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Smart Repair kann eine kostengünstige Alternative zu einer aufwendigen Reparatur sein. Doch sie hat auch Tücken. Im Vorfeld einer Reparatur sollte man sich gründlich informieren.

Smart Repair kann eine kostengünstige Alternative zu einer aufwendigen Reparatur sein. Doch sie hat auch Tücken. Im Vorfeld einer Reparatur sollte man sich gründlich informieren. © Uwe Zucchi

Verkehr

Die Reparatur für zwischendurch - Smart Repair hat Tücken

Eine kleiner Knick im Kotflügel, ein Kratzer an der Stoßstange oder Dellen nach einem Hagelschlag: Schäden wie diese werden gerne vernachlässigt, weil der Kostenvoranschlag der Werkstatt schnell in den vierstelligen Bereich geht.

Bonn. Deutlich günstiger versprechen Betriebe Abhilfe, die Smart Repair anbieten. Sie sind auf kleinere Schäden spezialisiert.

Anstatt den kompletten Kotflügel zu ersetzen oder den Stoßfänger neu zu lackieren, wird nur der tatsächlich beschädigte Teil bearbeitet. Die Methode hat laut Markus Herrmann vom Bundesverband Fahrzeugaufbereitung (BFA) einen wesentlichen Vorteil: Sie ist günstiger als eine herkömmliche Reparatur. Wenn ein Kotflügel beispielsweise komplett neu lackiert werden muss, koste dies je nach Lack etwa 500 Euro und mehr. "Kommt Smart Repair zum Einsatz, liegen die Kosten etwa bei einem Drittel", sagt Herrmann.

Ein zweiter Vorteil ist laut Herrmann eine schnellere Reparatur. Wird ein Fahrzeug bei einer herkömmlichen Lackierung für zwei bis drei Tage aus dem Verkehr gezogen, sind es bei Smart Repair nur wenige Stunden. Maximal dauert die Reparatur einen Tag. "Hat ein Kunde eine Garage, kann die Instandsetzung auch bei ihm durchgeführt werden", erklärt Herrmann.

Beliebt ist Smart Repair bei Haltern von Leasing-Fahrzeugen. Der Leasingnehmer kann mit überschaubarem finanziellen Aufwand das Fahrzeug frisch aufbereitet zurückgeben. Ob Smart Repair oder klassische Reparatur - die Entscheidung für das eine oder andere sollte aber nicht nur vom Rechnungsbetrag anhängen. "Wird Smart Repair unsachgemäß ausgeführt, kann dies möglicherweise Einfluss auf den Wiederverkaufswert haben", gibt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zu bedenken.

Deutliche Unterschiede stellte der ADAC fest, als er 20 Smart-Repair-Betriebe in Deutschland testete: Zwölf Anbieter wurden mit sehr gut beziehungsweise gut bewertet, sechs schnitten befriedigend ab. Zwei Betriebe erhielten die Note ausreichend. Die Anbieter sollten eine Delle entfernen und Kratzer beseitigen. Die Tester kamen unter anderem zu dem Schluss, dass ein Karosserie-Experte, der Beulen entfernt, nicht zwingend ein Händchen für Lack-Kratzer hat. "Besonders beim Lack sind viel Sachverstand und Fingerspitzengefühl nötig", sagt Carsten Graf vom ADAC Technik Zentrum. Außerdem müssen Smart-Repair-Anbieter keine speziellen Qualifikationen nachwiesen.

Strittig ist, ob eine Kfz-Versicherung bei einer Schadensregulierung auf der günstigeren Smart-Repair-Methode bestehen darf. Rechtsanwalt Jens Dötsch von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) warnt davor, sich als Geschädigter vorschnell mit einer Ausbesserung zufriedenzugeben: "Als Geschädigter bei einem Unfall hat man Anspruch darauf, dass der Schaden vollständig behoben wird." Das Auto muss durch eine sach- und fachgerechte Reparatur wieder in den Zustand versetzt werden, in dem es vor dem Unfall war, erklärt Dötsch.

Ob eine Smart-Repair-Methode den Zustand des Autos vor dem Unfall tatsächlich wiederherstellt, kann ein Laie kaum beurteilen, das kann meist nur ein Gutachter. Zunächst gilt laut Dötsch immer, dass eine Reparatur nach den Herstellervorgaben durchzuführen ist - und die sehen Smart Repair in aller Regel nicht vor. Verweist eine Versicherung dennoch auf die alternative Reparaturmethode, muss nachgewiesen werden, dass die mit Smart Repair durchgeführte Bearbeitung mit einer klassischen Reparatur gleichwertig ist, so Dötsch. Außerdem muss der Versicherer einen Smart-Repair-Betrieb im Umkreis des Geschädigten benennen, der sein Handwerk nachweislich beherrscht.

"Optimal wäre, wenn der vom Geschädigten beauftragte Sachverständige die entsprechenden Vor- und Nachteile der jeweils gleichwertigen Reparaturmethoden nennt", sagt Dötsch weiter. Denn Smart Repair per se auszuschließen, hält der Jurist für falsch. Es gebe Beispiele, in denen die konventionelle Reparatur nicht nur teurer sei, sondern auch die Substanz des Fahrzeugs stärker beeinträchtigt wird als bei Smart Repair. Auf der anderen Seite ist bei einer Reparatur immer zu berücksichtigen, dass dies Auswirkungen auf eine Garantie des Herstellers haben kann, zum Beispiel auf die Durchrostungsgarantie.

dpa


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