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Ein WG-Leben kann für junge Menschen sehr befreiend sein. Doch 2014 lebte mehr als jeder Dritte der 25-Jährigen bei seinen Eltern.

Ein WG-Leben kann für junge Menschen sehr befreiend sein. Doch 2014 lebte mehr als jeder Dritte der 25-Jährigen bei seinen Eltern. © Jens Kalaene

Familie

"Hotel Mama" oder Ausziehen: So wohnen junge Leute

Mutti kocht, putzt und wäscht - und behält die Kontrolle: Viele junge Erwachsene in Deutschland ziehen später von Zuhause als noch in den 1970er Jahren. Doch die wahren Nesthocker Europas sitzen woanders.

Leipzig. In der Pubertät ist der Einzug in die eigenen vier Wände der Traum vieler Jugendlicher. Doch die eigene Wohnung bringt nicht nur Freiheiten mit sich, sondern auch Kosten und Arbeit.

In Leipzig können sich junge Auschecker aus dem "Hotel Mama" in einer Wohnschule coachen lassen. Ein paar Fakten zur Wohnsituation junger Erwachsener:

Ziehen Jugendliche heute eher aus als früher?

Ein Zeitvergleich zeigt, dass Kinder heute länger im Elternhaus wohnen bleiben als noch vor rund 40 Jahren. 1972 lebte jeder Fünfte der 25-Jährigen im früheren Bundesgebiet (einschließlich Berlin-West) bei den Eltern, 2014 war es noch mehr als jeder Dritte in diesem Alter. Grund dürfte die längere Ausbildungszeit heutzutage sein. Für die neuen Bundesländer lagen keine Angaben vor.

Wer zieht schneller aus - Tochter oder Sohn?

Junge Frauen verlassen das Elternhaus früher als ihre männlichen Altersgenossen. Mit 25 Jahren wohnte im vergangenen Jahr nur jede fünfte (20 Prozent) junge Frau in Deutschland noch bei den Eltern, bei den Männern waren es 36 Prozent. Mit 30 Jahren lebte nur noch ein kleiner Anteil von fünf Prozent der Frauen bei den Eltern, aber 12 Prozent der Männer. Der Trend der eher flügge werdenden Frauen lässt sich auch europaweit beobachten.

Was sind die Gründe dafür?

Das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) vermutet dahinter die Tatsache, dass junge Frauen schon früher in einer festen Beziehung leben als Männer.

Wo sitzen die Nesthocker Europas?

In Slowenien, Mazedonien, Kroatien, Serbien und Italien. Diese Länder hatten 2013 einen bis zu vier Mal höheren Anteil an Nesthockern im Alter von 18 bis 34 Jahren als Länder im Norden Europas: In Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden lebten nur noch rund 20 Prozent der jungen Erwachsenen zu Hause.

Warum gibt es zwischen Nord und Süd so große Unterschiede?

Das hat wohl überwiegend materielle Gründe: 13 Prozent der jungen Erwachsenen in der EU ziehen nicht von Zuhause aus, weil sie fürchten zu verarmen. Eurostat weist außerdem darauf hin, dass einige Länder bessere Möglichkeiten für junge Erwachsene bieten, die bezahlbaren Wohnraum suchen. Auch kulturelle Aspekte wie der Wunsch nach einer engen Familienanbindung in südlichen Ländern spielten eine Rolle.

dpa


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