Navigation:
Manchmal ist es nur ein Blick - doch mit eindeutigem Signal: Sexismus im Alltag hat viele Gesichter.

Manchmal ist es nur ein Blick - doch mit eindeutigem Signal: Sexismus im Alltag hat viele Gesichter. © Franziska Gabbert

Familie

Sexismus im Alltag: Wie Betroffene damit umgehen können

Omnipräsent und doch irgendwie schwer greifbar: Sexismus im Alltag hält längst überholte Rollenbilder aufrecht. Betroffene fühlen sich oft hilflos. Denn was kann man tun gegen etwas, für das man gar nichts kann?

Berlin. Manchmal ist es der lüsterne Blick eines Fremden in der Bahn. Ein anderes Mal der abwertende Kommentar eines Kollegen. Alltagssexismus betrifft Frauen in jeder Lebenssituation.

Doch viele sind sich gar nicht sicher: War das jetzt sexistisch - oder übertreibe ich? Und sollen Betroffene auf so etwas reagieren - und wenn ja, wie? Wichtige Fragen und Antworten zum Thema:

Was ist Alltagssexismus?

Alltagssexismus zu beschreiben, ist schwierig. "Es ist oftmals eine situative Wahrnehmung", erklärt Maja Wegener von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Das könne genauso der unpassende Herrenwitz, die frauenverachtende Werbung wie auch der Griff an den Po sein. "Es geht um die Aufrechterhaltung von Rollenbildern - die Betonung der fehlenden Gleichberechtigung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts." Sexismus im Alltag ist subtil - und oft ist die Grenze zur sexuellen Belästigung, die strafrechtlich verfolgt werden kann, nicht überschritten.

Warum ist es wichtig, dafür ein Bewusstsein zu schaffen?

Wegener betont, dass es immer wichtig sei, die Frage zu stellen: Was macht das mit einer Gesellschaft? "Wenn Frauen nur als passive Objekte wahrgenommen werden, werden sie auch keine Entscheider im Job", betont Wegener. "Sexismus im Alltag ist Unterdrückung."

Was können betroffene Frauen tun?

Zu allererst gilt: Die Verantwortung liegt nicht bei den Opfern, sondern bei den Tätern. "Ein kurzer Rock ist keine Einladung zum Grapschen oder Starren", betont Wegener. Sie rät Betroffenen aber: "Ganz klar ansprechen." Doch da ist häufig auch die Angst, nicht ernstgenommen zu werden - dass das Gegenüber es abtut. Dennoch sei es wichtig, zu sagen: "Ich möchte das nicht." Es gehe darum, aktiv zu werden und die Fäden in die Hand zu nehmen, um sich so gegen tradierte Rollenbilder zu wehren. Doch das ist nicht immer einfach - und auch nicht immer möglich.

"In einem angesehenen Unternehmen wird man auf so einen Vorwurf sicher zumindest offiziell sehr sensibel reagieren und sich bemühen", sagt Wegener. Doch dem Fremden in der Bahn sagen, dass seine Hand dort nicht hingehört? "Das ist eine Frage der Situation und der Einschätzung der Gewaltgefahr", sagt Wegener. Aber es kann helfen, andere in die Situation einzubeziehen. Und im privaten Umfeld sind Freunde eventuell über den Hinweis dankbar, dass der Kommentar unpassend war. "Vielleicht haben sie das ganz unreflektiert gesagt und sind einer Diskussion gegenüber offen."

Sind nur Frauen betroffen?

Nein. "Männer kann es genauso treffen", sagt Wegener. Etwa wenn sie nicht einem bestimmten Männerbild entsprechen - dem des starken Machers. Auch Mitglieder der LSBTTIQ-Gemeinschaft, also Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle und Queere können Opfer von Sexismus werden.

dpa


Anzeige
Anzeige