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Designmöbel in extraextraschwer: Betonmöbel

Designmöbel in extraextraschwer: Betonmöbel© Designmöbel in extra-extraschwer: Betonmöbel

Designmöbel

Beton: Möbel für Individualisten

Neue Oberflächentechniken ermöglichen sogar Fotos und Leuchten / Statiker gefragt

Möbel in XXS, in extraextra-schwer, das ist etwas für entschlussfreudige Individualisten. Einfach mal eben an die Seite schieben geht nicht, wenn ein einfacher Stuhl so viel wiegt wie ein Motorrad – aber eben dessen Motor und Räder nicht hat. Gerade das macht Möbel aus Beton zum aktuellen Trend: Klares Design und absolute Unikate sind der Lohn für die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten und die eingeschränkte Flexibilität.

Das heißt, unflexibel sind die guten Stücke erst nach der Herstellung. Wer noch sein Idealmöbel sucht, kann von den Herstellern fast alles bekommen. Möbel aus Beton? Von ein paar Vorurteilen und Erfahrungen kann und muss man sich bei diesem Thema verabschieden. Schwer ist Beton, auch als Leichtbeton, immer noch – jedenfalls im Vergleich zu den meisten anderen Möbelmaterialien. Darüber hinaus gilt fast nichts mehr: Raue Oberflächen, grobe Kanten von den Verschalungsbrettern oder Waschbeton? Nicht im Möbelbau, der hohen Schule des Sichtbetons. In den vergangenen Jahren haben Betonbauer gelernt, mit geschickt kombinierten Zuschlagstoffen und passend ausgewählten Formen samtweiche und perfekt glatte Oberflächen zu schaffen. In fast jeder gewünschten Farbe. Für eine glatte Innenwand zum Beispiel wird Metall als Verschalung genutzt, für angenehm anzufassende Möbeloberflächen sind Silikonformen üblich.

Der Clou sind Betonflächen, in die Fotos eingearbeitet wurden oder die lichtdurchlässig sind: Lichtleiterfasern in der Betonmasse können inzwischen so vielfältig gestaltet werden, dass die entstehenden Wände nicht nur zur Innenraumbeleuchtung genutzt werden können, sondern eigene Kunstwerke darstellen. Standard und bei den Käufern derzeit am beliebtesten sind dagegen robuste Küchenarbeitsflächen und Sitzmöbel, die mit ihren gerade Flächen relativ einfach herzustellen sind.
Als Anbieter treten überwiegend Designer und Manufakturen auf, die nach Kundenwunsch Einzelstücke herstellen. Kleine Serien sind eher bei Accessoires wie Kerzenständern üblich, die dann auch nach Katalog bestellt werden können. Hohe Anforderungen an die Belastbarkeit werden dabei gleichermaßen an das Konto und die Statik gestellt: Ein einfacher Kerzenständer kann leicht einen dreistelligen Betrag kosten, und beim Gewicht sind 150 Kilogramm pro Quadratmeter Möbelfläche eine gute Faustregel. Für Neubauten ist das meist kein Problem, wer aber den Kauf von größeren Betonmöbeln plant oder sich für den reizvollen Kontrast aus modernem Betondesign und Altbauarchitektur interessiert, sollte besser vorher einen Statiker zu Rate ziehen, rät Thomas Kaczmarek, Geschäftsführer des InformationsZentrums Beton und Sprecher der Deutschen Zement- und Betonindustrie.

Sein Verband präsentiert eine Auswahl an Betonmöbeln und Anbietern auf seiner Homepage und organisiert auch gemeinsame Messeauftritte. „Der Trend hat jetzt eine Dynamik entwickelt, die uns auch angenehm überrascht hat. Auf der Messe Bau in München vor einigen Tagen wurden selbst große und schwere Stücke wie Badewannen den Herstellern direkt vom Stand weggekauft“, berichtet er. Immerhin, eine große Badewanne von etwa 1,2 mal 2 Metern kann rund eine bis 1,5 Tonnen wiegen – ohne Wasser. „Leichter und unproblematischer zu installieren sind natürlich Waschbecken oder Duschen.“ Die neue, ästhetische Variante des Waschbetons.

Von Ralf C. Kohlrausch


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