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Beim Diesel-Gipfel haben die wichtigsten Automobilhersteller Updates angekündigt. Die Umsetzung soll in den nächsten Monaten erfolgen.

Beim Diesel-Gipfel haben die wichtigsten Automobilhersteller Updates angekündigt. Die Umsetzung soll in den nächsten Monaten erfolgen. © Karl-Josef Hildenbrand /dpa

Verkehr

Nach dem Gipfel: Offene Fragen von Diesel-Fahrern

Die Ergebnisse des Diesel-Gipfels sorgen für Diskussionen. Auch für betroffene Autofahrer sind noch viele Fragen offen. Was ist jetzt wichtig zu wissen?

Stuttgart. Beim Diesel-Gipfel haben BMW, Daimler, Opel und der VW-Konzern Software-Updates für insgesamt 5,3 Millionen Autos angeboten. Darin eingerechnet sind allerdings die rund 2,5 Millionen Autos, die der VW-Konzern bereits verpflichtend nachbessern muss.

Neue Updates sollen das Abgasverhalten von Autos der Emissionsklassen Euro 5 und teilweise Euro 6 verbessern. Euro-4-Diesel oder schlechter sind ausgenommen. Was müssen betroffene Autofahrer jetzt wissen? Anja Smetanin vom ACE Auto Club Europa gibt Einschätzungen:

Ist die neue Aktion verpflichtend?

Nein, die ausgehandelten Software-Updates sind freiwillig. "Die verpflichtenden Updates zuvor gelten nur für die Fahrzeuge, die Schummelsoftware haben", sagt Anja Smetanin. Deren Nachrüstung hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angeordnet.

Wie und ab wann werden Kunden über Updates informiert?

Die Hersteller haben eine zügige Umsetzung in den nächsten Monaten angekündigt, aber noch keinen genauer Termin für den Start genannt. Daimler hat mitgeteilt, jeden Betroffenen anzuschreiben. Wenn ohnehin eine Inspektion fällig sei, werde das in deren Rahmen erledigt. Ansonsten gebe es einen Extra-Termin.

Wie lange dürften sich die Umrüstungen insgesamt hinziehen?

"Schwer zu sagen", sagt Smetanin. Das hänge vom Engagement der Hersteller ab sowie vom politischen Druck. "Denn wir haben ja gesehen, freiwillig handeln die Autohersteller beim Thema Umwelt bislang nicht."

Wie lange soll das Update dauern?

Die Umrüstung selbst könnte in der Werkstatt nur drei bis vier Stunden dauern. Zeitaufwändiger könne es sein, in den Werkstätten einen Termin zu bekommen, da sehr viele Fahrzeuge nachgerüstet werden müssen.

Was machen Autofahrer, die kein Auto von BMW, Daimler, Opel und dem VW-Konzern fahren?

Der ACE rät zum Abwarten. Vermutlich würden ausländische Hersteller nachziehen, schätzt Smetanin.

Was spricht für das Update?

Es soll die Stickoxidemissionen (NOx) senken. "Um wie viel, darüber streiten Experten." Die Hersteller sprechen von einer durchschnittlichen Reduktion von 25 bis 30 Prozent.

Was spricht dagegen?

"Nicht viel", sagt Smetanin. Der ACE rät daher zum Update. Aber es gebe auch danach keine Sicherheit, dass die Autofahrer mit dem nachgerüsteten Diesel bei einem drohenden Fahrverbot in die Städte einfahren können. Denn ein Euro-5-Fahrzeug könne dadurch nicht Euro 6 erreichen. Wenn Fahrverbote für Diesel unter Abgasnorm Euro 6 kommen, werde es auch diese nachgerüsteten Diesel treffen.

Hinzu kommt die Befürchtung mancher, ein Update könnte Nebenwirkungen haben. Die Hersteller versichern zwar, dass dieses Updates keinen Einfluss etwa auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben würden. "Eine explizite Garantie haben sie aber noch nicht gegeben", sagt Smetanin. Der ACE empfiehlt Verbrauchern, alle ausgeführten Arbeiten schriftlich dokumentieren zu lassen. Allerdings hätten Tests nach Umrüstungen bei VW gezeigt: Nur in Einzelfällen kann es zu Veränderungen bei Fahreigenschaften des Motors kommen. "Man kann nicht davon sprechen, dass es ein generelles Risiko gibt."

Welche Rolle spielen Umweltplaketten bei der Nachrüstung?

Die grüne Plakette spielt generell bei der Diskussion um etwaige Fahrverbote aufgrund von NOx keine Rolle. "Die Umweltplakette wurde eingeführt um die Feinstaubbelastung zurückzudrängen und zeigt bereits vielerorts Wirkung." Um die NOx-Emissionen ebenso senken zu können, stehe die Forderung der blauen Plakette im Raum.

Ist überhaupt klar, nach welchen Fahrzeugkriterien oder Euro-Normen Fahrverbote in einigen Städten für Dieselautos kommen könnten?

Nein, das ist noch nicht geklärt. "Aber die drohende Fahrverbote sind mit dem Software-Update nicht vom Tisch", erklärt Smetanin. Denn die NOx-Emissionen könnten damit nicht so weit nach unten gesenkt werden, dass Gerichte ganz klar auf Fahrverbote verzichten werden.

Droht nun ein massiver Preisverfall von Euro-4-Autos?

Der ACE befürchtet einen Preisverfall der Euro-4-Diesel. "Aber eben in den Regionen, wo Fahrverbote drohen." Im ländlichen Raum gebe es bislang keine Wertverluste für ältere Diesel. Der ACE rät, mit einem Verkauf noch abzuwarten. "Denn noch ist unklar, wann Fahrverbote kommen."

Welche Nachrüstungsoptionen haben Euro-4-Fahrer selbst noch?

Neben den Software-Updates käme das sogenannte SCR-System als Nachrüstung infrage. Das ist eine Abgasreinigung mit Harnstoffeinspritzung. Die könne die Stickoxidemissionen deutlich senken. Technisch sei es teils sogar bei schlechteren Emissionsklassen möglich. "Damit kann der Grenzwert unter die Euro-6-Norm gebracht werden."

Ein Hersteller biete so etwas für circa 1000 bis 1500 Euro an. Aber der ACE rät auch hier zum Abwarten: "Ziel wäre es ja, dass die Hersteller für den Einbau die Kosten - zumindest in Teilen - übernehmen", sagt Smetanin.

Sind die "Umweltprämien" einiger Hersteller für Besitzer älterer Diesel ein lohnender Anreiz zum Neukauf?

BMW zum Beispiel will Kunden mit Euro-4-Diesel oder älter beim Kauf eines neuen Diesels, E-Autos oder Plug-in-Hybriden bis zu 2000 Euro anbieten. Gregor Kolbe vom Verbraucherzentrale Bundesverband hält solche Angebote aber für wenig verlockend: "Die angekündigten Hersteller-Kaufprämien für Neufahrzeuge sind für die Besitzer älterer Fahrzeuge, die sich in der Regel eben keinen Neuwagen leisten können, einfach nur zynisch zu nennen." Gerade diese Besitzer seien komplett beim Gipfel außen vor geblieben. "Es wurden keinerlei Vorschläge präsentiert, wie deren Fahrzeuge sauberer gemacht werden können oder wie man sie vor Fahrverboten bewahren möchte."

dpa


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