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Sensibler Umgang mit Kunden ist gefragt: Menschen mit Hörproblemen müssen diese Fähigkeit erst wieder lernen.

© Phonik

Hörgeräteakustiker

Arbeiten im sensiblen Bereich

Jürgen und Jan Hinnerk Matthies sind echte Multitalente. Vater und Sohn sind sowohl Optiker- als auch Hörgerätemeister. Seit rund 40 Jahren hat Jürgen Matthies nun schon diese Doppelfunktion in Nienburg.

Jürgen und Jan Hinnerk Matthies sind echte Multitalente. Vater und Sohn sind sowohl Optiker- als auch Hörgerätemeister. Seit rund 40 Jahren hat Jürgen Matthies nun schon diese Doppelfunktion in Nienburg. Inzwischen betreibt er drei Geschäfte mit insgesamt 19 Mitarbeitern. Darüber hinaus engagiert sich der 60-Jährige für den Nachwuchs seiner Zunft: Als Dozent an den Fachakademien in Hankensbüttel und Lübeck, als Vizepräsident der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, als Landesinnungsmeister von Niedersachsen und Bremen und im eigenen Betrieb.

Er bildet selbst aus: „Es ist gar nicht so einfach, qualifizierte Mitarbeiter hier auf dem Lande zu bekommen.“ Deshalb bietet er Schulabgängern mit Realschulabschluss oder Abitur die Möglichkeit, drei Jahre bei ihm in die Lehre zu gehen. Mit der Aussicht auf eine Festanstellung. „Am Anfang steht immer ein Praktikum“, erläutert Jürgen Matthies seine Ausbildungsstrategie: „Schon beim ersten Kundenkontakt sehe ich, ob jemand geeignet ist für diesen Beruf. Hört er geduldig den Kunden zu? Wie reagiert jemand, wenn er das erste Mal ein Hörgerät in die Hand gedrückt bekommt, mit der Bitte dieses zu reinigen?“

Gleichzeitig achtet Matthies auch auf sehr gute Leistungen in den naturwissenschaftlichen Schulfächern. Die Offenheit im Umgang mit Menschen hat auch der 26-jährige Junior im Blut. Nach einem BWL-Studium folgten die Lehrjahre in der Hörgeräteakustik und im Optikerhandwerk. Anschließend die zwei Meisterprüfungen. „Ganz schön viel, was man da allein technisch lernen muss“, erzählt Jan Hinnerk Matthies. „Und sehr zeitaufwendig, auch wenn die beiden Lehren teilweise parallel laufen können.“ Jetzt ist der Junior so weit, dass er in die Fußstapfen des Vaters passt.

Kontaktfreude und handwerkliches Geschick sollte man mitbringen, wenn man sich für eine Karriere in diesem medizinischen Handwerk entscheidet. Als Mindestvoraussetzung wird ein Realschulabschluss empfohlen. „Die Anforderungen der Berufsschule in Mathe und Physik sind nicht ohne“, sagt Jan Hinnerk Matthies. Schließlich ist die Hörsystemanpassung eine verantwortungsvolle Aufgabe, die Fachwissen und Erfahrung erfordert. Rund 40 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen die Akustiker im Anpassungsstudio und am Computer. Ein Hörsystem ist ein komplexes digitales Gerät mit der Rechenleistung eines PCs.

„Die Technik hat in den vergangenen fünf Jahren enorme Sprünge gemacht“, erklärt Jürgen Matthies. „Moderne Hörsysteme werden mit einem Computerprogramm individuell eingestellt, sind sehr leicht und kaum noch sichtbar.“ Das Paradoxe ist jedoch, dass immer wieder Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. „Viele Jugendliche haben von unserem Beruf noch nie gehört,“ klagt der Akustiker- und Optikermeister.

Tatsächlich herrscht bei den deutschen Hörgeräteakustikern Azubi-Mangel. Dabei befindet sich die Branche im Aufwind, da immer mehr und immer jüngere Menschen über Schwerhörigkeit klagen. Und: Die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker hat für die Zukunft vorgesorgt: Die Ausbildung zum Gesellen dauert drei Jahre und findet blockweise im Betrieb und in der Bundesberufsschule in Lübeck statt. Anschließend kann man innerhalb eines Jahres seinen Meister und gleichzeitig einen Bachelorabschluss machen.

Von Anja Steinbuch


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