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Die Kleinen sitzen beim Familienessen mit am Tisch und dürfen sich die Beikost zur Milch selbst aussuchen. Das Ganze bezeichnet man als Baby-Led Weaning.

Die Kleinen sitzen beim Familienessen mit am Tisch und dürfen sich die Beikost zur Milch selbst aussuchen. Das Ganze bezeichnet man als Baby-Led Weaning. © Silvia Marks

Familie

Baby-Led Weaning: Wenn Babys ihr Essen selbst aussuchen

Kein Füttern, kein Brei: Das Kleinkind sitzt mit seiner Familie am Tisch und wählt selbst, was es gerne essen möchte. Vielleicht darf es ein Gemüsestückchen oder etwas Fisch sein? Dazu wird das Baby gestillt oder bekommt ein Fläschchen mit Milch.

Berlin. Anke Krämer hat vor rund sieben Jahren nach der Geburt ihres ersten Kindes in einer Zeitung von der Methode gelesen.

Baby-Led Weaningstammt aus Großbritannien - demnach bekommen Babys keinen Brei, sondern nehmen quasi an den Mahlzeiten der Familie teil. Baby-Led Weaning (BLW) bedeutet übersetzt etwa: "vom Baby geführtes Entwöhnen".

 

"Ich fand das total spannend, zumal ich bei Freunden und Bekannten schon erlebt habe, wie ungern manche Babys Brei essen", erzählt Krämer. Erst bot sie ihrem Sohn Milo Gurkensticks und Kohlrabi an. Es folgen Reiswaffeln, später Kartoffeln, Brot, gedünstetes Gemüse, Nudeln. "Es war beeindruckend, mit welcher Freude mein Kind am Tisch saß und sich durch die Lebensmittel probierte."

Baby-Led Weaning ist keine neue Erfindung. Seit Jahrtausenden geben Eltern ihren Babys kleine Häppchen zu essen. "Die meisten Kinder sind mit ungefähr sechs Monaten reif für Beikost", sagt

Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband. Baby-Led Weaning fördere die individuelle Entwicklung des Kindes: "Das Baby wird dabei nach Bedarf gestillt oder mit dem Fläschchen gefüttert. Und die Fingerfood-Häppchen sind eine spielerische Beigabe, die nach und nach immer mehr Raum einnehmen."

 

Von Gartzen erklärt, wie das konkret funktioniert: "Das Baby sitzt bei den Mahlzeiten mit am Familientisch und bekommt Lebensmittel in handlichen Stücken angeboten." Erst sind das vor allem weiche Sachen wie gekochte Gemüsestückchen, Brot, gedünstete Apfelschnitze oder klein geschnittener, grätenfreier Fisch.

Die kleinen Fingerfood-Häppchen und Essens-Spielereien machen Babys aber (noch) nicht satt. Das Kind wird weiter nach Bedarf mit Muttermilch oder Milch-Fläschchen gefüttert. Nicht alle Experten sind davon komplett überzeugt.

Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks

"Gesund ins Leben", einer Initiative des Bundesernährungsministeriums, rät zum Brei. "Das Risiko eines Nährstoffmangels kann durch diese Form der Ernährung nicht ausgeschlossen werden", sagt sie. Stillen oder Fläschchen allein decke den Bedarf beim Kind oft nicht. Die Beikost hingegen sei genau berechnet und sicher in Bezug auf die Nährstoffversorgung, meint Flothkötter.

 

BLW hingegen sei noch nicht wissenschaftlich untersucht. Das Risiko, dass die Kinder zu wenige Nährstoffe aufnehmen, sei deshalb zu groß. Für Eltern sei es kaum nachvollziehbar, welche Mengen ihr Kind durch diese Methode nun tatsächlich gegessen hat. Die Expertin sieht in der Fingerfood-Methode daher eher eine Ergänzung: "Man kann dem Kind Brei oder auch zerkleinertes Familienessen geben und ihm dann trotzdem noch Lebensmittel zum Selberessen anbieten." Es hat viele Vorteile für Kinder, sich selbst auszuprobieren. Das fördert das spielerische Entdecken der Geschmacksvielfalt.

Die Angst, dass sich Babys an den Häppchen verschlucken, sei unbegründet, sagt von Gartzen. Ausnahmen sind Nüsse, Kirschen oder ganze Weintrauben: "Solche Lebensmittel sind gefährlich und gehören nicht in Babyhände", mahnt die Expertin. Zudem sollten Eltern die Babys beim Essen niemals unbeaufsichtigt lassen.

dpa


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