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VW-Werk in Wolfsburg: Europas größter Autobauer sieht im Abgas-Skandal weiter keine Anzeichen für eine mögliche Mitschuld auf Vorstandsebene.

VW-Werk in Wolfsburg: Europas größter Autobauer sieht im Abgas-Skandal weiter keine Anzeichen für eine mögliche Mitschuld auf Vorstandsebene. © Julian Stratenschulte

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VW will Vorstand entlasten

Der VW-Konzern bleibt seiner Linie treu: Noch immer gebe es keine Hinweise auf eine Mitschuld von Vorständen am Diesel-Skandal. Unmut zieht die Unternehmensspitze von der Arbeitnehmerseite auf sich, Zehntausende protestieren. Und für Aufsehen sorgt derweil Katar.

Wolfsburg. Der VW-Konzern sieht im Abgas-Skandal bisher weiter keine Anzeichen für eine mögliche Mitschuld auf Vorstandsebene. Bei der Hauptversammlung Ende Juni soll daher der komplette Vorstand für das Geschäftsjahr 2015 entlastet werden, wie Volkswagen in Wolfsburg mitteilte.

Dies stehe aber unter dem Vorbehalt, dass die laufende Untersuchung bis zum Aktionärstreffen am 22. Juni nichts Belastendes zutage fördere. Mögliche Schadenersatz-Ansprüche blieben.

Derweil zeigte die Belegschaft an mehreren VW-Standorten ihren Unmut. Allein in Wolfsburg zogen mehr als 30 000 Mitarbeiter vor das Vorstandshochhaus und forderten in der laufenden Haustarifrunde ein spürbares Lohnplus und eine endgültige Einigung auf ihre zugesagte Anerkennungsprämie. Ebenfalls am Mittwoch machte der Konzern seine Pläne für eine neue Frau im Aufsichtsrat öffentlich.

Zur anstehenden Vorstandsentlastung hieß es: "Grundlage dieser Empfehlung sind die derzeit vorliegenden Informationen aus der umfassenden, wenngleich noch nicht abgeschlossenen Untersuchung der US-amerikanischen Kanzlei Jones Day zur Diesel-Thematik." Der Aufsichtsrat habe prüfen lassen, ob nach derzeitigem Kenntnisstand "eindeutige und schwerwiegende Pflichtverletzungen von aktuellen oder ehemaligen Vorstandsmitgliedern festzustellen sind".

Der Mitteilung war eine Aufsichtsratssitzung vorausgegangen, bei der die Kontrolleure bis zum späten Dienstagabend "intensiv" um eine Lösung gerungen hätten, hieß es aus ihrem Umfeld. Diesen Donnerstag erfolgt die Einladung für das Aktionärstreffen. Auf der Tagesordnung für Hauptversammlungen steht stets der Punkt Entlastung. Im laufenden Diesel-Debakel bekommt er aber besondere Brisanz und Symbolkraft.

Der frühere Konzernchef Martin Winterkorn war im Strudel der Affäre im September 2015 zurückgetreten, beteuerte aber seine Unschuld. Der ehemalige Finanzvorstand und Winterkorn-Vertraute Hans Dieter Pötsch wechselte an die Spitze des Aufsichtsrates, was Kritik auslöste. Unter anderem ist es umstritten, ob Pötsch in seiner alten Funktion rechtzeitig die Finanzwelt über die Abgas-Affäre informierte.

Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz, der schon Jahre vor dem Einbau der Betrugs-Software in die Topmanager-Riege aufstieg, bekam die Aufarbeitung des Skandals zugewiesen - und damit eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen mit den USA, dem Ursprungsland der Affäre. Auch Winterkorn-Nachfolger Matthias Müller, Audi-Chef Rupert Stadler und China-Vorstand Jochem Heizmann saßen schon vor dem Auffliegen des Skandals als langjährige VW-Kenner im Konzernvorstand.

Die Entlastungsfrage war daher mit Spannung erwartet worden. Generell passt der Vorschlag als Vertrauensbeweis ins Bild, das der Konzern bisher abgab. Bereits in einer Erwiderung auf klagende Anleger und in diversen öffentlichen Erklärungen hat VW stets betont, dass die Vorstandsmitglieder erst im Frühling 2015 Indizien sahen.

Wie erwartet will zudem der Großaktionär Katar erstmals mit der Ingenieurin Hessa Al-Jaber eine Frau in den Aufsichtsrat von VW entsenden. Mit ihrer Wahl würden zusammen mit der Vorstandschefin der schwedischen Bank SEB, Annika Falkengren, und der Unternehmerin Louise Kiesling drei der zehn Anteilseigner-Sitze im 20-köpfigen Kontrollgremium von Frauen eingenommen.

"Damit würde die seit Jahresbeginn in Deutschland geltende Frauenquote von 30 Prozent erfüllt werden", teilte VW mit. Im Aufsichtsrat sitzt mit der Gewerkschafterin Babette Fröhlich noch eine weitere Frau auf der Seite der Arbeitnehmervertreter. Al-Jaber soll den Vizechef der Katar-Holding, Hussain Ali Al-Abdulla, ablösen.

Nach wochenlangem Streit um die Vorstands-Boni droht dem Konzern ein neuer Krisenherd: Laut Betriebsratschef Bernd Osterloh regt sich in der Firmenspitze Widerstand gegen die vereinbarte Anerkennungsprämie, die die 120 000 Beschäftigten im Haustarif als Ersatz für ihre entgangene Gewinnbeteiligung aus 2015 erhalten sollen.

Teile des Vorstandes verlangten Zusagen dafür, dass die Mitarbeiterprämie fließe, sagte Osterloh vor rund 30 000 Beschäftigten in Wolfsburg. Insgesamt protestierten nach IG-Metall-Darstellung gut 60 000 VW-Mitarbeiter in den sechs westdeutschen Werken, für die der Haustarif gilt.

Für die Anerkennungsprämie steht Konzernchef Matthias Müller schon im Wort - nur ihre Höhe ist noch unklar. Details zum Vorstands-Vorbehalt nannte Osterloh nicht. Er sprach von einem "Taschenspielertrick".

dpa


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