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Professor Thomas Feltes ist Jurist und Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.

Professor Thomas Feltes ist Jurist und Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.
© Montage: RND/dpa,privat

Ruhe bewahren – Kolumne

Die „German Angst“ ist allgegenwärtig

„Wir fürchten uns zu Tode und bewerten Risiken höher, als sie wirklich sind“, sagt der Kriminologie Professor Thomas Feltes. Das verwundert, denn laut Statistik sinkt die Kriminalitätsrate.

Hannover. Wir haben Angst, obwohl wir in der sichersten aller Zeiten und in einem der sichersten Länder leben. Gewaltdelikte sind seit 2005 um 15 Prozent zurückgegangen, Sexualdelikte um 17 Prozent. Die tatsächliche Kriminalität sinkt, auch im Dunkelfeld. Warum haben die Menschen dennoch immer mehr Angst, warum wird die „gefühlte Sicherheit“ schlechter?

Das Beispiel des Wohnungseinbruchs zeigt, wie eine politische und mediale Irreführung bei den Menschen ankommt. Wir haben seit einiger Zeit einen Anstieg der Taten, aber immer noch nicht die Zahlen erreicht, die wir vor 15 Jahren hatten. Das Gefühl, überall würde eingebrochen, hat vor allem mit der medialen Aufbereitung und der politischen Diskussion zu tun. Die regelmäßigen politischen Ankündigungen, alles gegen Einbrüche zu tun, verunsichern die Menschen.

Die „German Angst“ ist inzwischen weltweit bekannt

Wir fürchten uns zu Tode und bewerten Risiken höher, als sie sind. So glaubten fast 20 Prozent der Bochumer in einer 2016 von der Ruhr-Universität vorgenommenen Befragung, dass sie 2018 Opfer eines Raubes werden. Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit bei unter 0,7 Prozent. 80 Prozent glaubten, dass Raubüberfälle in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland zugenommen haben – in Wirklichkeit sind sie um mehr als 10 Prozent zurückgegangen.

Diese Angst der Bürger ist funktional für die Politik (nicht nur für die AfD). Sie kann so tun, als wenn sie sich um die Ängste kümmert, sie „ernst nimmt“. Damit kann von anderen, wirklichen Problemen im sozialen Bereich (Renten, Gesundheit im Alter, Globalisierung, Zerfall der EU) und der Unfähigkeit dort abgelenkt werden. Hinzu kommt, dass viele Menschen die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht mehr verstehen und zutiefst verunsichert sind. Sie verlagern ihre allgemeinen gesellschaftlichen Ängste in den Bereich der Kriminalität – und zweifeln an der Demokratie.

Von Prof. Thomas Feltes/RND


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