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Vor dem Schrauben am Motorrad den Fachmann fragen

Biker schrauben erfahrungsgemäß besonders gerne. Doch nicht alles, was ihnen gefällt, gefällt auch dem Gesetzgeber. "Erst schlaumachen, dann kaufen und montieren", rät deshalb Vincenzo Luca von TÜV-Süd in München.

München. Für Umbauten muss nicht immer der Tuninggeist verantwortlich sein: "Oft werden Lenker oder Auspuff beschädigt, wenn die Maschine einmal umfällt. Ersatz in den verschiedensten Varianten gibt es im Zubehörhandel - er ist meistens wesentlich günstiger als Originalteile", schildert Lars Krause vom TÜV Süd Service-Center seine Erfahrungen. Die Tuning-Tücken lägen anderswo. "Viele Veränderungen lösen eine schiere Kettenreaktion aus." Deshalb solle man im Vorfeld Fachleute zurate ziehen. Beispielsweise kann ein neuer Lenker dazu führen, dass sich der Fahrer bei starkem Einschlag die Finger einklemmt oder Bremsschläuche beschädigt werden. Zudem sei für viele Um- und Anbauten eine Anbauabnahme erforderlich.

Herstellerangaben unbedingt befolgen

Breiter, schneller, schöner - die Reifen- und Felgenpalette ist groß. Gerade bei den Pneus ist aber besondere Achtsamkeit gefordert. Der optimale Kontakt zur Straße ist ein absolutes Muss. Grundsätzlich, empfiehlt Hans-Ulrich Sander, Motorrad-Experte bei TÜV Rheinland und selbst passionierter Motorradfahrer, sollte man "die Herstellerangaben und die Eintragungen in den Papieren unbedingt befolgen oder vom Reifenhersteller freigegebene und durch einen Technischen Dienst geprüfte Reifenkombinationen verwenden. Die Freigaben sind dann mitzuführen". Auf ein anderes Problem macht Sanders Kollege Krause aufmerksam: "Gerade für ältere Modelle sind die empfohlenen Reifen oft nicht mehr erhältlich. Wir können in den meisten Fällen Alternativen vorschlagen."

Schmaler, niedriger, cooler - gerade beim Lenker zeige sich eine der größten Tücken beim Schrauben am Bike, weiß Krause: "Scheinbar einfachste Veränderungen ziehen eine ganze Reihe von zusätzlichen Umbauten nach sich." So könne der Lenker der Wahl Auswirkungen auf des Sitz des Bremsflüssigkeitsbehälters, die Führung der Bremsschläuche und der Bowdenzüge haben. "Den Lenker alleine gibt es oft schon für 50 Euro. Zusätzliche Teile, die für den fachgerechten Umbau nötig sind, kosten dann oft deutlich mehr." Zudem verändere eine neuer Lenker nicht nur das Aussehen des Motorrades, sondern vor allem die Sitzposition und damit das Handling des gesamten Fahrzeugs.

Finger weg von DB-Killern

Klang und Tempo gehören für die meisten Biker offenbar zusammen. Ein Sound-Management sorgt fürs richtige Geräusch. Zwar unterliegen alternative Schalldämpfer den gleichen Lärmschutzvorschriften wie die Originale. Jedoch werden üblicherweise die Obergrenzen voll ausgenutzt. Die Finger sollte man laut Krause von sogenannten DB-Killern lassen. Wer die schalldämpfenden Einsätze im Straßenverkehr draußen lässt, fährt ohne Betriebserlaubnis und riskiert den Versicherungsschutz. Die Einsätze dürfen nur auf der Rennstrecke raus. "Auf der Heimfahrt muss der Schallschutz wieder fachgerecht montiert sein", mahnt Krause.

Ein weiteres beliebtes Objekt sind laut dem TÜV-Süd-Mitarbeiter Stahlflex-Bremsschläuche, es gebe sie für beinahe jedes Bike zum Nachrüsten. Eine Stahlleitung sehe besser aus, und zudem könnten Metallleitungen besser vor Beschädigungen schützten. Das Material ermüde nicht so schnell und sei wesentlich langlebiger. "Ein Umbau kann sich also lohnen", sagt Krause. Wichtig dabei seien aber eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder ein Teilegutachten sowie natürlich die fachgerechte Verlegung. "Veränderungen an sicherheitsrelevanten Bauteilen wie der Bremsanlage sollte man ohnehin nur in der Fachwerkstatt durchführen lassen", empfiehlt Hobby-Biker Sander aus eigener Erfahrung.

dapd


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