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Bilderbücher sind schon etwas für die ganz Kleinen. Experten betonen: Je eher Kinder mit Büchern in Kontakt kommen, desto besser.

Bilderbücher sind schon etwas für die ganz Kleinen. Experten betonen: Je eher Kinder mit Büchern in Kontakt kommen, desto besser.
© Daniela Rey/Unsplash

Psychologie

Unterschätztes Kuschelritual - Eltern beginnen zu spät mit Vorlesen

Sollen Eltern schon ihren Babys vorlesen? Unbedingt, rät die Stiftung Lesen. Denn Vorlesen habe nicht allein etwas mit Spracherwerb zu tun. Die emotionale Bedeutung sei genauso wichtig.

Berlin. Mozart beim Babyschwimmen, Chinesisch in der Krabbelgruppe: Die private Bildungsbeflissenheit mancher Eltern hat im Zeitalter von Pisa-Tests und G8 auch schon seltsame Blüten getrieben. Die Tendenz aber halten Bildungsforscher für positiv. Gute und vielseitige Bildung steht auch in der neuen repräsentativen Umfrage der Stiftung Lesen unter Eltern mit Kindern zwischen drei Monaten und drei Jahren auf einem Spitzenplatz: 86 Prozent der Mütter und Väter ist das für ihr Kind besonders wichtig – knapp vor Höflichkeit und gutem Benehmen (83 Prozent). Dass Lesen zur Bildung dazugehört, versteht sich für eine Mehrheit der Eltern ebenfalls von selbst.

Vorlesen ist kein Mittel zum Zweck

Doch dann beobachtet Studienleiterin Simone Ehmig so etwas wie einen Denkfehler. „Eltern haben oft eine sehr nüchterne Sicht aufs Vorlesen“, sagt sie. Die meisten wüssten, dass es gut sei für die Sprachentwicklung und sähen es als Mittel zum Zweck. Deshalb unterstellten sie, dass ihr Kind schon etwas können muss, damit es etwas davon hat, und beginnen erst nach neun Monaten oder später mit dem Vorlesen. Doch viele Eltern unterschätzten die emotionale Komponente dieses Rituals, sagt Ehmig. Beim gemeinsamen Betrachten von Bilderbüchern entstehe Nähe – und dazu kämen Gefühle wie Sicherheit und Geborgenheit, kurz Kuschelglück für Eltern und Kind.

Kuschelglück durch Bilderbücher

Die Lösung heißt für die Forscher: Ermutigung zu früherem Vorlesen, spielerisch, ohne Leistungsdruck oder mit der Angst, etwas falsch zu machen. „Ob drei, vier oder sechs Monate. Da lässt sich kein genaues Datum definieren. Es kommt auch auf die Situation der Familie und das Kind an“, sagt Ehmig. Es gehe darum, ein Wohlfühlritual zu schaffen, und seien es am Anfang nur wenige Minuten. „Denn Eltern werden das dann mit größerer Wahrscheinlichkeit auch fortsetzen.“ Das führt zu einem zweiten Knackpunkt, den bereits frühere Vorlesestudien gezeigt haben. Ein Fünftel der befragten Eltern liest Töchtern und Söhnen nach der jüngsten Untersuchung gar nicht vor. Weitere 8 Prozent nehmen sich diese Zeit zu selten, um ein Ritual zu schaffen. Und für mehr als jedes zweite Kind gibt es höchstens zehn Kinderbücher im Haushalt. Manchmal auch gar keine – trotz des Angebots in Bibliotheken.

Gemeinsames lesen weckt Emotionen

„Mit dem Vorlesen können Eltern nicht früh genug anfangen“, betont Antje Neubauer aus dem Fachkuratorium Bildung der Deutschen Bahn Stiftung, die wie die Wochenzeitung „Zeit“ an der Studie beteiligt ist. Der frühe Start führe später zu einer höheren Motivation, selbst zu lesen. „Wenn Kinder das gern und häufig tun, fällt es ihnen später leichter, Texte zu verstehen, bis hin zu den Textaufgaben in Mathematik“, sagt Ehmig. Vorlesemüdigkeit hat aber nicht allein etwas mit Bildungsferne zu tun, sondern auch mit fehlenden eigenen Erfahrungen aus der Kindheit – auch den emotionalen. „Das ist wie ein Kreislauf. Wer das selbst nicht erlebt hat, gibt es auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit weiter.“

Von Ulrike von Leszczynski/RND


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