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„Ohne Licht sind Radfahrer bereits an dunklen Herbstnachmittagen praktisch unsichtbar“, sagt  Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht.

„Ohne Licht sind Radfahrer bereits an dunklen Herbstnachmittagen praktisch unsichtbar“, sagt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht.
© dpa

Straßenverkehr

Sicher durch Laub und Nässe

Der Herbst verlangt dem Radfahrer einiges ab: Draußen ist es kalt, windig, dunkel und rutschig. Um sicher und komfortabel von A nach B zu kommen, müssen Mensch und Maschine aufrüsten.

Berlin. Laubberge am Fahrradweg, die frühe Dämmerung und der Nieselregen – das Fahrradfahren im Herbst hat es in sich. Wenn die Bäume ihre Blätter fallen lassen, trauen sich viele mit ihrem Rad nicht mehr auf die Straße. Um auf zwei Rädern sicher und komfortabel durch den Herbst zu kommen, muss man allerdings nicht besonders abgebrüht sein. Entscheidend ist die richtige Vorbereitung.

Die größte Gefahr für die Radfahrer sind Autos. Drei Viertel der Fahrradunfälle mit Personenschaden sind laut Statistischem Bundesamt auf die Kollision mit einem Auto zurückzuführen. Meist kommt der Autofahrer dabei mit dem Schrecken davon, Radfahrer hingegen erleiden oftmals schwere Verletzungen. Daher ist es für den Fahrradfahrer in der dunklen Jahreszeit besonders wichtig, auf sich aufmerksam zu machen.

Zu spät gesehen und schon ist es passiert

Zu spät gesehen und schon ist es passiert: Besonders Autos sind bei Fahrradunfällen beteiligt.

Quelle: RND

Sehen und gesehen werden

Schon bei Tageslicht sind Radfahrer auf den Fahrradwegen für den Autofahrer nur schwer zu sehen – Bäume und parkende Autos verdecken die Sicht. Wenn der Radfahrer bei Dunkelheit zudem ohne Licht unterwegs ist, sind Unfälle programmiert. Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht rät deswegen, das Licht am Rad stets vor der Fahrt zu kontrollieren und schon bei Dämmerung anzuschalten. „Im Herbst kann es schon am Nachmittag plötzlich sehr dunkel werden. Ohne Licht sind die Radfahrer dann praktisch unsichtbar.“

Die Straßenverkehrsordnung schreibt Fahrradfahrern indes vor, das Rad bei Dunkelheit ausreichend zu beleuchten: weißes Licht vorn, rotes Licht hinten, dazu entsprechende Reflektoren. Auch batteriebetriebene Lämpchen und Akkuleuchten sind erlaubt, sofern sie am Fahrrad angebracht sind. Das Frontlicht müsse eine Lichtstärke von mindestens zehn Lux aufweisen, erklärt Ronald Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Moderne LED-Modelle sind sogar teilweise deutlich heller. Lämpchen am Helm oder Körper sind allenfalls eine Ergänzung, blinkendes Licht bleibt verboten.

Besonders in unbeleuchteten Parks oder auf dunklen Waldwegen ist es wichtig, auch selbst etwas sehen zu können. Dazu müsse das Licht richtig eingestellt sein, sagt Huhn. „Die Leuchte muss auf den Boden zeigen. Der Lichtfleck sollte in ungefähr fünf Metern Entfernung zu sehen sein.“ So könne man selbst die Fahrbahn einsehen und vermeide es, Rad- und Autofahrer zu blenden.

Helle und reflektierende Kleidung sollten Radfahrer tragen, um gut gesehen zu werden

Helle und reflektierende Kleidung sollten Radfahrer tragen, um gut gesehen zu werden. Ein Muss sollte auch ein Helm sein.

Quelle: RND

Zweirad beizeiten aufrüsten

Ob Akkuleuchte oder ein Dynamo, sei reine Geschmackssache, sagt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband. Sportliche Radfahrer bevorzugen aus Gewichtsgründen die abnehmbaren Leuchten, City-Biker setzen auf Dynamos. Nabendynamos seien dabei besser als die klassischen Seitenläuferdynamos, die am Reifen anliegen. „Ein Nabendynamo ist ein geschlossenes System und deswegen nahezu wartungsfrei“, so Eisenberger. Für Kinder seien besonders Systeme mit Lichtautomatik geeignet, rät Fahrradexperte Huhn. Wenn es draußen dunkel wird, schalten sie die Leuchten selbst ein – sowohl am Abend als auch in Unterführungen.

Bei glatter Fahrbahn kann es sinnvoll sein, den Reifendruck bis zum erlaubten Minimalwert zu verringern. Dieser Wert steht am Reifen selbst. Niedriger Druck vergrößert die Auflagefläche des Reifens und damit die Bodenhaftung. Spezielle Winterreifen oder gar Spikes seien im Herbst allerdings nicht zu empfehlen, sagt Roland Huhn. „Sie helfen bei vereister Fahrbahn, jedoch nicht bei Nässe.“ Die Bremsen müssen optimal eingestellt sein, da der Bremsweg auf nassem Untergrund deutlich länger wird. Scheibenbremsen sind dabei weniger anfällig für Nässe als Felgenbremsen.

