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Fachkraft auf dem Bauernhof

Immer mehr junge Menschen interessieren sich für Jobs in den „grünen Berufen“.© Peter Hentsch/Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Landwirtschaft

Bauer sucht Bauer

Trotz des Höfesterbens werden Fachkräfte in der Landwirtschaft händeringend gesucht. Nicht nur im Stall und auf dem Feld, auch in Buchhaltung und Einkauf entstehen immer neue Jobs.

Hubertus Berges ist Landwirt aus Leidenschaft. Auf seinem Hof in Elsten bei Cloppenburg hält er 1750 Schweine und bewirtschaftet 106 Hektar Ackerland. „Wir sind ein klassischer Familienbetrieb“, erklärt der 39-Jährige. Sein Arbeitsalltag ist so abwechslungsreich wie die Jahreszeiten. Ein Job mit 1000 Anforderungen. Morgens müssen die Schweine gefüttert und der Stall gesäubert werden. „Anschließend tausche ich manchmal mein Stall-Outfit gegen einen Zweireiher, um beim Kreisverband einen Vortrag über Herdenmanagement zu halten, um am Abend noch ein Feld zu drillen.“

Berges empfiehlt seinen Beruf jungen Menschen, die gern in Kontakt mit der Natur sind. „Leicht ist dieser Job sicher nicht, und mit einer 40-Stunden-Woche kommt man nicht aus. Urlaub ist eine Seltenheit. Dafür esse ich täglich gemeinsam mit Frau und Kindern zu Mittag.“ Berges empfiehlt allen Nachwuchslandwirten, neben der klassischen Lehre auch das Studium der Landwirtschaft – zum Beispiel an der Fachhochschule Osnabrück. Regelstudienzeit: drei Jahre. Zukunftsangst hat er nicht. Nahrungsmittel brauche schließlich jeder.

Umstrukturierung bringt neue Jobs

Für die Agrarproduktion stehe allerdings immer weniger Fläche zur Verfügung. Deshalb wird zunehmend effektiver gearbeitet: Daraus entstehen dann wieder neue Jobs, zum Beispiel bei Dienstleistern, die in der Erntezeit samt Mähdreschern angeheuert werden. Outsourcing auf dem Bauernhof.

Gleichzeitig müssen aber immer mehr Kleinbauern das Handtuch werfen: Das Höfesterben geht auch in Niedersachsen ungebremst weiter. Laut Agrarstrukturerhebung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt es Jahr für Jahr zwischen Harz und Nordsee drei Prozent weniger Bauernhöfe. Immerhin: 2007 waren es noch fast 50 000 Betriebe, die eine Fläche von insgesamt 2,6 Millionen Hektar beackerten.
Das Interesse an der Landwirtschaft bleibt: „Immer mehr junge Leute interessieren sich für Arbeitsplätze in den ,grünen Berufen‘“, bestätigt Christa Hallmann-Rosenfeldt, Ausbildungsexpertin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Zahl aller Auszubildenden in den agrarwirtschaftlichen Berufen in Niedersachsen ist gegenüber dem Vorjahr um etwa sechs Prozent auf jetzt über 6500 gestiegen.

Ganz hoch im Kurs liegen im Ausbildungsjahr 2008/2009 die Berufe: Gärtner, Landwirt und Hauswirtschafter. Ebenfalls stark nachgefragt ist die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice, die überwiegend in landwirtschaftlichen Lohnunternehmen durchgeführt wird. Dort lernt man den Umgang mit allen Spezialmaschinen, die für die Landwirtschaft benötigt werden. Auch in den sogenannten Agrarspezialberufen, zum Beispiel in der Pferdewirtschaft oder der Milchwirtschaft, sind Ausbildungsplätze begehrt. Die Ausbildung dauert jeweils drei Jahre. Hallmann-Rosenfeldt: „Qualifizierte Fachkräfte haben in allen Agrarsparten beste Chancen.“

Viele Betriebe, kleine und große, suchen engagierte Nachwuchskräfte und könnten ihren Bedarf bereits heute kaum decken. Dazu gehört auch KTG mit Sitz in Hamburg. Händeringend sucht das landwirtschaftliche Unternehmen, das 2007 an die Börse ging, Fachkräfte. In 2008 wuchs das Personal um rund 60 neue Mitarbeiter auf insgesamt 170. Auch in diesem Jahr sucht KTG Profis aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen: Insgesamt 25 000 Hektar müssen bewirtschaftet und verwaltet werden.

Auch Schreibtischarbeit gefragt

Dafür sind Buchhalter, Juristen, Agraringenieure, Landwirte, Lageristen und Traktoristen im Einsatz. Vorstandsvorsitzender Siegfried Hofreiter: „Neben der Arbeit auf dem Feld warten viele Pflichten am Schreibtisch: Buchhaltung, Steuern, Einkauf von Saatgut und Dünger, sowie der Verkauf der Erzeugnisse.“ Hierfür beschäftigt Hofreiter Spezialisten. „So halten wir dem Landwirt den Rücken frei.“

Anja Steinbuch


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