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Eva Busch, Leiterin des Winnicott Instituts für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie
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Interview

„Die perfekte Schule gibt es nicht“

Eva Busch, Leiterin des Winnicott Instituts für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Hannover erklärt, worauf Eltern beim Wechsel in die weiterführende Schule achten sollten.

Der anstehende Schulwechsel ist ein wichtiger Schritt. Wie können Eltern ihn ihren Kindern erleichtern?

Indem sie die Situation entdramatisieren. Die Kinder sind meist aufgeregt, tragen Ängste und Sorgen mit sich herum. Sie fragen sich, wie die neuen Lehrer sind und welche Anforderungen auf sie zukommen. Es ist wichtig, dass die Eltern mit den Füßen auf dem Boden bleiben und Fragen ruhig und pragmatisch angehen. Sie sollten ihrem Kind vermitteln, dass es zum normalen Leben dazugehört, einen nächsten Schritt zu machen und neue Herausforderungen anzugehen. Es ist wichtig anzuerkennen, dass die Kinder aufgeregt sind. Gleichzeitig kann man ihnen erklären, dass sie auch an der neuen Schule freundliche Kinder und Lehrer treffen werden. Es gibt zwei Seiten: Es ist Schönes und Neues zu erwarten. Die Kinder müssen aber auch Spannung aushalten. Es gibt keinen Trick, mit dem sich das wegzaubern lässt.

Sollten Eltern nachgeben, wenn das Kind auf die gleiche Schule wie seine Freunde gehen will?

Es ist eine Überlegung wert, wenn fast alle Kinder aus der Grundschule die nächstgelegene Schule aussuchen. Der gemeinsame Wechsel fällt oft leichter. Aber in den neuen Klassen bleiben alte Freundschaften oft nicht erhalten. Auch das kann oft kränkend sein.

Sollen Kinder bei der Schulwahl entscheiden?

Nein, die Kinder können nicht absehen, welche Anforderungen die neue Schule stellt. Die Erwachsenen haben die Verantwortung, sich zu informieren und abzuwägen. Dem Kind ist sein emotionales Erlebnis wichtig, es kann nicht von außen auf sich sehen.

Wie wichtig ist die Länge des Schulwegs?

Es ist nicht fördernd für die Entwicklung eines Kinds, wenn es neben forderndem Unterricht und Hausaufgaben morgens uns abends je eine Stunde für Schulweg benötigt. Kinder brauchen Freiräume, Zeit sich auszuruhen und in ihr Zimmer zurückzuziehen.

Wie entwickeln Eltern ein Gefühl für die Wahl der richtigen Schule?

Die Lehrer der Grundschule wissen aus vier Jahren, wie das Kind in der Klasse zurechtkommt. Ihren Rat sollten Eltern auf jeden Fall ernst nehmen und abwägen. Für die konkrete Auswahl einer Schule rate ich, sich vor Ort über die Angebote zu informieren. Wie ist die Atmosphäre, die Lehrer dort vermitteln? Passt das zur Familie? Für das Kind ist es sicher einfacher, wenn Lebenshaltung und Weltsicht der Eltern sich in gewisser Weise auch in der Schule wiederfinden.

Und wenn an der gewünschten Schule kein Platz ist?

Die Schulen unterscheiden sich nicht so stark. Man kann sein Kind getrost auch an eine andere schicken. Manche Eltern denken, sie müssten die optimale Schule finden. Doch keine Schule kann in allen Aspekten perfekt sein. Ich rate zu Gelassenheit.

Interview: Bärbel Hilbig


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