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Für einige Schwangere ist das Geburtshaus eine gute Alternative. Foto: Mascha Brichta

Für einige Schwangere ist das Geburtshaus eine gute Alternative. Foto: Mascha Brichta

Familie

Das Geburtshaus: Eine Alternative zum Kreißsaal?

Wenn Krankenhäuser ihre Geburtshilfe-Stationen dicht machen, ist das eine schlechte Nachricht für Mütter. Lange Anfahrtswege und abgelehnte Anfragen sind die Konsequenz. Doch die Geburt im Kreißsaal ist für Schwangere nicht die einzige Option.

Bonn. Immer mehr Krankenhäuser schließen ihre Kreißsäle. Kostendruck und Personalmangel sind die Gründe. Zu einer Geburt im Krankenhaus gibt es aber auch Alternativen. Eine ist die Hausgeburt. Es gibt aber auch das Geburtshaus.

Was ist ein Geburtshaus?

Ein Geburtshaus ist eine außerklinische Einrichtung. Sie wird von Hebammen betrieben. "Der größte Unterschied zum Krankenhaus ist der Betreuungsbogen", erklärt Isabelle Rosa-Bian vom Netzwerk der Geburtshäuser. Die Frauen werden dort während der gesamten Schwangerschaft in der Regel von ein oder zwei Hebammen begleitet. "Die Schwangeren wissen sicher, dass eine dieser Kolleginnen auch bei der Geburt dabei sein wird." In einem Geburtshaus wird ambulant unter der Leitung einer Hebamme entbunden - ein Arzt ist nicht anwesend. Einige Stunden nach der Geburt geht die Familie wieder nach Hause und wird dort von einer Nachsorgehebamme betreut.

Wie sicher ist das?

Läuft die Geburt reibungslos ab, schneiden Hausgeburten oder die Entbindung im Geburtshaus nicht schlechter ab als die Geburt im Krankenhaus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Ende 2011 veröffentlichte

Studie des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und verschiedener Hebammenverbände. Über 90 000 unkomplizierte Geburten aus den Jahren 2005 bis 2009 wurden dafür untersucht.

Wann ist ein Geburtshaus nicht geeignet?

Für hebammengeleitete Einrichtungen gibt es sogenannte

Ausschlusskriterien, die mit dem GKV-Spitzenverband vertraglich geregelt sind. Dazu zählen Erkrankungen der Mutter wie HIV oder insulinpflichtiger Diabetes. Auch Thrombose in der Schwangerschaft oder eine Fehllage der Plazenta sprechen gegen eine Entbindung im Geburtshaus.

Wann sollten sich Schwangere im Geburtshaus melden?

"Auch bei uns gibt es mittlerweile oft Wartelisten", sagt Rosa-Bian. Der Personalmangel habe auch die Geburtshäuser erreicht. Deshalb sei es auch hier besser, sich so früh wie möglich zu melden. "Das kommt uns ja entgegen, die frühzeitige Betreuung prägt ja unsere Arbeit." Auf der Webseite des Netzwerks finden Schwangere eine

Übersicht mit Geburtshäusern in Deutschland.

Wer übernimmt die Kosten für das Geburtshaus?

Die sogenannte Betriebskostenpauschale für Aufwendungen rund um die Geburt übernehmen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen. Privatversicherte klären die Höhe der von ihrer Versicherung übernommenen Kosten am besten vorher, rät das Netzwerk. Bei der Hebammenrufbereitschaft übernehmen einige Krankenkassen eine Pauschale.

Ist das Geburtshaus eine Alternative zum Krankenhaus?

Ja und nein. "Die Lösung kann jetzt natürlich nicht sein, dass die Frauen, die im Krankenhaus keinen Platz mehr bekommen, alle zu uns kommen", sagt Rosa-Bian. Das lasse sich aus Personalgründen gar nicht stemmen - da haben die Geburtshäuser ähnliche Probleme wie Krankenhäuser. Außerdem gibt es viel weniger Geburtshäuser als Kliniken. Schlussendlich ist ein Geburtshaus nicht unbedingt etwas für jede Frau. "Wir sprechen eine andere Klientel an, es geht vor allem um Eigenverantwortlichkeit." Wer sich das aber gut vorstellen kann, für den ist das Geburtshaus vielleicht das Richtige.

dpa


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