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Familie

Kleine Nein-Sager wollen in Entscheidungen einbezogen werden

Warum will mein Kind nicht mit in den Zoo oder zu Oma? Erteilen Kinder wohlgemeinten Ausflugszielen oder Beschäftigungen eine Absage, werten das Eltern häufig als Widerstand und reagieren verärgert.

Hamburg. Zu unrecht, wie der Hamburger Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge meint. "Ein 'Nein' zu Aktivitäten bedeutet: 'Ich mach' es ja schon. Gib mir Zeit, mich auf den Vorschlag einzulassen'", stellt der Experte klar. "Es ist ein Signal an die Eltern, dass das Kind nicht nur funktioniert, wenn Mutter oder Vater das wollen."

Wenn ein Kind Unternehmungen verweigere, weil es gerade spielt und dann herausgerissen wird, sei das nichts Ungewöhnliches. "Es fühlt sich dadurch in seinen Bedürfnissen nicht ernst genommen", sagt der Autor zahlreicher Bücher. "Kinder wollen ein Stück weit darauf vorbereitet werden. Man muss auch ein dreijähriges Kind in ein Vorhaben mit einbeziehen." Sein Hinweis: Eltern sollten nicht über den Kopf ihrer Kinder hinweg über Aktivitäten für sie entscheiden, sondern sie darauf vorbereiten. Andernfalls entstehe ein Machtkampf: "Wenn ihr mich so behandelt, mach' ich nicht mit!"

Bei Geschwistern streichen Ältere dem Experten zufolge mit einem "Nein" häufig auch ihre besondere Position heraus. Dahinter könne ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit stecken, denn durch Verweigerung bekommen sie von den Eltern - wenn auch negativ - Zuwendung. Den Sprössling an einer Entscheidung über Aktivitäten zu beteiligen, heiße aber nicht, ihn auch entscheiden zu lassen. "Das Kind muss in den Ablauf der Entscheidung einbezogen werden, ob etwas gemacht wird, beschließen immer noch die Eltern", betont Rogge.

dapd


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