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Christian Hemschemeier ist Paartherapeut und gibt an dieser Stelle regelmäßig Wissen aus seiner Praxis weiter.

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Auf der Couch – der Expertentipp

Manipulation in der Partnerschaft

Beziehungsspielchen, die wehtun: Um zu vermeiden, dass wir uns selbst mit Ängsten und schlechten Erfahrungen auseinandersetzen müssen, versuchen wir lieber den Partner dazu zu bewegen, Pflaster über diese Wunden zu legen. Eine Typologie der Verhaltensmuster.

Hannover. Wir mögen es ungern zugeben, aber wir alle versuchen in mehr oder weniger großem Maß mit einer versteckten Agenda unsere Ziele zu erreichen. Oft sagen wir nicht geradeheraus, was wir brauchen und was wir denken. Dies ist insbesondere der Fall, wenn wir mit tiefen Wunden und Traumata aus unserer Biografie durchs Leben gehen.

Um zu vermeiden, dass wir uns selbst mit Ängsten und schlechten Erfahrungen auseinandersetzen müssen, versuchen wir lieber den Partner dazu zu bewegen, Pflaster über diese Wunden zu legen. Wenn wir es mit einem hohem Maß an emotionaler Manipulation zu tun haben, entwickeln sich häufig sehr schwierige Beziehungen. In diesen Beziehungen versucht ein Partner, auf Biegen und Brechen seine Interessen durchzusetzen, versteckt das aber hinter bestimmten Verhaltensmustern. Hier ein paar typische Beispiele:

Passiv-aggressive Kommunikation: Passiv-aggressiv agiert, wer sich ärgert oder bestimmte Wünsche hat, dieses aber nicht klar kommuniziert. Stattdessen „schießt“ er wie hinter einer Deckung gegen den Partner. Das kann eine ironisch-sarkastische Bemerkung sein, die später mit der Bemerkung „Das war nur ein Witz“ entschuldigt wird. Oder ein Partner kommt häufig zu spät oder vergisst Termine. Wenn der Betroffene die aggressive Natur der Handlung anspricht, wird das vom anderen meistens bestritten.

Das große Drama: Eine hervorragende Art, von eigenen depressiven Phasen und innerer Leere abzulenken, ist das Einbringen dramatischer Auftritte in die Beziehung. Das geschieht typischerweise nach einer ruhigen Phase in der Partnerschaft, in der jeder mehr mit sich selbst beschäftigt ist. Plötzlich werden aus dem Nichts streitige Themen aufgebracht oder alles wird infrage gestellt. Unbewusstes Ziel ist es dabei meistens, die Aufmerksamkeit wieder vollständig auf sich zu lenken.

Versteckte Erwartungen: In diesen Fällen tut der eine für den anderen sehr viel – und dies scheinbar selbstlos. Doch dann kommt es plötzlich zu heftigem Streit, wenn das gleiche Maß an Fürsorge nicht zurückkommt. Mancher erwartet, dass der Partner Gedanken lesen kann, und wird ärgerlich, wenn der andere nicht die jeweiligen Bedürfnisse spürt.

Schuldumkehr: Diese äußert sich meistens darin, dass ein Partner keine Verantwortung übernimmt und immer nur dem anderen die Schuld gibt. Dieses Verhalten kann sehr verletzend sein. Vor allem, wenn es wiederholt vorkommt.

Opferhaltung: Wann immer man selbst Unterstützung braucht, sorgt der andere dafür, dass es trotzdem um ihn geht – weil er plötzlich etwas „viel Schlimmeres“ hat.

Nichts ist gut genug: Manche Menschen sind so verletzt, dass sie die Aufmerksamkeit und Energien von anderen förmlich aufsaugen wie ein Schwamm, ohne selbst das Grundproblem aufzuarbeiten. Das kann dazu führen, dass man als Partner gibt und gibt – und doch ist es nie genug.

Worte versus Taten:Ein weiterer sicherer Hinweis auf manipulative Kommunikation ist es, wenn Worte und Taten einander nicht entsprechen. Typischerweise wird in Worten die ewige, ganz große Liebe beschworen, aber die Realität sieht ganz anders aus (zum Beispiel fehlende Verbindlichkeiten, man wird Freunden, Familie, Kindern nicht vorgestellt).

Was sollte man also tun, wenn man manipulatives Verhalten feststellt? Sprechen Sie Ihren Partner direkt darauf an. Wenn er sich verantwortlich verhalten möchte, wird er ein Gespräch mit Ihnen führen und auch versuchen sein Verhalten zu ändern.

Keiner von uns ist perfekt, und jeder kann an sich selbst diese Tendenzen feststellen. Problematisch wird es erst dann, wenn das Ansprechen nur zu immer neuen Problemen führt und sich trotz aller Beteuerungen nichts wirklich an dem manipulativen Muster ändert.

Den Autor erreichen Sie unter www.eheberatung.info und unter www.liebeschip.de

Von Christian Hemschemeier/RND


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