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Frank Spaeing ist Sprecher der Initiative «Datenschutz geht zur Schule» des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands.

Frank Spaeing ist Sprecher der Initiative «Datenschutz geht zur Schule» des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands. © S. Gersema; Versmold

Familie

Katzenfotos und andere Katastrophen - Eltern bei Facebook

Als auf Lottas* Computerbildschirm die Nachricht "Abendessen ist fertig" aufpoppte, wunderte sie sich schon sehr. Die Facebook-Nachricht war von ihrer Mutter, nur wenige Meter entfernt in der Küche.

Chemnitz. "Ich dachte nur: "Hä, wir sind im gleichen Gebäude"", erzählt die 17-Jährige aus Chemnitz. "Sie hätte mich auch einfach rufen können." Ihre Mutter hatte sich gerade bei Facebook angemeldet - sehr zu Lottas Missfallen. "Es war wie ein Einbruch in meine persönliche Welt", sagt Lotta.

Auch Kathrin Demmler vom JFF - Institut für Medienpädagogik in München beobachtet, dass Jugendliche Raum für sich möchten.

Facebookist so ein Raum - eine Welt, in der Jugendliche mit ihren Freunden kommunizieren und Eltern erstmal keinen Platz haben. "Jugendliche würden ja auch nicht mit ihren Eltern ins Jugendzentrum gehen", sagt Demmler.

 

Wenn die Eltern das Medium zum Ausspionieren nutzen, schränkt das die Jugendlichen stark ein, findet Kristin Langer von

"Schau hin". Die bundesweite Initiative gibt Tipps zum Umgang mit Medien. Jugendliche sollten das ansprechen, aber auch überlegen, was die Ursachen dafür sind. Denn gerade in der Pubertät sind viele nicht besonders mitteilungsbedürftig. Die Eltern sorgen sich dann, was ihr Kind so treibt. "Wenn Jugendliche es schaffen, auch mal über ihren Schatten zu springen und von sich aus drei Sätze über die Schule sagen, reicht das oft schon", rät Langer.

 

Wenn Jugendliche sich mit den Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook auskennen, kann das nur von Vorteil sein. Denn mit ihnen können sie festlegen, wer ihre Online-Aktivitäten sehen kann und wer nicht. "Sie sollten ihre Facebookfreunde in verschiedene Gruppen unterteilen", rät Frank Spaeing, Sprecher der Initiative "Datenschutz geht zur Schule" des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands. "Eine Gruppe kann dann für die Eltern sein."

Doch manchmal nerven die Eltern auch mit Fotos oder Statusupdates, die sie auf Facebook verbreiten. Lottas Mutter hatte lange Zeit ein Katzenfoto als Profilbild. Das war der Jugendlichen unangenehm. Manche Eltern kommen gar auf die Idee, Fotos von ihren Kindern auf Facebook zu teilen. "Manchmal ist es nur gut gemeint", sagt Langer von "Schau hin". "Doch wenn die Mutter zum Geburtstag ein altes Kinderfoto postet, um zu gratulieren, ist das vielen peinlich."

Es kann auch peinlich sein, wenn die Eltern Posts der Jugendlichen kommentieren oder private Unterhaltungen auf der Pinnwand führen. "Manche Themen gehen nur die Familie etwas an", sagt Langer. Oft wissen die Eltern gar nicht, wie man die soziale Plattform richtig bedient. Sie verstehen nicht, wann eine Konversation privat und wann sie für alle sichtbar ist. Und dann landet die Frage "Brauchst du noch neue Fußpilzcreme aus der Apotheke?" nicht im privaten Nachrichtenpostfach, sondern auf der öffentlichen Pinnwand.

Lotta hat sich inzwischen damit arrangiert, dass ihre Mutter bei Facebook ist. Zwischenzeitlich hatte sie ihr die Freundschaft gekündigt, weil sie so genervt war. "Sie hat immer irgendwelche komischen Dinge geteilt", erzählt sie. Doch als ihre Mutter sie darauf angesprochen hat, ist Lotta zurückgerudert. "Ich hab so getan, als wüsste ich auch nicht, warum wir nicht mehr befreundet sind." Heute führen Lotta und ihre Mutter eine friedliche Koexistenz bei Facebook. Allerdings werden Lotta die Posts ihrer Mutter nicht mehr angezeigt. "Ich hab ihr Profil auf den Ingnoriermodus gestellt."

* Der Name der Protagonistin ist der Redaktion bekannt. Er wurde aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

dpa


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