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Bittere Aprikosenkerne enthalten viel Vitamin B17, als Krebsheilmittel sind sie dennoch ungeeignet.

Bittere Aprikosenkerne enthalten viel Vitamin B17, als Krebsheilmittel sind sie dennoch ungeeignet.
© iStockphoto

Selbsttherapie mit Pflanzenteilen

Zu viele Risiken und Nebenwirkungen

Verbraucherzentralen warnen vor Selbsttherapie mit Pflanzenteilen. Aprikosenkerne etwa, die gerne als Mittel gegen Krebs eingesetzt werden, enthalten Blausäure.

Hannover. Im Internet werden Obstkerne, Stiele und Pflanzenteile als natürliche Medizin beworben. Sie sollen Krankheiten heilen und angeblich sogar vor Krebs schützen. Doch die Einnahme der Naturprodukte ist oft nicht nur nutzlos, sondern sogar gefährlich.

Vor wenigen Wochen veröffentlichten die Verbraucherzentralen eine Warnung. In der Stellungnahme „Gefahr in Kern, Blatt und Stil“ listeten sie etliche Risiken auf, die die Selbsttherapie mit Pflanzenbestandteilen birgt. Sie reagierten damit auf irreführende Informationen, die im Internet kursieren. Aprikosen- und Avocadokernen werden dort genauso heilbringende Wirkungen zugeschrieben wie Kirschstielen oder dem Verzehr von Aloe-vera-Gel, das für die äußere Anwendung gedacht ist. In Blogs und Foren kursieren Rezepte zur Zubereitung von Pulvern oder Brei aus Blättern oder Kernen, die man einnehmen soll. Auch teure Fertigprodukte werden online verkauft.

„Wir raten vom Verzehr solcher Produkte ab“

Die Verbraucherzentrale warnt in ihrer Stellungnahme vor dem „riskanten Trend zum Selbermachen“. „Wer ein paar Apfelkerne oder Kirschkerne verschluckt, muss bei der Aufnahme von solch kleinen Mengen nichts befürchten. Doch zermahlen oder gekaut drohen bei Einnahme solcher selbst gemachter Nahrungsergänzung Gefahren.“ Für die versprochenen gesundheitlichen Wirkungen gebe es zudem „keinerlei gesicherte wissenschaftliche Belege“.

Susanne Sachs ist Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Gerade Pflanzenprodukte von exotischen Pflanzen und Früchten werden mit Wunderwirkungen vermarktet, wir raten aber vom Verzehr solcher Produkte ab“, sagt Sachs. „Nur weil es sich um pflanzliche Substanzen handelt, sind diese noch lange nicht harmlos.“

So ist die Aloe vera zwar als Heilpflanze anerkannt – allerdings nur für die äußere Anwendung. Was aber gut für die Haut ist, ist deshalb noch lange nicht essbar: Für einen Nutzen der Einnahme gibt es keine Belege. Im Gegenteil, auch hier drohen Gefahren. Speziell beim Verzehr selbst gezogener Pflanzen kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen, wenn dabei die Blattrinde nicht sorgfältig genug entfernt wird. Sie enthält sogenannte Anthrachinone, die heftige Durchfälle auslösen können, eine krebserregende und erbgutschädigende Wirkung ist nicht ausgeschlossen.

Aprikosenkerne in hohen Dosen besonders gefährlich

Auch Kirschstiele werden als Hausmittel im Internet angepriesen. Sie sollen schleimlösend bei Husten wirken, und beim Abnehmen helfen. Laut Verbraucherzentrale wirken sie vor allem entwässernd. Ungesund wird es hier schnell, wenn man selbst gesammelte Kirschstiele nicht fachgerecht lagert. Dann bilden sich Schimmelpilze, die krebserregende Gifte produzieren.

Besonders bedenklich ist die Einnahme bitterer Aprikosenkerne. In Blogs und Foren ist nachzulesen, dass diese reich an Vitaminen seien und vor Krebserkrankungen schützen würden. Tatsächlich enthalten sie, genau wie auch Bittermandeln oder Kirschkerne, die Substanz Amygdalin. Bei ihrer Verdauung wird im Körper giftige Blausäure freigesetzt. Sie stört die Sauerstoffverwertung des Organismus, in hohen Dosen löst das Krämpfe, Erbrechen und Atemnot aus. Es kann zum Tod durch Atemlähmung kommen.

Einnahme als Mittel gegen Krebs ist „absoluter Humbug“

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt schon seit Jahren vor dem Verzehr bitterer Aprikosenkerne. „Uns erreichen deshalb immer wieder erboste Briefe“, sagt Klaus Abraham von der Abteilung Lebensmittelsicherheit des BfR. Denn um die Kerne sei eine regelrechte Verschwörungstheorie entstanden: Sie sollen angeblich ein wirksames Krebsmittel sein, Beweise dazu würden aber unterdrückt. Demnach werde das Amygdalin nur von Krebszellen, nicht von anderen Zellen des Körpers gespalten, wobei die Blausäure frei werde. Die Theorie habe sich aber „als kompletter Humbug“ erwiesen, sagt Abraham. „Man sollte so etwas nicht zu sich nehmen, weil es keinen Sinn hat.“ Trotzem kommt es immer wieder zu Vergiftungen bei Menschen, die an eine heilende Wirkung glauben. In Australien beobachteten Ärzte erst kürzlich bei einem Patienten während einer OP starken Sauerstoffmangel im Blut. Sie stellten anschließend fest, dass sich hohe Mengen Blausäure in seinem Körper angereichert hatten. Er gab zu, seit fünf Jahren bittere Aprikosenkerne einzunehmen.

Das BfR hat in einer Studie die giftige Dosis bei Aprikosenkernen ermittelt. Vor allem Kindern sollte man laut BfR gar keine Aprikosenkerne verabreichen, bei ihnen wurden nach der Einnahme größerer Mengen sogar von Todesfällen berichtet. Erwachsene sollten laut BfR auf keinen Fall mehr als zwei Aprikosenkerne pro Tag zu sich nehmen, um Vergiftungen auszuschließen.

Kräutertee ist nicht gleich Kräutertee

Erste Anzeichen einer Erkältung bekämpfen viele mit Kräutertees. Dabei sollte man auf die Kennzeichnung als Arzneimittel oder Arzneitee achten, rät die Verbraucherzentrale Sachsen. Anders als reguläre Kräutertees unterliegen Arzneitees dem Arzneimittelgesetz.

Voraussetzung für die Zulassung von Arzneitees ist allerdings nicht, dass sie nachweislich helfen. Für die darin enthaltenen Heilpflanzen gebe es aber zumindest Qualitätsstandards, erklärt Birgit Brendel, Fachreferentin bei der Verbraucherzentrale. Außerdem ist geregelt, wie solche Tees zusammengesetzt sein müssen. Auch bei welchen Beschwerden der Tee helfen soll und wann man ihn nicht trinken sollte, ist dann auf der Packung vermerkt, zudem seine Wirkung und mögliche Nebenwirkungen.

Von Irene Habich/RND


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