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Handwerkermagazin 2011

Handwerk in der Region Hannover

Der richtige Handwerker

Umhören in der Nachbarschaft und nicht zu wenig bezahlen.
Preiswert: Zu einer soliden Kalkulation gehört auch die Bildung von Rücklagen.

Preiswert: Zu einer soliden Kalkulation gehört auch die Bildung von Rücklagen.

© Fotolia.de/Peter Atkins

„Energieeffizienz ist als Thema beim Verbraucher angekommen“, sagt Dietmar Rokahr, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung bei der Handwerkskammer Hannover. Energieeffzienz, das bedeutet vor allem energetische Sanierungen und betrifft damit die verschiedenen Branchen des Bauhandwerks. Die Kombination von immer besseren Produkten, staatlichen Fördermitteln und gleichzeitig steigenden Anforderungen an Neubau und Sanierung machen diesen Themenkomplex zum „Megatrend“, wie Rokahr sagt.

Die Handwerkskammern reagieren darauf mit Ausbildungsangeboten zum Gebäudeenergieberater: Handwerker der verschiedensten Fachrichtungen sollen so in die Lage versetzt werden, den Kunden qualifizierte Sanierungsvorschläge zu machen und die Gebäude dabei ganzheitlich zu betrachten. „Es kommt auf die richtige Reihenfolge der Maßnahmen an“, betont der Wirtschaftsförderer. In der Regel heißt das, erst dämmen, dann die Technik modernisieren. „Wenn die Gebäudehülle gedämmt wurde, sinkt der Wärmebedarf, und es kann anschließend eine kleinere Heizungsanlage eingebaut werden“, erläutert er. So kann es also kommen, dass der Elektriker vorschlägt, erst einmal einen Maler mit der Dämmung zu beauftragen. Pauschale Empfehlungen lassen sich allerdings nicht geben, weil es gerade im Altbau mit seinen jeweils unterschiedlichen Gegebenheiten darauf ankommt, die Besonderheiten der einzelnen Gebäude zu erkennen und zu berücksichtigen. Dazu kommt, dass Aufträge an ein Gewerk fast immer Aufträge an andere Gewerke nach sich ziehen. Für die Dämmung zum Beispiel muss in aller Regel auch das Dach erweitert werden, damit wieder der gewohnte schützende Dachüberstand über der nun breiteren Wand hergestellt wird.

Die Vorteile für die Kunden, ein verbesserter Wohnkomfort, ein gesteigerter Immobilienwert und ein sinkender Energiebedarf, bescheren dem Handwerk seit Jahren eine stabile Auftragslage und haben geholfen, die Wirtschaftskrise zu überstehen. Dennoch müssen sich Handwerker auf Veränderungen einstellen. Eben weil bei Sanierungen fast immer mehrere Gewerke gefordert sind, und weil einzelne Arbeiten von verschiedenen Handwerken ausgeführt werden können, wächst die Konkurrenz untereinander. Wärmedämmungen zum Beispiel werden unter anderem von Malern und Stukkateuren angeboten. Rokahr vermutet, dass Elektro- und Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik verstärkt zusammenwachsen werden.

Seit der Novellierung der Handwerksordnung im Jahr 2004 ist es leichter geworden, sich in Handwerksberufen selbständig zu machen. Für viele Gewerke gibt es keinen Meisterzwang mehr, im Baubereich gehören die Fliesenleger dazu. Und auch für Gewerke, die weiterhin einen Meistertitel voraussetzen, sind jetzt leichter Ausnahmen möglich, weil auch vergleichbare Qualifikationen akzeptiert werden. Die so genannte Altgesellenregelung ermöglicht Gesellen, die älter als 45 Jahre sind oder mehr als sechs Jahre in verantwortlicher Position gearbeitet haben, auch in meisterpflichtigen Gewerken einen eigenen Betrieb zu eröffnen, ohne vorher einen Meistertitel zu erwerben.

„Die Kunden müssen seitdem mehr Verantwortung übernehmen“, erläutert Rokahr. Zum einen entfalle in vielen Betrieben der gewohnte Meisterbrief als Qualitätshinweis, zum anderen müssen Kunden selbst in einschätzen, ob ein Betrieb lange genug bestehen wird, um auch Gewährleistungsarbeiten zu übernehmen. Die Novellierung habe eine Gründungswelle zur Folge gehabt, die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Betrieb sei dagegen gesunken. Insgesamt 18300 Handwerksbetriebe hat die Kammer im Kammerbezirk Hannover registriert. Dieser umfasst das Gebiet von Hannover, Nienburg, Diepholz, Schaumburg, Hameln und Bad Pyrmont. Die meisten Betriebe – 10000 – konzentrieren sich im Ballungsraum Hannover.

