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Die Deutsche Mandakini Puri in ihrem Santosh Puri Ashram im indischen Haridwar: Hinter ihr hängen zahlreiche Fotos von ihrer deutschen Mutter Narvada Puri und ihrem Vater, dem indischen Yogi Santosh Puri.

Die Deutsche Mandakini Puri in ihrem Santosh Puri Ashram im indischen Haridwar: Hinter ihr hängen zahlreiche Fotos von ihrer deutschen Mutter Narvada Puri und ihrem Vater, dem indischen Yogi Santosh Puri. © Doreen Fiedler

Gesundheit

Die Kinder der Deutschen und des indischen Yogi

Mandakini steht mit den Füßen im braunen Ganges, in den Händen hält sie pinkfarbene Blumen, im Kopf rezitiert sie ein Mantra. Vorsichtig platziert sie die Gabe im Wasser, legt dann ihre Hände aneinander und betet.

Neu Delhi. Hinter ihr erheben sich majestätisch die Himalaya-Berge.

Mandakini fühlt sich dem Fluss sehr verbunden, nennt ihn "Mutter Ganges". Die 32-Jährige wurde im Santosh Puri Ashram an dessen Ufer geboren, kurz oberhalb der indischen Pilgerstadt Haridwar. Sie ist sogar nach einem Fluss benannt, der weiter stromabwärts in den Ganges fließt. Ähnliches gilt für ihre beiden Geschwister, Bruder Ganga und Schwester Gangotri, die ihren Namen von der Ganges-Quelle hat.

"Unsere Mutter hat sich dem Fluss hingegeben", sagt Mandakini. Die Mutter, das war die Schauspielerin Gisela Rox, die im Alter von 24 Jahren Berlin verließ und - als Teil der Hippie-Bewegung - nach Indien trampte. Deutschland sei eine "Wüste der Trugbilder" gewesen, schrieb sie in ihrer Autobiografie. Also beschloss sie: "Verzicht auf Familie, Freunde, Arbeit, Land, Autos und Kuchen."

In Indien fand Rox auf einer Insel im Ganges ihren Guru. "Ein fast nacktes menschliches Wesen, ein Heiliger. ... Ein Fakir, ohne Abstammung, ohne Besitz, ohne Schulbildung." Sie lief zu seiner Feuerstelle - und verließ ihn dann mehr als 40 Jahre nicht mehr. Von ihrem Yogi bekam sie den Namen Narvada Puri, nach einem heiligen Fluss.

2001 starb Santosh Puri, im vergangenen Jahr folgte Narvada Puri. Seitdem führen die drei Kinder - die alle einen deutschen Pass haben - den elterlichen Ashram, also ein klosterähnliches hinduistisches Meditationszentrum. "Dies hier ist unser Taj Mahal, der Platz der Liebe. Darum wollen wir ihn am Leben erhalten", sagt Mandakini.

Sie kümmern sich um die zahlreichen Kühe, bauen Obst und Gemüse an. In den einfachen Häusern beherbergen bis zu 25 Gäste, mit denen sie im Fluss baden, meditieren, feierlich singen, musizieren und ihnen Yoga-Unterricht geben. Doch wie Yoga sich in der Welt ausbreitet, so reisen nun auch die Yoga-Jünger: Ganga ist derzeit in der Schweiz und Österreich, um als Yoga-Meister zu unterrichten.

Wenn die Welt am 21. Juni den ersten internationalen Yoga-Tag begeht, werden die Geschwister die Aktion nicht mitmachen. Denn beim Yoga geht es ihnen nicht um das erreichen bestimmter Asanas, also Körperstellungen. "Yoga ist die Kunst, sich selbst zu verstehen. Man muss sich dem Hier und Jetzt hingeben", sagt Gangotri. "Unser Vater war ein Yogi, obwohl er nie Yoga-Übungen machte."

Ihre Schwester Mandakini meint: "Es ist traurig, wenn Yoga nur eine Fitness-Übung ist." Es gehe um eine Verbindung zu sich selbst, um die Bewusstwerdung. "Eine aufgehende Sonne oder Mutter Ganga können ein Medium sein, um zu sich zu finden. Mantras können ein Ausgangspunkt sein. Auch Atemübungen oder Dienstleistungen wie das Kümmern um Kühe oder Putzen der Gemeinschaftsräume können als Startpunkt dienen - oder eben auch Asanas."

 

Literatur:

 

Narvada Puri, Tears of Bliss. A Guru-Disciple Mystery, CreateSpace Independent Publishing, 262 Seiten

dpa


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