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Sportmediziner stellen fest: Viele Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Ihnen hilft nur mehr Bewegung.

Sportmediziner stellen fest: Viele Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Ihnen hilft nur mehr Bewegung. © Waltraud Grubitzsch

Familie

Sportmediziner in Sorge: Viele Kinder sind übergewichtig

Sportmediziner schlagen Alarm. Aufgrund von Bewegungsmangel seien zu viele Kinder übergewichtig. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die motorischen Fähigkeiten nachlassen, sagt die Sportwissenschaftlerin Christine Graf von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Köln. "Dicke haben schon im ersten Schuljahr schlechtere motorische Fähigkeiten als normal- oder untergewichtige Kinder." In den Folgejahren gehe die Schere weiter auseinander. Ein Beispiel für die Folgen von Dicksein: "Das übergewichtige Kind geht nicht auf den Fußballplatz, oder es geht nur ins Tor", sagt die Professorin für Sportmedizin.

90 Minuten Bewegung am Tag fordert die Medizinerin für Kinder. "Das ist notwendig, um gesund alt zu werden." In den 90 Minuten müsse sich das Kind zumindest etwas aus der Puste kommen und ein bisschen schwitzen. 30 der 90 Minuten müssen intensiv sein.

Die Medizinerin richtet Forderungen an Eltern und Politiker, um die Bewegungsziele zu erreichen. Kommunalpolitiker müssten die Rahmenbedingungen bieten, dass Kinder in der Freizeit Sport treiben können. Eine Mitgliedschaft im Verein bedeute aber nicht, dass sich Kinder auch ausreichend bewegen. Die Qualität der Angebote spiele eine große Rolle. Für Vereine werde es wegen der schulischen Ganztagsbetreuung allerdings schwieriger, ausreichend Hallenzeiten zu bekommen.

Ferner fordert die Sportexpertin den Ausbau anderer Freizeitangebote, wie Schwimmbäder, Skaterparks oder Radwege. In teure Kunstrasenplätze für Einzelsportarten mit hohem Leistungsgedanken zu investieren, sei der falsche Weg.

Hilfen brauchen auch bildungsschwächere Familien. Es sei nicht in erster Linie eine Geldfrage. Es müsse an der Einstellung gearbeitet werden, um Kinder zum Sport zu ermuntern. Die Verantwortung Kita, Schule und Verein zu überlassen, reiche nicht. Sie müssen selbst mitmachen.

Für Eltern ist es jedoch nicht immer einfach, Kinder vom Fernseher oder Computer wegzulocken. Diese fünf Tipps können helfen, dem Nachwuchs mehr Bewegung zu verschaffen:

 

Beim Kinderturnen anmelden: Auch wenn das Kind nicht danach fragt, sollten Eltern es mal mit Kinderturnen im örtlichen Sportverein probieren. "Kinder haben ja keine Vorstellung davon, was in so einer Stunde passiert", erklärt Hartmann. Also: "Hingehen, mitmachen, ausprobieren lassen." Wenn es gut läuft, findet der bewegungsmuffelige Nachwuchs Spaß am Kriechen, Klettern oder Balancieren - und will wiederkommen.

 

 

Spaziergänge aufpeppen: Wichtig ist es, Bewegung in den Alltag der Familie einzubauen. Den Spaziergang können Eltern zum Beispiel mit einem kurzen Wettlauf oder Fangspiel verbinden, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei Regenwetter lassen sich Pfützenwanderungen unternehmen. Und ältere Kinder finden vielleicht Spaß am gemeinsamen Radfahren, Joggen, Skaten, Klettern oder Schwimmen.

 

 

Schulwege aktiv gestalten: Statt bei den ersten Regentropfen das Kind mit dem Auto zur Schule zu bringen, sollten Eltern darauf achten, dass der Nachwuchs ihn möglichst aktiv gestaltet. Fahren Sohn oder Tochter selbst mit dem Fahrrad zur Schule, sind sie häufig bei Unterrichtsbeginn auch viel fitter, als wenn sie mit dem Auto kommen, sagt Prof. Christine Graf, Sportmedizinerin an der Deutschen Sporthochschule Köln.

 

 

Eigenen Sport mit Kind machen: Damit Kinder sich von kleinauf für Sport begeistern, heißt es, Vorbild sein. Gehen Mama und Papa joggen, kann der Nachwuchs mitkommen und zum Beispiel mit dem Fahrrad nebenherfahren. Das fördert die sportliche Lust.

 

 

Am Wochenende nach draußen: Am Sonntag als Familie gemeinsam rauszugehen, ist eine gute Möglichkeit, Kindern mehr Bewegung zu verschaffen - statt bloß vor dem Fernseher zu chillen. Technik muss dabei nicht tabu sein: Eine Möglichkeit ist etwa, gemeinsam Geocaching zu spielen, sagt Prof. Christine Graf. Dabei suchen die Spieler mit Hilfe von GPS und Smartphone einen Schatz.

dpa


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