Bei Pedelecs und E-Bikes müsse man sich heute keine besonderen Gedanken im Herbst oder Winter machen, meint David Eisenberger: „Moderne Akkus bleiben bei Minusgraden leistungsfähig. Auch bei einer längeren Tour durch die Stadt wird Ihnen der Strom nicht ausgehen.“ Möglich seien Reichweiten von über 100 Kilometern. Nur wer sein E-Bike länger draußen stehen lasse, sollte den Akku rausnehmen, so der Verbandssprecher – wegen der Kälte, aber auch wegen der Diebstahlgefahr.

Auf die richtige Kleidung kommt es an

Um die Sichtbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen zu erhöhen, rät Hannelore Herlan zu heller Kleidung auf dem Fahrrad. Im Lichtkegel eines Autos sei ein Radler in weißer Jacke oder Warnweste viel besser zu sehen als in dunkler Kleidung. Besonders wichtig seien Reflektoren an Armen und Füßen, sagt Roland Huhn. „Beim Fahren bewegen sich diese Reflektoren. Tests haben ergeben, dass Autofahrer dabei schon aus großer Entfernung erkennen, dass es ein Mensch ist, der sich da bewegt.“

Der Fahrradexperte betont auch die Wichtigkeit eines Helms. Er kann zwar keine Unfälle verhindern, schützt aber den Kopf vor schweren Verletzungen, wenn ein Fahrradfahrer stürzt. „Nahezu alle Fahrradhelme auf dem Markt erfüllen die Norm. Diese ist aber schon 20 Jahre alt“, sagt Huhn. Er rät, auf die Ergebnisse der Stiftung Warentest zu achten. Sie stellt höhere Sicherheitsanforderungen an die Helme – vor allem, was den Schutz der Schläfen angeht.

Experten empfehlen helle Kleidung, damit Radfahrer auch in der Dunkelheit gesehen werden

Experten empfehlen helle Kleidung, damit Radfahrer auch in der Dunkelheit gesehen werden.

Quelle: pd-f

So bleiben Sie während der Fahrt trocken

Trotz der kälteren Temperaturen sollten sich Fahrradfahrer nicht so warm kleiden wie die Fußgänger, sagt Roland Huhn: „Statt zwei Pullis lieber nur einen anziehen.“ Hat man zu viel Kleidung an, beginnt man schon nach wenigen Kilometern zu schwitzen. Das schnelle Abkühlen nach der Fahrt macht anfällig für Infekte. Der Verkehrsclub Deutschland rät zur dünnen, atmungsaktiven und winddichten Kleidung. Bei Regen halten Poncho oder Regenjacke sowie Regenhose mit atmungsaktiver Membran trocken.

Anders verhält es sich bei Händen und Füßen. Sie frören beim Radfahren besonders schnell und brauchten Schutz, sagt Huhn. Der kalte Fahrtwind trocknet die Haut an den Händen aus und macht sie brüchig. Daher sollten Radfahrer im Herbst Handschuhe tragen. Kleiner Tipp: Fäustlinge halten die Hände besonders warm. Erst bei längeren Strecken sei es laut ADFC-Experte sinnvoll, spezielle Überschuhe anzuziehen.

Bei Nässe lauern zahlreiche Gefahren

Es kann durchaus Spaß machen, durch goldenes Laub zu fahren, allerdings nur, wenn es trocken ist. Wurde der Radweg länger nicht gefegt, wird die Laubschicht mit der Zeit feucht und modderig. „Glitschig wie Seifenlauge“, sagt Huhn, der selbst viel Rad fährt. Bei solch einem Untergrund raten Experten zu großer Vorsicht: langsam fahren, keine scharfen Kurven, kein abruptes Bremsen. Andernfalls rutscht das Hinterrad ganz schnell weg. Stahlbrücken, Holzbohlen und Kopfsteinpflaster seien auch ohne Laub sehr glatt bei Nässe und daher zu meiden. „Straßenbahnschienen sind bei Regen noch tückischer als sonst. Es ist gefährlich, sie sogar im richtigen Winkel zu queren“, so Ronald Huhn.

Der Radweg ist nicht zwingend Pflicht

Der Radweg ist nicht zwingend Pflicht: In Deutschland zwingen Schilder Radfahrer häufig auf den Radweg. Wenn dieser zu gefährlich ist, beispielsweise bei Eis und Schnee, darf man laut Straßenverkehrsordnung auf die Fahrbahn ausweichen. Diese ist meistens geräumt. Bei Laubbelag sei die Rechtslage weniger eindeutig, sagt Hannelore Herlan von der Verkehrswacht. „Es hängt vom Einzelfall ab. Wenn sich auf dem Fahrradweg hohe Laubberge auftürmen, kann es schon mal gefährlich werden. In einer solchen Situation darf man einen benutzungspflichtigen Radweg verlassen.

Quelle: Montage: RND/dpa

Von Alexander Salenko/RND


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