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Wird bei jungen Frauen Krebs diagnostiziert, können sie sich Eizellen entnehmen und einfrieren lassen. So haben sie später trotz Strahlen- oder Chemotherapie die Möglichkeit, schwanger zu werden.

Wird bei jungen Frauen Krebs diagnostiziert, können sie sich Eizellen entnehmen und einfrieren lassen. So haben sie später trotz Strahlen- oder Chemotherapie die Möglichkeit, schwanger zu werden. © Rainer Jensen

Gesundheit

Kinderwunsch und Krebs: Für Erkrankte gibt es Möglichkeiten

Wer als junger Mensch an Krebs erkrankt, muss seinen Kinderwunsch nicht per se aufgeben. Eizellen oder Spermien können vor den Giften einer Strahlen- oder Chemotherapie geschützt werden. Eine Garantie, dass es mit einer Schwangerschaft klappt, gibt es aber nicht.

München. Eine Krebserkrankung - vor allem für junge Leute ist die Diagnose im ersten Augenblick oft nur schwer zu ertragen. Doch der Befund ist heutzutage nicht mehr unbedingt ein Todesurteil, etwa 80 Prozent aller Fälle werden geheilt. Dann läuft das Leben häufig wieder normal weiter.

Selbst der Wunsch nach einem Kind ist für junge Betroffene nicht aussichtslos. "Natürlich steht für junge Menschen, bei denen gerade Krebs festgestellt wurde, zunächst die Therapie im Vordergrund", sagt Prof. Christian J. Thaler. Er ist Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums am Klinikum der Ludwig Maximilians Universität München.

Thaler rät Betroffenen, in dieser schwierigen Situation an das Morgen zu denken und sich die Frage nach einem möglichen Kinderwunsch zu stellen. "Krebserkrankungen sind nur in Ausnahmefällen Notfallerkrankungen, bei denen umgehend mit der Therapie begonnen werden muss", erklärt der Mediziner.

Dabei gibt es verschiedene Methoden und Verfahren - sowohl für Männer als auch für Frauen. "Betroffene sollten über die für sie richtige Möglichkeit mit dem behandelnden Arzt sprechen", empfiehlt Thaler. An Krebs erkrankte Männer können noch vor einer keimzellenschädigenden Behandlung in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum Sperma spenden und einfrieren lassen. Daneben haben Männer die Möglichkeit, sich bei einer Operation Hodengewebe entnehmen und einfrieren zu lassen. Mit den in dem Gewebe existierenden Spermien kann zu einem späteren Zeitpunkt eine künstliche Befruchtung herbeigeführt werden.

Bei Frauen können ebenfalls vorsorglich Eizellen entnommen und eingefroren werden. Weitere Verfahren bei Patientinnen sind das Einfrieren von Eierstockgewebe, die Gabe von Antihormonen oder das Verpflanzen von Eierstöcken. Allerdings: Eine Garantie, dass die Frau schwanger wird, gibt es nicht. Je nach Alter der Patientin kann die Schwangerschaftsrate mit eingefrorenen Eizellen bei bis zu 40 bis 60 Prozent liegen. "Ab dem 35. Lebensjahr sinken die Chancen stark", sagt der Hannoveraner Gynäkologe Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF).

Albring verweist darauf, dass operative Verfahren wie das Verpflanzen der Eierstöcke bislang keine Routineverfahren sind. Derzeit gingen Fortpflanzungsmediziner davon aus, dass nach einem solchen Eingriff etwa jede fünfte Frau schwanger werden kann. Derartige Verfahren werden nur in spezialisierten Behandlungszentren durchgeführt.

Die Kosten für die jeweiligen Verfahren sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Grobe Richtwerte nennt das von Medizinern betriebene Netzwerk Fertiprotekt. Demnach können die Kosten für das Einfrieren von unbefruchteten oder befruchteten Eizellen bei circa 3000 bis 4000 Euro liegen. Hinzu kommen Lagerungskosten. Sie liegen pro Jahr ungefähr bei 250 Euro. Das Einfrieren von Eierstockgewebe kostet bis zu 550 Euro, hinzu kommen die Kosten für die Operation. Für das Einfrieren von Spermien müssen um die 350 Euro gezahlt werden - plus einer Lagerungsgebühr von bis zu 350 Euro pro Jahr.

"Für das Einfrieren von Eizellen oder Spermien kommen die Kassen in aller Regel nicht auf, auch nicht für die Lagerungskosten", sagt Ann Marini vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung. Auch die Gabe von Antihormonen wird in der Regel von der GKV nicht bezahlt. Für operative Verfahren werden die Kosten meist übernommen.

dpa


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