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Wenn Jugendliche viel Zeit am Computer verbringen, ist das nicht immer gleich problematisch. Wenn aber für das Spielen andere Lebensbereiche eingeschränkt werden, sollten Eltern aufmerksam werden.

Wenn Jugendliche viel Zeit am Computer verbringen, ist das nicht immer gleich problematisch. Wenn aber für das Spielen andere Lebensbereiche eingeschränkt werden, sollten Eltern aufmerksam werden. © Caroline Seidel

Familie

Surfen nonstop: Jugendliche vor dem PC

Es ist es ganz normal, dass Jugendliche viel Zeit am Computer verbringen. Eltern machen sich aber oft Sorgen, wenn der Rechner den Alltag bestimmt. Wie viel ist dann doch zu viel?

Mainz. Für viele Jugendliche gehört es zum Alltag, viel Zeit am Computer oder Tablet zu verbringen. Das allein ist erst einmal kein Anlass zu Sorge. Für Eltern ist es aber schwierig zu beurteilen: Ab wann verbringt mein Kind zu viel Zeit vor dem PC?

Und ist es nicht mehr nur ein Hobby, sondern schon eine Sucht? Die wichtigsten Tipps im Überblick:

Vorbeugen: Um einer Internetsucht vorzubeugen, lautet die goldene Regel: "Breit aufgestellt sein", sagt Michael Dreier von der Universität Mainz. Dort gibt es die Ambulanz für Spielsucht, die sich auch mit Internetsucht bei Jugendlichen beschäftigt. Das bedeutet: Das Kind sollte nicht nur ein Hobby haben, sondern braucht vielfältige Interessen. So ist auch die Wahrscheinlichkeit geringer, dass das Internet als einziger Bewältigungsmechanismus etwa bei Stress oder Langeweile dient.

Warnhinweise erkennen: Nur weil der Jugendliche viel Zeit im Netz oder bei Computerspielen verbringt, ist das nicht gleich ein Problem. Aufmerksam werden sollten Eltern aber, wenn ihr Kind gereizt oder unruhig wird, wenn es keinen Zugriff auf den PC hat. Oder wenn es gedanklich stark von dem Computerspiel eingenommen ist, erklärt Dreier. Schwierig wird es auch, wenn andere Lebensbereiche für die Zeit am PC eingeschränkt werden - und der Jugendliche negative Konsequenzen hinnimmt. Das wäre der Fall, wenn das Lernen für die nächste Klassenarbeit dem Computerspiel zum Opfer fällt, obwohl so vielleicht sogar die Versetzung in Gefahr gerät.

Miteinander sprechen: Wichtig ist, sachlich zu kommunizieren, nicht emotionsgeladen. Statt vorwurfsvolle Sätze anzufangen mit "Du machst" oder "Du bist", ist es besser, Wünsche und Ideen zu formulieren, rät Dreier. Gut ist auch, Fragen zu stellen - etwa, wenn die Eltern Zusammenhänge entdeckt haben: Vielleicht hat die Zeit vor dem PC stark zugenommen, gleichzeitig sind die Noten schlechter geworden, oder das Kind hat sich aus dem Sportverein abgemeldet. Dann fragen sie: "Wie kam es dazu?" Eventuell lassen sie sich auch einmal zeigen, womit der Jugendliche seine Zeit am PC verbringt, um es besser zu verstehen.

Zeiten begrenzen: Außerdem können Eltern gemeinsam mit dem Jugendlichen Verhaltensregeln formulieren, an die sich die ganze Familie hält. Etwa, dass die gemeinsamen Essenszeiten eingehalten werden. Und dass dabei das Smartphone vom Tisch bleibt. Außerdem können die Zeiten vor dem PC begrenzt werden. Gleichzeitig ist aber wichtig zu überlegen: "Was kann eine lohnenswerte Alternative sein?" Vielleicht macht es Spaß, wenn die Familie gemeinsam Bouldern geht. Oder der Jugendliche bekommt ein paar Euro extra Taschengeld, um gemeinsam mit den Freunden klettern zu gehen oder sich im Café zu treffen, schlägt Dreier vor.

Nutzungsvertrag schließen:Klappen diese ersten Absprachen nicht, macht es Sinn, einen schriftlichen Nutzungsvertrag miteinander zu schließen. Darin wird festgehalten, was die Familie gemeinsam erreichen will - und auch, welche Unterstützung der Jugendliche im Gegenzug von den Eltern braucht. Auch eine technische Begrenzung lässt sich in dem Vertrag regeln: Die Eltern können zum Beispiel mit dem Jugendlichen vereinbaren, dass der Router um Mitternacht ausgestellt wird.

Professionelle Hilfe nutzen: Sind sich Eltern unsicher, können sie immer auch Unterstützung vom Profi anfragen. Bei der Ambulanz für Spielsucht der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz etwa gibt es kostenlose und anonyme Beratung für Betroffene und Angehörige (Tel.: 06131/17 60 64).

dpa


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