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Nähe, Distanz, eigene Erwartungen: Ältere Menschen können ihre Bedürfnisse häufig klar erkennen und eine neue Beziehung entsprechend gestalten. Foto: Patrick Pleul

Nähe, Distanz, eigene Erwartungen: Ältere Menschen können ihre Bedürfnisse häufig klar erkennen und eine neue Beziehung entsprechend gestalten. Foto: Patrick Pleul

Familie

Neue Liebe im Alter: Erfahrungen nutzen

Im Alter eine neue Beziehung zu beginnen, bedeutet nicht nur Schmetterlinge im Bauch. Bei allem Kribbeln gehört auch dazu, sich auf Herausforderungen einzulassen. Die Lebenserfahrungen kann dabei helfen.

Hannover. Sich neu verlieben, eine enge Beziehung beginnen: Dafür ist es nie zu spät. "Der Wunsch nach Liebe, Zärtlichkeit und Sexualität hat kein biologisches Verfallsdatum", sagt Axel Kreutzmann vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Das Bedürfnis nach körperlicher Nähe wird eher Jüngeren zugeschrieben - zu Unrecht: "Mehr Falten bedeuten nicht, dass das Bedürfnis nach Zärtlichkeit abnimmt, denn der Wunsch einem anderen Menschen nah zu sein, besteht bis ins hohe Alter."

Auf welche Weise sich ältere Menschen auf eine neue Beziehung einlassen, hängt vor allem von der partnerschaftlichen Biografie ab, erklärt Frieder Lang, Professor für Psychogerontologie an der Universität Nürnberg. "Die Erfahrungen aus vorherigen Partnerschaften sind prägend, wenn es um eine neue Beziehung geht." Manche Menschen hatten ihr Leben lang wechselnde Beziehungen, andere sind schon lange alleinstehend, wieder andere sind nach langer Ehe verwitwet.

Ob und wann man nach dem Tod des Ehepartners eine neue Partnerschaft eingeht, dafür gibt es keine Regeln, meint Lang. "Manche Menschen fühlen sich nach dem Tod des Ehepartners weiterhin als Teil einer Ehe und wollen danach keine neue Beziehung mehr eingehen. Das ist ein Lebensgefühl, das Respekt verdient." Andere haben nach der langjährigen Pflege eines kranken Partners gerade das Bedürfnis, eine neue Beziehung einzugehen, die nicht durch das Zusammenleben und die Pflege eines anderen geprägt wird. "Manchmal glauben Menschen, gegen gesellschaftliche Normen zu verstoßen, wenn sie eine neue Partnerschaft eingehen." Man sollte auf die eigenen Wünsche achten. "Es kann etwas Positives sein, sich im Alter umzuorientieren und eine neue Form der Partnerschaft auszuprobieren."

Von ihrem Erfahrungsschatz aus früheren Beziehungen können Ältere profitieren, meint Kreutzmann. Wie viel Nähe und Distanz man sich in der Beziehung wünscht, was man vom Partner erwartet und welche Fehler man auf keinen Fall wiederholen möchte: Ältere Menschen sind häufig in der Lage, ihre Bedürfnisse klar zu erkennen und eine neue Beziehung nach ihnen zu gestalten. "Älter werden kann richtig Spaß machen -entscheidend ist die eigene Lebenseinstellung."

Hohe Erwartungen machen die Suche nach einem neuen Partner im Alter manchmal schwierig, erklärt Buchautorin Dorothee Döring. Außerdem werden Gelegenheiten, bei denen man neue Kontakte knüpft, seltener: "Die Möglichkeiten, jemanden kennenzulernen, werden weniger, weil es viele Menschen abschreckt, Dinge allein zu unternehmen." Wer seinen Alltag aktiv gestaltet, hat es leichter: "Ideal ist es natürlich, wenn man über das eigene Hobby jemanden kennenlernt." Wer einen Kurs an der Volkshochschule besucht, sich einer Wander- oder Radfahrgruppe anschließt oder in einen Chor eintritt, trifft vielleicht auf jemanden, mit dem er mehr teilen möchte als das Hobby.

Doch nicht immer ergibt sich eine neue Bekanntschaft per Zufall. Außerdem ist nicht jeder Mensch im Alter so mobil, einem Hobby außerhalb der eigenen vier Wände nachzugehen zu können. Dann ist eine Kontaktanzeige oder die Suche über eine Partnerbörse im Internet hilfreich, empfiehlt Döring. Ob per Zufall oder durch gezielte Suche: Wer einen neuen Partner gefunden hat, muss sich darauf einlassen, einen Teil seiner Freiheiten aufzugeben: "Eine Partnerschaft bedeutet, Kompromisse einzugehen - das gilt für jedes Alter."

Auch für die Familie kann die neue Liebe eines Eltern- oder Großelternteils eine Umstellung sein, meint Döring. "Viele Kinder und Enkelkinder reagieren erstmal skeptisch, wenn die Eltern beziehungsweise Großeltern einen neuen Partner mit in die Familie bringen." Häufig besteht die Befürchtung, dass sich an der Familienkonstellation etwas ändert oder die Person weniger Zeit hat. Auf diese Zweifel sollten Senioren selbstbewusst reagieren, rät Döring. "Kinder und Enkelkinder gehen ihre eigenen Wege - das sollten Senioren auch für sich beanspruchen." Am besten erklärt man der Familie ganz offen, dass man in der neuen Beziehung glücklicher ist, und bittet die Familie, den Partner zu respektieren.

Auch wenn es eine Herausforderung ist: Sich auf eine neue Liebe einzulassen, kann sich lohnen. Denn eine neue Beziehung prägt die Lebensqualität im Alter neben Freundschaften und Familie entscheidend mit, erklärt Lang: "Neue Kontakte, Offenheit und der Austausch mit anderen Menschen sind ein Lebenselixier - in jedem Lebensalter".

dpa


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