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Verabredung zum Crash

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Versicherungen

Verabredung zum Crash – Vorsicht vor Tricksereien mit der Haftpflichtversicherung

Durch einen Verkehrsunfall profitieren? Für viele Versicherungen ist Versicherungsbetrug durch manipulierte Unfälle längst Alltag.

Jeder zehnte gemeldete Unfall ist manipuliert

Rund zweieinhalb Millionen Mal kommt es in Deutschland pro Jahr zu einem Verkehrsunfall. Vorsichtig geschätzt ist jeder zehnte Unfall, der Haftpflichtversicherungen gemeldet wird, in irgendeiner Art und Weise manipuliert. So werden beispielsweise reale Unfälle ausgenutzt, um nicht reparierte Vorschäden anzuzeigen; sogenannte „Autobumser“ verursachen vorsätzlich Kollisionen mit Fremden oder aber Bekannte verabreden sich zu einem Unfall, um Kasse zu machen.

Wer in solchen Fällen hofft, von der Versicherung Geld zu bekommen, hat weit gefehlt. Denn in der Regel wird die Versicherung schon bei kleinsten Unstimmigkeiten stutzig. So hat sich das OLG München beispielsweise mit einem Fall beschäftigt, in dem ein sehr alter Ford und ein hochpreisiger BMW X5 in einen Unfall verwickelt waren. Zwar hatte der Fahrer des Ford die Schuld gleich auf sich genommen – die Haftpflichtversicherung zahlte dem „Geschädigten“ die geforderten rund 13.500 Euro aber nicht. Denn der Unfall war augenscheinlich verabredet. Gründe für diese Annahme waren unter anderem, dass der Ford-Fahrer den BMW hätte sehen und reagieren müssen, zudem waren die Kollisionsgeschwindigkeit von 22 beziehungsweise 20 km/h und der Kollisionswinkel verdächtig.

Indizien für die Inszenierung eines Crashs

Zudem gibt es zahlreiche weitere Indizien für einen verabredeten Unfall, die die Versicherungen zu genauen Prüfungen veranlassen. Etwa, wenn die beiden Unfallbeteiligten miteinander verwandt oder bekannt sind und im gleichen oder nahegelegenen Ort wohnen. Hellhörig werden die Prüfer auch, wenn der Geschädigte finanzielle Schwierigkeiten hat, jedoch ein teures Auto fährt und in der Kfz-Branche tätig ist. Auch ein ähnliches Alter und womöglich dieselbe Nationalität der beiden Unfallbeteiligten lässt Versicherer stutzig werden.

Meist, wissen die Versicherungsexperten aus Erfahrung, handelt es sich beim Fahrzeug des Geschädigten um ein hochwertiges; der Wagen des vermeintlichen Unfallverursachers ist in der Regel alt und hat eine hohe Laufleistung. Womöglich wurde er sogar erst kurz vor dem Unfall erworben und anschließend schnell verschrottet oder ins Ausland verkauft, sodass eine Besichtigung gar nicht möglich ist. In manchen Fällen, wissen Versicherungsexperten, werden auch Kleintransporter mit Vollkaskoschutz für solch einen verabredeten Unfall angemietet – jedoch ohne wirklichen Grund wie einen Umzug oder den Transport sperriger Gegenstände. Ebenso unglaubwürdig scheint es Versicherern, wenn der Unfallort abgelegen ist und Zeugen fehlen und der Unfallverursacher seine Schuld zudem sofort einräumt, ohne die Polizei zu verständigen.

Ein Motiv für solch einen verabredeten Unfall sei laut Experten häufig, dass die Beteiligten „Kasse machen“ wollen. Der Schaden wird nur fiktiv, also per Gutachten beziehungsweise Kostenvoranschlag abgerechnet und später in Eigenregie für deutlich weniger Geld behoben. Oftmals versuchen die verabredeten Unfallbeteiligten auch, vorherige Schäden, die nicht oder nicht fachgerecht repariert wurden, in diesem Zuge mit abzurechnen.

Zahlen muss am Ende jedoch der vermeintliche Unfallverursacher. Ihm wie auch dem angeblich Geschädigten können obendrauf sogar noch rechtliche Konsequenzen wegen versuchten Versicherungsbetruges drohen.


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