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Jugendliche mit Handicap haben es oft schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Jugendliche mit Handicap haben es oft schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden.© dpa/tmn-Armin Weigel

Ausbildung

Ausbildung mit Handicap

Für Jugendliche mit Behinderung ist die Jobsuche oft nicht einfach, da Firmen selten Jobs mit behinderten Menschen besetzen. Die Arbeitsagentur unterstützt die Jobsuchenden mit speziellen Rehe-Berufsberatern.

Hannover. Marie Schenk hatte einen Traum: Sie wollte Informatikerin werden. Mit ihrer starken Sehbehinderung war das aber nicht möglich. Aufgeben? Auf keinen Fall! Stattdessen entschied sie sich für eine kaufmännische Ausbildung. Den Einstieg fand sie über mehrere Praktika. Bei Audi hat es dann mit einem Ausbildungsplatz geklappt. „Ich war die erste Auszubildende bei Audi mit einer Sehbehinderung. Für diese Chance bin ich sehr dankbar“, sagt sie.

Schwierige Ausbildungsplatzsuche

Für Jugendliche mit Handicap ist es oft nicht leicht, einen Ausbildungsplatz zu finden. Zwar sind Unternehmen ab 20 Beschäftigten dazu verpflichtet, mindestens fünf Prozent der Jobs mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Häufig zahlten die Betriebe jedoch lieber eine Ausgleichsabgabe, als den Arbeitsplatz behindertengerecht umzubauen, sagt Ulrike Jansen von der Aktion Mensch. Im Schnitt besetzten Firmen nur vier Prozent ihrer Jobs mit Schwerbehinderten.

Eine Behindertentoilette bauen oder eine Rampe für Rollstuhlfahrer: Solche Maßnahmen scheuen viele Arbeitgeber. Dazu kommt ein besonderer Kündigungsschutz für Schwerbehinderte. Menschen mit Handicap sind häufig in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. „Viele Personalchefs scannen die Bewerber mehr nach ihren Defiziten als nach den Fähigkeiten“, kritisiert Jansen. Dabei seien diese Jugendlichen oft besonders motiviert.

Arbeitsagentur bietet Unterstützung

Doch sie sind nicht allein bei der Suche nach dem richtigen Job. Unterstützung bietet die Arbeitsagentur mit speziellen Reha-Berufsberatern. Mit ihnen sollten Jugendliche spätestens ein Jahr vor Ausbildungsbeginn Kontakt aufnehmen. „Die jeweilige Unterstützung erfolgt nach dem Grundsatz: So normal wie möglich, so speziell wie erforderlich“, betont Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit (BfA). Zunächst werde versucht, die jungen Menschen in Betriebe zu vermitteln. Es kann sich lohnen, nach Firmen Ausschau zu halten, die in der Vergangenheit gegenüber Menschen mit Handicap besonders aufgeschlossen waren – und von Integrationsämtern schon ausgezeichnet wurden.

„Manchmal ist eine Ausbildung in einer Werkstatt für Behinderte aber die bessere Alternative“, sagt Ebsen. Ist wegen der Art und Schwere der Behinderung keine Regelausbildung möglich, gibt es sogenannte Fachpraktiker-Ausbildungen. Die angepassten Berufe können Menschen mit Handicap in den 52 Berufsbildungswerken (BBW) in ganz Deutschland erlernen. Dort gibt es fast 14.000 Ausbildungsplätze in rund 240 verschiedenen Berufen.

Vorzüge eines Berufsbildungswerks

„Die besondere Stärke der Berufsbildungswerke liegt in einem ganzheitlichen Konzept“, sagt Hanna Buse von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke. Berufsschule, Praxis, Beratung und – je nach BBW – Internat befinden sich auf einem Gelände. „Ein klassisches Bewerbungsverfahren gibt es nicht. Die Aufnahme ist abhängig von ärztlichen und psychologischen Tests seitens der Arbeitsagenturen“, erklärt Buse. Ein Schulabschluss sei nicht notwendig.

Die BBW bieten 240 Berufe an – vom Änderungsnäher bis zum Zahntechniker. Die Ausbildung verläuft dual: Mindestens 26 Wochen Praktikum sind in einem Betrieb außerhalb des BBW vorgesehen. Nach der Ausbildung hilft das BBW bei der Jobsuche. Ist ein Mensch so stark beeinträchtigt, dass auch eine Fachpraktikerausbildung nicht möglich ist, bleibt die Option, ohne Ausbildung in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten. Hat der Bewerber eine Ausbildung gefunden, muss der Arbeitsplatz behindertengerecht gestaltet werden. Arbeitsagentur und Integrationsämter unterstützen beratend und finanziell. Außerdem kann der Arbeitgeber Zuschüsse für Personalkosten und Berufskleidung erhalten.

Unterstützung bei der Abschlussprüfung

Bei der Abschlussprüfung können Azubis weitere Prüfungshilfe bekommen. So können sie bei der Industrie- und Handelskammer eine Zeitverlängerung beantragen, um eine eventuelle Benachteiligung auszugleichen. Auch können sie um eine Einzel- statt einer Gruppenprüfung bitten. „Ich habe etwas mehr Zeit für die Tests bekommen. Außerdem wurden die Aufgaben für mich digital aufbereitet“, berichtet Marie Schenk von ihren Erfahrungen. Sie hat es inzwischen geschafft – die heute 24-Jährige konnte aufgrund guter Noten ihre Ausbildungszeit sogar um ein halbes Jahr verkürzen. Im Anschluss wurde sie von Audi übernommen. Ihr nächster Traum: eine Weiterbildung im Personalbereich. Aufgeben? Das kommt für Marie Schenk gar nicht infrage.

Friederike Ebeling


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