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Lionel, Kisha und Nadia (l-r) schneiden im Gartenclub in Köln-Bickendorf Topinambur. Das Projekt soll Stadtkinder mit der Natur vertrauter machen.

Lionel, Kisha und Nadia (l-r) schneiden im Gartenclub in Köln-Bickendorf Topinambur. Das Projekt soll Stadtkinder mit der Natur vertrauter machen. © Henning Kaiser

Familie

Im Gartenclub entdecken Stadt-Kinder die Natur

Wie pflanzt man Tulpen, wie macht man Meisenknödel und was ist Topinambur? Im Gartenclub können Kinder Natur hautnah erleben. Doch bei dem bundesweit einzigartigen Projekt geht es auch um Teamgeist und Verantwortung.

Köln. Eifrig buddeln Lionel und Sean-Paul mit ihren Schüppchen im Beet. Schließlich zieht Sean-Paul eine kleine Knolle Topinambur aus der Erde, klopft sie vorsichtig ab. "Guckt mal, ich hab welche", ruft der Siebenjährige stolz.

Jede Woche treffen sich Kinder im

Gartenclub in Köln-Bickendorf, um dort unter Anleitung von Naturpädagogen zu gärtnern und zu spielen. Das Projekt der Immobiliengesellschaft GAG und des Vereins Querwaldein soll Kinder vor allem in strukturschwächeren Stadtvierteln mit der Natur vertrauter machen.

Lionel und Sean-Paul kommen fast zu jedem der Treffen, die das ganze Jahr über stattfinden, bei Wind und Wetter. Denn irgendwas gibt es im Garten immer zu tun: Pflanzen, säen, harken, ernten - je nach Jahreszeit. Auch Spielen, Basteln und Kochen gehören dazu: In dem kleinen umzäunten Gartenstück stehen eine Spüle und Kochplatten, die vom Nachbarhaus mit Strom versorgt werden. "Was wir hier anbauen, essen wir nach der Ernte auch zusammen", erklärt Peter Samonig von Querwaldein. Mal gibt es Gemüsesuppe, mal Rohkost, und auch der Tee stammt aus eigener Kräuterzucht.

"Viele Stadt-Kinder halten sich kaum draußen auf", sagt Naturpädagoge Rainer Curdt von Querwaldein. "Manche Kinder, die zu unseren Treffen kommen, wissen nicht einmal, was Brennnesseln sind, oder haben noch nie bewusst frisches Gemüse gegessen. Indem sie hier selbst erleben, wie etwas wächst und gedeiht, können sie vor der Haustür die Natur entdecken."

Mindestens genauso wichtig seien aber soziale Aspekte. "Die Kinder lernen im Team zu arbeiten und sich an Regeln zu halten", erklärt Samonig. "Wenn sie sich um die Pflanzen kümmern oder das Essen zubereiten, übernehmen sie Verantwortung."

Lionel freut sich immer am meisten auf die Spiele. Aber jetzt steht der Sechsjährige am Tisch und schneidet zusammen mit Kisha und Nadia den Topinambur in dünne Scheiben - schließlich sollen später alle davon kosten. Ein paar andere Kinder formen derweil mit Hilfe von Rainer Curdt Meisenknödel aus Fett und Vogelfutter.

Vor fünf Jahren startete die GAG mit dem ersten Gartenclub im Kölner Stadtteil Chorweiler. Die Resonanz war so groß, dass nach und nach immer mehr Clubs dazu kamen - inzwischen sind es zehn. Das mehrfach ausgezeichnete Projekt sei bundesweit einzigartig, sagt Patricia Hoepp vom GAG-Sozialmanagement. "Es ist ein sehr niedrigschwelliges Angebot. Denn es kostet nichts, man kann einfach kommen und mitmachen." 

Manchmal seien 30 bis 40 Kinder - die meisten zwischen sechs und zwölf Jahre alt - bei einem Treffen. Und auch für Erwachsene seien die Clubs ein Anlaufpunkt.

Im Bickendorfer Garten gibt es auch ein "Erwachsenenbeet", um das sich einige Nachbarn regelmäßig kümmern. Am Zaun stehen ein paar Eltern zusammen und beobachten ihre Kindern beim Gärtnern, andere schauen aus den Fenstern des Hochhauses herunter und winken.   

"Wann gibt es denn das Essen? Langsam hab ich Hunger", ruft Sean-Paul. "Ich auch", stimmt Lionel zu. "Aber danach machen wir noch ein Spiel, oder?"

dpa


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