Schalter to go: Das Haus wird per Smartphone gesteuert.
Das „nächste große Ding“ oder nur etwas für Technik-Freaks? Beim Stichwort „vernetztes Haus“ scheiden sich die Geister. Die Wahrheit liegt – jedenfalls derzeit noch – irgendwo in der Mitte. Das perfekte System, um alle möglichen Abläufe rund ums Haus zu steuern, gibt es bereits. Es heißt IMES@home, regelt von der Heizung über das Licht bis hin zum Kaffeekochen alle nur erdenklichen Tätigkeiten zeit- und bedarfsgenau. Klingt sensationell, hat nur einen entscheidenden Haken: IMES steht für „Ich mache es selbst“.
Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) stellte kürzlich in einem Positionspapier fest, dass intelligente Hausvernetzung zwar ein Zukunftsmarkt sei, aber noch einige Hürden zu überwinden habe. Wichtigste Forderungen des Verbands sind die Vereinheitlichung von Schnittstellen und Datenformate sowie Systeme, die für den Anwender nach dem Prinzip „plug and play“ funktionieren, also: Stecker rein – und los geht’s.
Vernetzte Elektrogeräte
Gerade in Sachen Normierung aber dürfte es noch einige Zeit dauern, bis sich die Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen geeinigt haben – oder sich ein technischer Standard durchgesetzt hat. Was aber nicht heißt, dass es für das intelligente Haus nicht schon jetzt vielversprechende Ansätze gibt. Am weitesten fortgeschritten ist dabei das Energiemanagement, auch „smart metering“ genannt. Das liegt daran, dass die Stromanbieter seit Jahresanfang verpflichtet sind, dem Anwender variable, von der Nutzungslast und Tageszeit abhängige Tarife anzubieten.
Dazu passend stellte Miele eine Waschmaschine und einen Trockner vor, die – mit Kommunikationsmodulen versehen – ihre Arbeit immer dann verrichten, wenn der Strom am günstigsten ist. Wann genau das der Fall ist, muss den Geräten derzeit noch über die Dateneingabe per Hand gesagt werden, in Zukunft soll aber auch das automatisiert erfolgen.
Laufende Aktualisierung ist auch das Stichwort für die ebenfalls von Miele entwickelte Gerätereihe SuperVision. Ob die Waschmaschine fertig ist, die Kühlschranktür offen steht oder wie lange der Geschirrspüler noch braucht: Dies und mehr lässt sich auf einem Display ablesen – nämlich auf dem des Backofens. Damit die Geräte miteinander kommunizieren können, sind sie miteinander verbunden. Wie sinnvoll das ist, darüber lässt sich streiten – der Hersteller weist vor allem auf den Komfortgewinn für ältere Menschen hin.
Es müssen aber nicht gleich die großen (und noch recht teuren) Lösungen sein. Auch mit kleinen Schritten kann man sich auf den langen Weg zum intelligent vernetzten Haus machen. Denk- und machbar ist zum Beispiel ein Sensor am Fenstergriff, der erkennt, wann gelüftet wird, und dann automatisch die Heizung herunterregelt. Gleichzeitig verrät die Anbindung an die Wettervorhersage im Internet dem Heizkessel, was er jetzt und in naher Zukunft zu tun hat.
Solch komplexe Anwendungen sind allerdings meist nur bei einem Neubau realisierbar und erfordern eine Technologie, die Steuerfunktionen und Energieverteilung voneinander trennt. Der sogenannte KNX-Standard erfüllt diese Voraussetzungen und scheint sich bei der Haus-Automation per Kabel als Referenztechnologie durchzusetzen. Dabei lassen sich über Tasten, kleine Terminals oder ganze Server-Systeme diverse Geräte ansteuern – so sie denn KNX-fähig sind. Ob sich ein solcher Aufwand lohnt, muss jeder selbst entscheiden – und im Zweifelsfall zum IMES-System zurückkehren.