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Bei starkem, stechendem Schmerz im Ohr sollte man zum Arzt gehen. Denn dahinter kann eine Mittelohrentzündung stecken.

Bei starkem, stechendem Schmerz im Ohr sollte man zum Arzt gehen. Denn dahinter kann eine Mittelohrentzündung stecken. © Christin Klose

Gesundheit

Mittelohrentzündung kann gefährlich sein

Was harmlos anfängt, kann böse ausgehen: Deshalb sollten Betroffene mit Ohrenschmerzen zum Arzt. Steckt eine Mittelohrentzündung hinter den Beschwerden, kann das unbehandelt im schlimmsten Fall zum Hörverlust führen.

Bielefeld. Am Anfang steht oft eine harmlose Erkältung. Nach ein paar Tagen macht sich ein starker stechender Schmerz im Ohr bemerkbar, eventuell hört man auch schlecht. Spätestens jetzt sollte man zum Arzt gehen.

Denn eine Mittelohrentzündung ist nicht nur unangenehm. Wird sie nicht behandelt, können schwere Komplikationen auftreten. Eine akute Mittelohrentzündung entsteht, wenn Viren oder Bakterien aus dem Nasen-Rachen-Raum ins Mittelohr gelangen.

Wie die typische Entwicklung der Erkrankung verläuft, erklärt Prof. Holger Sudhoff, Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum Bielefeld: "Man bekommt einen Virusinfekt, dabei schwillt die Schleimhaut in der Ohrtrompete an, und darauf setzt sich eine bakterielle Superinfektion, weil das Mittelohr nicht mehr ausreichend belüftet wird."

Anzeichen einer akuten Mittelohrentzündung sind vor allem starke Ohrenschmerzen, die häufig mit einem Hörverlust einhergehen, sagt Michael E. Deeg, Sprecher des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Eine virale Infektion könne man mit Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten behandeln.

Wird eine bakterielle Infektion nachgewiesen, verschreiben HNO-Ärzte in Deutschland in der Regel ein Antibiotikum - spätestens wenn sich die Symptome nach zwei bis drei Tagen nicht gebessert haben. So sollen Komplikationen verhindert werden.

Wie Prof. Roland Laszig, Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik in Freiburg erläutert, kann eine unbehandelte Mittelohrentzündung nämlich schwerwiegende Folgen haben.

Es sei möglich, dass die Entzündung auf das Gleichgewichtsorgan übergreift, den Gesichtsnerv schädigt oder zu einem Abzess im Warzenfortsatz führt - einer sogenannten Mastoiditis, die operiert werden muss. Wenn die Entzündung ins Innenohr vordringt, kann das zum Verlust des Hörvermögens führen, ein Durchbrechen bis ins Hirn ist sogar lebensbedrohlich.

Laszig warnt daher davor, bei einer bakteriellen Entzündung zu lange mit der Antibiotika-Gabe zu warten. "Wir sehen bei uns in der Klinik mindestens einmal in der Woche eine Mastoiditis, weil eine Mittelohrentzündung unzureichend, unterdosiert oder falsch behandelt wurde", berichtet der HNO-Arzt.

Auch Deeg rät davon ab, Ohrenschmerzen nur mit Hausmitteln wie Zwiebelsäckchen zu behandeln, ohne einen Arzt zu konsultieren. "Wenn es wehtut, weiß man nicht, warum es wehtut. Ein gerötetes vorgewölbtes Trommelfell mit einem eitrigen Sekret weist auf eine bakterielle Entzündung hin. Das kann nur der Arzt sehen, wenn er ins Ohr schaut."

Am besten ist es natürlich, erst gar keine Mittelohrentzündung zu bekommen. Wer zum Beispiel bei Schnupfen nicht ständig ins Taschentuch schnäuzt, sondern eher die Nase hochzieht, vermindert laut Laszig das Risiko. "Wenn man ausschnaubt, hält man die Nase zu und erhöht dadurch den Druck.

So drückt man über den Nasenrachen die Erreger durch die Ohrtrompete in das Mittelohr - das kann dann eine Mittelohrentzündung begünstigen." Er empfiehlt bei einer Erkältung außerdem abschwellende Nasentropfen, sich warm zu halten und eine Mütze aufzusetzen.

dpa


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