Die Kammer hat beobachtet, dass in den meisterfreien Handwerken doppelt so viele Betriebe im ersten Jahr nach der Gründung wieder schließen wie in den traditionellen Meisterbranchen. Altgesellen, die sich in einem Meisterhandwerk selbständig machen, „halten sich wacker“, und haben eine Erfolgsquote, die fast so hoch ist, wie bei Kollegen mit Meisterbrief. Wirtschaftsförderer Rokahr empfiehlt deshalb allen, die sich im Handwerk selbständig machen wollen, die kostenlosen Beratungsangebote der Handwerkskammern in Anspruch zu nehmen. „Eine gute Ausbildung, ein guter Geschäftsplan und eine gute Beratung“ seien drei Faktoren für den betrieblichen Erfolg.

Qualifikation, Mundpropaganda, Beratung, Preisvergleich. Das sind die vier häufigsten Kriterien, die von Handwerkervertretern als Suchtipp zum Finden des richtigen Handwerkers genannt werden.

Qualifikation: Mit der Qualifikation ist fast immer der Meisterbrief gemeint. Allerdings ist der Brief allein aus Verbrauchersicht noch keine Garantie. Erstens bedeutet eine vor Jahrzehnten abgelegte Prüfung nicht automatisch, dass ein Handwerker auch auf dem aktuellen Stand der Technik ist, zweitens kommt nicht immer der Meister, sondern in größeren Betrieben fast immer ein Geselle, und drittens ist ein Meistertitel für viele Handwerke gar nicht mehr erforderlich. Die Fixierung auf den Meisterbrief würde zum Beispiel Betriebsgründungen von Altgesellen benachteiligen, die durchaus mehr Berufserfahrung haben können als ein junger Meister.

Mit der Liberalisierung der Handwerksordnung im Jahr 2004 gewannen deshalb die Zertifizierungen nach DIN/EN/ISO 9000 und folgende an Bedeutung. Anders als der Meisterbrief beurteilen sie nicht den Wissensstand zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern die Verfahrens- und Betriebsabläufe.

Mundpropaganda: Ein guter Handwerksbetrieb braucht fast keine Werbung weil die Kunden selbst Werbung für ihn machen, meint Dietmar Rokahr, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung bei der Handwerkskammer Hannover. Umgekehrt sei das Umhören bei Nachbarn die beste Möglichkeit, einen geeigneten Handwerker zu finden. Weitere Vorteile von Betrieben aus der Nachbarschaft: Anfahrtswege und damit Anfahrtkosten entfallen, und sie sind mit regionalen Bau und Arbeitsweisen vertraut. Auch Anfragen bei der Hausverwaltung können einen guten Hinweis auf bewährte Handwerkspartner ergeben.

Beratung: Bei der Beratung kommt es darauf an, dass sich beide Gesprächspartner zuhören und Wünsche und Möglichkeiten abklären. Im Unterschied zu Verkaufsgesprächen, bei denen ein Anbieter vor allem eine – seine – Lösung an den Mann oder die Frau bringen möchte, können bei einem Beratungsgespräch auch Alternativen erwogen werden. Besonders, wenn eine noch nicht greifbare Ware wie eine neue Raumgestaltung angeboten werden soll ist es wichtig, dass die angebotenen Leistungen auch erläutert werden, damit der Auftraggeber sich vor der Unterschrift buchstäblich ein Bild machen kann.

Preisvergleich: Auf den ersten Blick die einfachste Methode, einen Auftrag zu vergeben. Ein guter Kostenvoranschlag beginnt mit einer Erläuterung der angebotenen Leistungen, damit auch ein Kunde, der nicht vom Fach ist, die anschließende Postenliste nachvollziehen kann. Wichtig für den Kunden ist auch, ob der Betrieb eine Gewährleistung für seine Arbeiten tatsächlich übernehmen kann. Im Baugewerbe sind die Fristen mit fünf Jahren vergleichsweise lang. Natürlich können weder Auftraggeber noch Auftragnehmer in die Zukunft sehen, aber es gibt einen Widerspruch zwischen Niedrigstpreisen und der Möglichkeit, qualifiziertes Personal zu bezahlen und Rücklagen zu bilden.


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