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Wirtschaft Wandergesellen müssen bei Handwerkerball draußen bleiben
Nachrichten Wirtschaft Wandergesellen müssen bei Handwerkerball draußen bleiben
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16:48 19.03.2019
Der Handwerker-Nachwuchs wollte zum Handwerkerball – und durfte nicht. Quelle: Screenshot
Göttingen

In Südniedersachsen ist nach einem Ball der Handwerkerschaft eine Diskussion über den Umgang mit Wandergesellen entbrannt. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft hatte einer 15-köpfigen Gruppe von Handwerkergesellen auf der Durchreise keinen freien Zutritt zum Handwerker- und Universitätsball gewährt.

Eine Facebook-Nutzerin hatte die Gruppe kurz danach in der Göttinger Innenstadt getroffen – und war empört.

„Es war eine geschlossene Premiumveranstaltung, wo jeder der 1400 Gäste – einschließlich der anwesenden Gesellen – 65 Euro Eintritt zahlen musste“, erklärte Kreishandwerksmeister Christian Frölich die Entscheidung von Geschäftsführer Andreas Gliem. So hätten die Organisatoren die 100 000 Euro für die Ausrichtung des Balls wieder hereinbekommen. Für ihn sei es vor diesem Hintergrund eine „klare Geschichte“, dass der Geschäftsführer da niemanden umsonst hereinlasse. Gliem habe auch Studierende abgewiesen. „Im übrigen finde ich die alte Tradition, auf Walz zu gehen, aber total gut“, stellt Frölich klar. Vielleicht hätten sie den jungen Leuten „ein Tablett Bier“ nach draußen bringen sollen.

Handwerkerball zu „schlipsig“?

Hinter Gliem und Frölich stellt sich der Gleichener Zimmerer- und Dachdeckermeister Martin Hofmann, der stellvertretender Obermeister der Zimmerer-Innung ist. „Anderenfalls hätte es Riesenärger mit all denen gegeben, die regulär Eintritt gezahlt haben“, ist er sich sicher. Und die Gesellen hätten sich gesagt, „dann komme ich das nächste Mal auch in Kutte und mit Hut.“ Allerdings frage er sich, ob das „tolle, gut organisierte Fest“ nicht mittlerweile zu teuer geworden sei. Im Eintritt sei nicht einmal das Essen und Trinken enthalten gewesen.

Der Göttinger Handwerkerball in Bildern

Glanz und Glamour – das Göttinger Tageblatt hat den Ball mit Bildern dokumentiert

„Mir ist die Veranstaltung zu schlipsig geworden“, meint der Dransfelder Dachdeckermeister Benjamin Grischke. Er persönlich hätte ein Auge zugedrückt und die jungen Leute hereingelassen. Wer auf Wanderschaft sei, habe wenig Geld.

Handwerksgesetz gebrochen?

Probleme mit „hochelitären Veranstaltungen“ hat auch der Hemelner Dachdecker- und Zimmerermeister Michael Franke. „Wir sind doch froh, wenn ein Geselle auf Walz bei uns vorspricht“, erklärt er mit Blick auf den Fachkräftemangel. Es wäre eine „schlechte Werbung“ für Göttingen, wenn die Gesellen nun einen Bogen um die Unistadt machten.

„Es ist ein altes Handwerksgesetz, einem durchreisenden Gesellen Arbeit, Unterkunft und etwas zu essen zu geben“, meint der Duderstädter Dachdeckermeister Wilfried Beck. Es sei „nicht in Ordnung“, sie nicht mitfeiern zu lassen. Der Handwerker: „Das ist ein Thema, dass wir bei den Innungstreffen ansprechen müssen.“

Exil im „Exil“

Nach Aussagen der Göttinger Live-Clubs „Exil“ haben die Gesellen statt auf dem Ball zu feiern, im Exil gefeiert. „Diese wirklich überaus reizende Truppe von Jungs und Mädels (!!!) hat bei uns im EXIL die ganze Nacht gefeiert und die einzelnen Gewerke in der besten vorstellbaren Art und Weise repräsentiert“, heißt es auf der Exil-Facebook-Seite.

Von RND/bam/mic/mib/hö

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