Navigation:
Idyllisch gelegen: die Salzburger Universität
Auslandsstudium

Ansturm der Piefkes

Österreich wirbt gezielt um deutsche Studenten. Großes Angebot und geringe Gebühren.

In der Mittagspause mal schnell auf eine Tschick und einen Verlängerten in ein Beisl gehen? – Was so viel heißt wie auf eine Zigarette und einen Milchkaffee ins Gasthaus gehen. Die Qual der Wahl stellt sich vielen deutschen Studenten in Österreich – wenn sie denn der Sprache mächtig sind. Im Jahr 2000 waren erst knapp 6000 Deutsche immatrikuliert. Im Wintersemester 2006/2007 studierten insgesamt 12138 Deutsche in Österreich. Tendenz: weiter steigend. Der Grund: die Europäische Union.

Im Juli 2005 gab es einen großen Aufschrei in Österreich: Der Europäische Gerichtshof hatte entschieden, dass die bis dato gültigen Zulassungsbeschränkungen für nicht österreichische EU-Bürger diskriminierend waren. Im Klartext: Österreichische Hochschulen mussten deutsche Bewerber genauso behandeln wie Einheimische. Doch in Österreich reicht die Matura, das österreichische Abitur, um sich für ein Fach seiner Wahl einzuschreiben. Kein NC, keine Wartesemester, keine ZVS. Und so wurde Österreich zum Paradies für Ausländer mit schlechten Abiturnoten. Gerade in Fächern, die in Deutschland einen hohen Numerus clausus haben. An manchen Universitäten oder Fachhochschulen stieg die Zahl der deutschen Erstsemester so von 20 auf 600.

Nicht nur für NC-Flüchtlinge

Anfeindungen, dass deutsche Studenten die Hörsäle zum Platzen bringen, hat Anna Mooser in Österreich deswegen nicht erlebt. Die 19-Jährige aus dem Ort Petting in Oberbayern studiert Betriebswirtschaft an der Fachhochschule in Salzburg. Insgesamt sind hier 1900 Studenten eingeschrieben, davon stammen 268 aus Deutschland. „Mein Freundeskreis ist bunt gemischt. Ich finde, dass Österreicher viel offener sind als Deutsche.“ Ihr Kommilitone Rainer Hotter sieht das ähnlich: „Klar wird man mal gepiesackt, aber sonst ist das kein Thema. Ich habe von Anfang an viele Österreicher kennengelernt.“

Um den „Ansturm der Piefkes“ zu vermeiden, hatte das Nachbarland nach der Entscheidung des Gerichtshofs kurzerhand Eignungstest für Bewerber eingeführt. So sollten zumindest die unmotivierten und ungeeigneten NC-Flüchtlinge außen vor bleiben. Je nach Fach muss man einen Reihungstest und ein Aufnahmegespräch absolvieren. In künstlerisch-kreativen Bereichen wird oftmals eine Werkmappe verlangt.

Elite statt fauler Flüchtlinge? Es scheint so, denn plötzlich wirbt man in Österreich um deutsche Studenten: „Gerade im Hinblick auf die Entwicklung von Masterstudiengängen ist eine internationale Bewerbung von Studierenden notwendig geworden“, sagt Sabine Grossauer, Marketingleiterin der Fachhochschule Salzburg, und ergänzt: „Wir wollen die besten Studierenden bekommen, die als Absolventen von Unternehmen und Organisation bewusst gesucht werden.“

Unabhängig von fehlenden Schranken bezüglich der Abiturnote bieten österreichische Fachhochschulen viele Vorteile: „Klar spielt auch der NC eine Rolle. Aber unsere Fachhochschulen haben modernste Infrastruktur, Praxisnähe durch eine gute Verzahnung mit der Wirtschaft sowie kleine Lerngruppen mit persönlicher Betreuung“, rührt Grossauer die Werbetrommel.

263 Studiengänge

„Darüber hinaus liegen die Studiengebühren unter denen in Deutschland“, berichtet Grossauer. Insgesamt zahlen Studenten für ein Semester knapp 380 Euro. Auch die Auswahl an Studiengängen ist enorm: Im kommenden Jahr gibt es in Österreich 263 Studiengänge. Manche Abschlüsse wie der Bachelor of Multimedia-Art an der FH Salzburg sind eher experimentell: Kunst, Computeranimation sowie Video- und Audiokenntnisse sollen miteinander verknüpft werden. Doch mit ungewöhnlichen Verbindungen kennen sich die Österreicher aus: An der Universität Graz können sich Studenten völlig neue Studiengänge gestalten. Molekularbiologie und Betriebswirtschaft in einem Diplom – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die gewählte Kombination müssen die Studenten lediglich beim Rektorat genehmigen lassen.
Von Christian Schnohr


Anzeige
Jobmesse Hannover
jobmesse hannover

Am 20. und 21. Mai finden die 10. jobmesse hannover statt. Rund 110 attraktive Aussteller bieten nützliche Informationen für...

Jobmarkt

Stellenmarkt in Hannover

Finden Sie einen Job! Stellen Sie Ihre Bewerbung ein und lassen Sie sich von den Personalleitern der Region kontaktieren.