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Bauspardarlehen

Wann sollte man auf die Auszahlung verzichten?

Viele Bausparverträge bieten derzeit schlechtere Zinsen als Hypothekendarlehen. Sollte man besser auf den Bausparkredit verzichten?
Baufinanzierung

Hypothekendarlehen bieten bessere Zinsen. Sollte man auf den Bausparkredit besser verzichten?

© Handout

Geteilte Freude: Während Immobilienkäufer und Bauherren von niedrigen Hypothekenzinsen profitieren, bereitet vielen Bausparern die Mitteilung ihrer Bausparkasse, dass der Kredit zum Abruf bereitsteht, eine herbe Enttäuschung. Denn das seit Jahren angesparte Bauspardarlehen ist im gegenwärtigen Zinstief vielfach deutlich teurer als vergleichbare Hypothekenkredite von Banken und Sparkassen. Viele Bausparer stehen deshalb vor der Frage: Soll ich mein Bauspardarlehen abrufen oder darauf verzichten?

Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung sind bereits ab 3,57 Prozent Sollzins zu haben, etwa beim Versicherer Cosmos Direkt und beim Kreditvermittler Interhyp. Nur ein Hundertstel teurer ist Baugeld bei der Europa Versicherung. „Bei älteren Bausparverträgen ist hingegen beim Effektivzins häufig eine vier, manchmal sogar eine fünf vor dem Komma zu finden“, sagt Thomas Bieler von der ING-Diba. In solchen Fällen gibt es nach Ansicht des Finanzexperten nur eine Lösung: „Auf das Bauspardarlehen verzichten, sich das angesparte Vertragsguthaben auszahlen lassen und die Immobilie komplett mit einem günstigen Bankdarlehen finanzieren!“

Zinsvergleich nur mit Blick ins Kleingedruckte

Allerdings sehen nicht alle Bausparverträge ungünstige Konditionen vor. Verträge, die erst in den letzten Jahren abgeschlossen und mittels hoher Beiträge zügig angespart wurden, können bereits akzeptable Darlehenszinsen vorsehen. Bei neueren Tarifen haben viele Kassen ihren Ansparzins inzwischen gesenkt und ebenso die Kreditkonditionen verbilligt. Effektivzinssätze auf aktuellem Marktniveau sind in diesen Fällen keine Seltenheit.

Liegen die Konditionen von Bank- und Bauspardarlehen dicht beieinander, hilft nur ein exakter Effektivzinsvergleich. „Um dabei die tatsächlichen Kosten des Bausparers zu ermitteln, müssen Immobilienkäufer einen Blick ins Kleingedruckte werfen“, so Bieler. Denn die Bausparbedingungen regeln ganz genau, was passiert, wenn der Kunde auf das Darlehen verzichtet. Nicht selten winkt dann als Belohnung rückwirkend eine deutlich höhere Ansparverzinsung und zum Teil auch eine Rückerstattung der am Anfang gezahlten Abschlussgebühr.

Wird der Kredit dagegen in Anspruch genommen, fallen diese Vorteile weg. Die Folge: In solchen Fällen müssen beim Kreditvergleich mit einer Bankfinanzierung sowohl der Zinsverzicht als auch die nicht erstattete Abschlussgebühr dem Bauspardarlehen als indirekte Kosten zugerechnet werden. „Der wahre Effektivzins liegt dadurch oft deutlich höher als der in den Vertragsbedingungen ausgewiesene Standardwert“, sagt Bieler. Die Zeitschrift Finanztest hat in manchen Fällen Effektivzinsen von mehr als sechs Prozent errechnet. Wird statt eines solch teuren Bauspardarlehens ein preiswerter Hypothekenkredit in Anspruch genommen, könnten Bauherren bei einer Kreditsumme von 50.000 Euro nicht selten mehr als 3.000 Euro Zinsen sparen.

Tipp: Viele Bausparkassen bieten nicht nur die bekannten Bauspardarlehen an, sondern auch klassische Hypothekendarlehen, zum Beispiel die Debeka, BHW, Wüstenrot oder die Bausparkasse Mainz (BKM). Zwar werden in vielen Fällen Schätzkosten erhoben, dennoch kann sich das Annuitätendarlehen gegenüber älteren Bausparverträgen sehr wohl lohnen. Um die Konditionen vergleichen zu können, sollten sich Kreditnehmer die effektiven Kosten exakt vorrechnen lassen.

Max Geißler / biallo.de


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