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Das Badezimmer im Lebensphasenhaus ist behindertengerecht ausgestattet.

Das Badezimmer im Lebensphasenhaus ist behindertengerecht ausgestattet. © Wolfram Kastl

Familie

Dank High-Tech: Eigenständig Wohnen in allen Lebensphasen

Auf den ersten Blick wirkt das "LebensPhasenHaus" in Tübingen wie das Traumhaus einer jungen Familie mit Kindern: Komfortabel mit Betten, die sich durch einen Klick zu Sofas verwandeln, geräumig und technisch auf dem allerneusten Stand.

Tübingen. Doch das zweistöckige Domizil mit Gartenanlage ist speziell für die Großeltern entworfen worden. Die High-Tech-Geräte sollen alleinlebenden Senioren mehr Eigenständigkeit und Sicherheit ermöglichen, vor allem, wenn sie auf Pflege angewiesen sind.

Forscher der

Universität Tübingen haben Studien zu der Frage durchgeführt, wie man das Leben im Alter durch technische Konzepte und Hilfsmittel erleichtern kann. Viele ihrer Ideen sind nun in einem einzigen Haus verwirklicht worden - unterstützt von Unternehmen aus der Region.

 

Sicherheit spielt dabei eine genauso große Rolle wie Komfort: Zwischen Schlafzimmer und Bad leuchten LED-Spuren den Weg aus, der Zugang zu Dusche und Badewanne ist für Rollstuhlfahrer vereinfacht und die Arbeitsflächen in der Küche sind höhenverstellbar. Wenn es an der Haustür klingelt, erscheint sofort ein Videobild des Besuchs auf dem Tablet-Computer, von dem sich die ganze Elektronik im Haus steuern lässt.

Rund neun Monate nach dem Spatenstich erklärte Sozialministerin Katrin Altpeter das "LebensPhasenHaus" für eröffnet. Die Sozialdemokratin verspricht sich von dem Projekt positive Impulse für Pflege, Wissenschaft und Wirtschaft im Land. Das technische Konzept dahinter ist nicht neu. In anderen europäischen Ländern sei man da schon viel weiter, erklärt der Geschäftsführer des Küchenherstellers Tielsa. Vor allem in den skandinavischen Ländern seien bereits Tausende soziale Einrichtungungen und Wohnungen mit der Technik ausgerüstet.

Altersgerechte Assistenzsysteme (Ambient Assisted Living) stoßen auch bei deutschen Unternehmen auf Interesse: Einige ihrer Mitglieder-Firmen setzen schon länger auf die Hilfstechnik im Haus, erzählt eine Sprecherin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) mit Sitz in Berlin. "Wir unterstützen die Anwendung der Systeme - es ist aber für alle Beteiligten eine Kostenfrage."

Ein großes Manko für die Alltagstauglichkeit der Systeme ist nämlich der Preis: Mehr als eine halbe Million Euro kostet das High-Tech-Haus in Tübingen. Trotzdem gebe es viele, mitunter sehr günstige Verbessungen, die eine rasche Steigerung der Lebensqualität von Senioren und Pflegebedürftigen bedeuten könne, sagt Udo Weimar, der Professor für Physikalische Chemie und im "LebensPhasenHaus" für die Sensoren verantwortlich ist. Das Projekt müsse aber zunächst einmal ausgeweitet werden. Dafür seien weitere Modellhäuser, wie das in Tübingen, geplant.

Das "LebensPhasenHaus" wird vom Land Baden-Württemberg für die Dauer von drei Jahren bis Ende Oktober 2016 mit 550 000 Euro unterstützt. Es soll jedoch mindestens zehn Jahre lang genutzt werden, also auch nach dem Auslaufen der Landesförderung.

dpa


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