die mit Schrift und Bekenntnis nicht vereinbar ist“: etwa wenn die Auferstehung von Jesus geleugnet wird.

Wegen des steigenden Fachkräftemangels werden inzwischen im Einzelfall auch konfessionslose Bewerber eingestellt - solange es sich nicht um Führungsaufgaben handelt. Aber: „Auch diese Menschen müssen einen Bezug zu unseren Grundzielen Glaube, Religiosität und Spiritualität haben“, betont Jastrzembski.

Die Höhe der Löhne und Gehälter ist in den evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern unterschiedlich geregelt. Björn Borrmann bekommt als Vikar brutto 1.250 Euro. Als Pfarrer wird er etwa 90 Prozent der Bundesbesoldung von Real- und Gymnasiallehrern verdienen. Beim katholischen Erzbistum München-Freising orientiere sich die Besoldung der Kirchenbeamten und Priester am bayerischen Beamtenrecht, informiert Pressesprecher Christoph Kappes. Das Gehalt der normalen Angestellten wiederum richte sich dort nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes.

Strittige Fragen werden mit dem Dritten Weg geregelt

In allen Kirchenjobs gibt es kein oder nur eingeschränktes Streikrecht. Bezahlung, Personalrecht und arbeitsrechtliche Fragen werden meist intern geregelt - mit dem sogenannten Dritten Weg. „Bei der Kirche besteht eine Dienstgemeinschaft, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf derselben Seite des Tisches sitzen und sich gemeinsam auf die Bedingungen der Anstellung einigen“, sagt Jastrzembski. Dies unterscheidet sich deutlich vom Ersten Weg, wo der Arbeitgeber alle Entscheidungen ganz allein trifft, und vom Zweiten Weg mit gewerkschaftlich ausgehandelten Tarifverträgen.

Die Gewerkschaft ver.di kritisiert den dritten Weg: „Viele kirchliche Einrichtungen handeln wie normale Arbeitgeber: Einsatz von Leiharbeit, Ausgliederung von Betrieben und Lohndrückerei.“ ver.di fordert die Abschaffung des kirchlichen Arbeitsrechts. Die EKBO habe inzwischen einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, erläutert Jastrzembski. Und trotz aller negativen Schlagzeilen: „Die Kirche hat weiterhin den Ruf, fair mit ihren Leuten umzugehen. Die meisten unserer Mitarbeiter sind zufrieden.“

Vikar Björn Borrmann zeigt sich hoch motiviert: „Ich kann gut reden und auf die Leute zugehen. Pfarrer ist ein Kommunikationsberuf - man muss die Gewissheit ausstrahlen, dass Menschen sich auf einen verlassen können.“

Harald Grube


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