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Der Umgang mit Trauernden erfordert viel Sensibilität und Fingerspitzengefühl.

Der Umgang mit Trauernden erfordert viel Sensibilität und Fingerspitzengefühl.© Christian R. Schulz

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Bestatter

Mitfühlen, aber nicht mitleiden

Der Beruf des Bestatters ist anspruchsvoll und abwechslungsreich – Nachwuchssorgen gibt es nicht

Hannover. In jungen Jahren denken die meisten noch nicht über den Tod nach. Die eigene Sterblichkeit wird ausgeblendet, verdrängt, tabuisiert. Ausgerechnet den Beruf des Bestatters zu ergreifen ist für viele erst recht unvorstellbar. Überraschend ist deshalb, dass die Branche keine Nachwuchsprobleme hat, im Gegenteil. „Es gibt bundesweit jedes Jahr 150 bis 200 Lehrlinge mit leicht steigender Tendenz“, sagt Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter: „Die Nachfrage ist größer als das Angebot.“

Lukas Hartwig aus Kassel hat Anfang August letzten Jahres mit der Bestatterausbildung angefangen. Seine Eltern hatten ihren Sohn von Anfang an voll unterstützt: „Sie haben gesagt: ,Lukas, du bist sehr empathisch und einfühlsam, du kannst damit umgehen‘.“ Was muss man mitbringen, um ein guter Bestatter zu werden? „Einerseits körperlich und seelisch belastbar sowie sehr aufmerksam sein und ein starkes Pietätsgefühl haben“, beschreibt Hartwig, „auf der anderen Seite ist man aber auch Verkäufer und muss auf die Wünsche seiner Kunden eingehen.“

Die sensible Tätigkeit ist eine ständige Gratwanderung: „Man muss mitfühlen, aber nicht mitleiden“, bringt es Rosina Eckert vom Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt (Landkreis Bad Kissingen) auf den Punkt. Ganz wichtig sei ein Praktikum: „Da findet man heraus, ob man die Trauer der Leute nicht zu sehr an sich heranlässt und mit der Situation klarkommt.“ Die Abbruchquote bei der Bestatterausbildung sei aber nicht höher als in anderen Jobs: „Die Leute wissen bei uns ganz genau, warum sie diesen Beruf wählen.“ Wirthmann vom Bestatterverband ist sogar überzeugt: „Das ist nicht seelisch belastender als in anderen Ausbildungsberufen.“

Die seit 2003 einheitliche Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Betrieb sowie in der Berufsschule statt. Formale Mindestvoraussetzung ist ein Hauptschulabschluss. „Ferner sollte Einfühlungsvermögen in die besondere Situation von Trauernden mitgebracht werden“, betont Rosina Eckert: „Denn die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ist anspruchsvoll und umfangreich.“

Die Arbeit des Bestatters bietet laut Wirthmann eine Bandbreite, die es in anderen Berufen so nicht gibt: Sie reicht von handwerklichen über kaufmännische bis zu beratenden Tätigkeiten. Ein Auszubildender verdient zwischen 400 Euro brutto im ersten und 500 Euro im dritten Lehrjahr. Als Bestattungsfachkraft gibt es dann zwischen 1800 und 2500 Euro brutto. Die Branche ist naturgemäß krisen- und zukunftssicher. Allerdings: „Der Markt multipliziert sich nicht. Etwa 860 000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland, die Zahlen sind stabil.“ Zudem würden viele Menschen inzwischen weniger Geld für die Bestattung ausgeben als früher: „Das wird aber durch hochpreisige individuelle Bestattungen ausgeglichen“, sagt der Experte.

Darauf setzt auch der Kasseler Bestatter Dominik Kracheletz mit seinen „Event-Bestattungen für mehr Individualität“. Dazu gehört dann auch der 40-jährige Fußballtrainer mit plötzlichem Herztod, der sich im Testament eine Abschiedsparty in der Turnhalle gewünscht hatte - samt Musikband. „Der Mann hatte zu Lebzeiten festgelegt: Kommt alle in Fußballkleidung zu meiner Beerdigung“, erzählt Kracheletz. Berührungsprobleme habe es keine gegeben. Im Gegenteil: „Alle Gäste haben später gesagt: Das war genau sein Stil. Diese Feier war so wie sein Leben.“

Ein anderes ungewöhnliches Angebot macht der Hamburger Marc Altenburger. Auf seinem Portal friedhofskerze.de verkauft er Grabsteine mit QR-Code: kleinen schwarz-weißen Grafikmustern, die mit Strichcodes auf Produktverpackungen verwandt sind. Smartphones können den Code scannen und die Informationen auslesen. Auf dem Handy öffnet sich dann automatisch eine persönlich hinterlegte Internetseite. „Bei unseren Grabsteinen sind das vor allem Online-Kondolenzbücher“, sagt Altenburger. Die Friedhofskultur werde sich in den nächsten Jahren stark verändern: „Wir werden immer präsenter im Internet sein - auch über unseren Tod hinaus.“


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